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50 Jahre Münchner Informatik

In diesem Jahr feiert die Münchner Informatik ihr 50-jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass hat die Fakultät für Informatik am 18. Juli 2017 ein besonderes Jahreskolloquium veranstaltet – mit Ehemaligen der ersten Stunde und einer Ausstellung aktueller Forschungsprojekte.
50 Jahre Münchner Informatik

Dekan Prof. Klaus Buchenrieder (links) und Prof. Manfred Broy vor dem CommunityMirror

Das Casino der Universität der Bundeswehr München ist mit mehr als 150 Gästen gut besucht. Die Fakultät für Informatik stellt einige ihrer aktuellen Forschungsprojekte aus. Unter anderem das „Serious Game“ SanTrain, eine virtuelle Simulation taktischer Verwundetenversorgung, und einen CommunityMirror, der Portraitfotos und die Namen von Münchner Informatikern abbildet. Wenn man mit dem Finger die Oberfläche berührt erscheinen weitere Informationen, es werden z.B. Lebensläufe, Forschungsprojekte sowie die Vernetzung zu anderen Professorinnen und Professoren und Hochschulen angezeigt.

Leitdisziplin im Zeitalter der Digitalisierung

Prof. Gabi Dreo Rodosek, Universität der Bundeswehr München, und Prof. Manfred Broy, TU München, halten die Fachvorträge des diesjährigen Kolloquiums. Prof. Broy zeigt dabei auf, wie sich die Informatik von der „Nischen- zur Leitdisziplin im Zeitalter der Digitalisierung“ entwickelt hat. War die Informatik anfangs wissenschaftlich gesehen oft eine Hilfsdisziplin, so ist sie spätestens seit dem 21. Jahrhundert eine dominierende Fachrichtung, deren Bedeutung niemand mehr in Frage stellt. In den letzten Jahren rückte vermehrt der Sicherheitsaspekt in der IT-Technologie in den Fokus, ein Thema, dem sich Prof. Dreo Rodosek in ihrem Vortrag: „Cyber-Cluster@UniBwM – Eines der größten Ökosysteme für Forschung, Entwicklung und Innovation im Bereich der Cybersicherheit und Smart Data“ widmet.

Information + Mathematik = Informatik

Prof. Klaus Buchenrieder, Dekan der Fakultät für Informatik, zeigt sich in seiner Begrüßung besonders erfreut, dass es gelungen ist, Hochschullehrer und Studenten „der ersten Stunde der Münchner Informatik“ als Festgäste und -redner des Jahreskolloquiums zu gewinnen. 1967 bot die Technische Universität München den Studiengang „Informationsverarbeitung“ erstmals an. Die Ludwig-Maximilians-Universität gründete 1974 ein Institut für Informatik. Bereits ein Jahr zuvor hatte die Hochschule der Bundeswehr München bei ihrer Gründung eine eigene Fakultät für Informatik ins Leben gerufen. 1977 verließen die ersten sieben Absolventen als Diplom-Informatiker den Neubiberger Campus. Prof. Christoph Zenger, der damals in Neubiberg unterrichtete, berichtet von den anfänglichen Schwierigkeiten bei der Dozentensuche: „Für die Informatiklehre gab es nicht mal Leute, die das studiert hatten.“ Informatik sei nämlich ein Kunstwort gewesen – zusammengesetzt aus Information und Mathematik – und stand noch nicht im Duden. „Wen nimmt man da?“, scherzt Prof. Zenger: „Einen Mathematiker, der mal einen Rechner gesehen hat?“

Erinnerungen an Damals

Auch der ehemalige Professor der Universität der Bundeswehr München, Prof. Fritz Lehmann, berichtet über die ersten Jahre. Das teils militärische, teils akademische Umfeld erschien ihm suspekt. Neben dem Fach Informatik waren auch Trimester statt Semester und die „herausgeputzten Männer“ neu für den Professor. „Als ich durch die Tür kam, sprangen alle auf und riefen: Guten Morgen“, erzählt er. „Das hatte ich bislang noch nicht erlebt.“ Rückblickend zieht er ein Resümee: „Ich habe viel über die Bundeswehr gelernt und konnte so einige Vorurteile ablegen.“

Horst Hermanns war wohl ebenfalls mit im Hörsaal, als damals Professor Lehmann begrüßt wurde. Er gehörte zu den ersten sieben erfolgreichen Absolventen des Studiengangs Informatik und beschreibt: „Manche kamen an die Universität und dachten, das hat etwas mit Journalismus zu tun.“ Schwierig sei es zum Beispiel gewesen, sich auf das Studium vorzubereiten. „Heute ist das ganz anders“, sagt der Diplom-Informatiker, denn etwa nach dem Wort „Cyber“ zu googeln sei jetzt ganz einfach. Damals aber sei die Lochkarte sein Kommunikationsmittel zum Rechner gewesen. Neben Horst Hermanns sind fünf weitere Absolventen des ersten Studienjahrgangs Ehrengäste des Jubiläums-Jahreskolloquiums. Als Wertschätzung schenkt ihnen die Fakultät für Informatik eine „flüssige Kleinigkeit“ sowie den Alumni-Anstecker, den die Universität heute an Master-Absolventen als Zeichen ihrer Verbundenheit verleiht.

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