2005 in Heidelberg

Die Betonkanu-Regatte 2005 in Heidelberg

 

Die Universität der Bundeswehr München wird zum freundschaftlichen Wettstreit eingeladen, genauer gesagt die angehenden Bauingenieure der Universität. In einem Einladungsschreiben, das kürzlich den Lehrstühlen für Werkstoffkunde und Massivbau zuging, ruft der Bund der deutschen Zementindustrie zur Teilnahme an der Betonkanu-Regatta 2007 auf.

Was ist eine Betonkanu- Regatta?

Bei der alle zwei bis drei Jahre stattfindenden Deutschen Betonkanu- Regatta messen sich Hochschulen und berufsbildende Schulen, an denen Betonbau gelehrt wird, im sportlichen und kreativen Wettkampf. Die Studierenden entwerfen dazu Kanus aus Beton und stellen sie in gemeinsamer Arbeit her. Mit diesen Kanus treten die Teams aus ganz Deutschland und einigen europäischen Nachbarländern im sportlichen Wettkampf gegeneinander an. Neben der sportlichen Leistung werden allerdings auch konstruktive und kreative Teamleistungen prämiert. Dabei spielt die so genannte „Offene Klasse“ eine besondere Rolle. Mit den Wasserfahrzeugen dieser Klasse wird nicht an den Wettfahrten teilgenommen, hier steht ausschließlich die Konstruktionsidee und die Gestaltung im Vordergrund, daher gibt es in dieser Klasse kaum Beschränkungen im Hinblick auf die Abmessungen der Boote und der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt.

Für die Universität der Bundeswehr hat die Teilnahme an der Deutschen Betonkanuregatta bereits Tradition, ist sie doch seit 1998 bei allen Veranstaltungen mit einem Team vertreten. So auch bei der Regatta des Jahres 2005. Am Beispiel des Teams von 2005 lässt sich am besten zeigen, wie facettenreich das Projekt „Betonkanu- Regatta“ sein kann.

Am Anfang des Projekts stand die Findung des Teams, das unsere Universität bei der Regatta 2005 vertreten sollte. Im Oktober 2004 fanden sich dazu ein gutes Dutzend Studierende aus den Jahrgängen Bau02 bis Bau04 zusammen. Dabei waren nicht nur sportliche oder technische Fertigkeiten, sondern auch organisatorische und künstlerische Fähigkeiten gefragt.

Zu Beginn der gemeinsamen Arbeit gab es in einigen Planungssitzungen eine Reihe von Fragen zu klären. Wer übernimmt im Team welche Aufgaben? Wie sollen die Boote ungefähr aussehen? Was benötigen wir an Material dafür? Woher bekommen wir es und wie finanzieren wir das Ganze?

Ein Motto, unter dem die Regatta- Teilnahme 2005 stehen sollte wurde hier vereinbart: „Sattelt die Boote, Cowboys! Wir paddeln nach Westen!“ Entwürfe für Boots- Konstruktionen, T-Shirts, Plakate wurden dazu vorgestellt und beraten.

Die Gefahr, dabei in endlose Debatten zu verfallen, wurde dabei durch den Termindruck leicht vermieden. Schließlich sollten unsere Boote der Wettkampf- und der Offenen Klasse im Juni 2005 auf dem Neckar in Heidelberg schwimmen und bis dahin war noch einiges zu tun.

Für das Wettkampfkanu sollte eine ganz neue Rumpfform getestet werden. Dazu waren im Vorfeld eine Reihe von Modellversuchen und Proben mit geeigneten Materialien erforderlich. Als die richtigen Materialien gefunden, bestellt und irgendwie Sponsoren zur Finanzierung gefunden waren, konnte im März mit dem Bau der Schalungen für den Rumpf begonnen werden. Im Mai waren die Arbeiten soweit fortgeschritten, dass im Strömungskanal des Instituts für Wasserbau erste Schwimmversuche unternommen werden konnten. Dank der dünnen Wandungen des Kanus, bestand es die Schwimmversuche auch mit Passagieren an Bord.

Zu gleicher Zeit wurden auch die Säulen einer Schwimmprobe unterzogen, aus denen das Betonfloß nach dem Vorbild eines Holzfloßes für die Offene Klasse zusammengesetzt werden sollte. Der Clou bestand hier darin, dass es sich um Massive Säulen aus Beton handelte, für die jedoch ein spezieller Leichtbeton entwickelt worden war, dessen Dichte nur etwa halb so groß wie die des Wassers war, so dass auch die massiven Betonsäulen schwimmfähig waren.

Auch die Säulen bestanden zumindest als Einzelstücke den Schwimmversuch. Das Floß als Gesamtwerk wurde erst in Heidelberg am Ufer des Neckars erstmals zusammengesetzt und konnte auch erst hier seine Schwimmfähigkeit unter Beweis stellen.

Gleich nach der Anreise in Heidelberg am Nachmittag des … Juni, wurde mit dem Bau des Floßes begonnen. Der Aufbau musste binnen 24 Stunden abgeschlossen sein, da am Freitagnachmittag bereits die Begutachtung durch die Jury an Land erfolgen sollte. Parallel dazu wurde auch der Bereich um das Kanu durch Stellwände mit Informationstafeln zum Bootsbau auf die Präsentation vorbereitet. Hier wurde deutlich, dass es neben der konstruktiven und der organisatorischen Leistung, die im Vorfeld zu erbringen war, auch kreativer Vorbereitungen bedarf.

Nach der Begutachtung durch die Jury hatten unsere Floß- Verantwortlichen eine Weile Pause, die sie gut dazu Nutzen konnten, sich zu überlegen, wie sie das 1,6 Tonnen schwere Floß am nächsten Tag zur großen Parade ins Wasser bekommen wollten.

Unterdessen hatten unsere beiden Kanu-Besatzungen in den Wettfahrten der Damen- und der Herren- Wertung ihren großen Auftritt. Nach einem kurzen Vorüben am Freitag, begannen am Sonnabend schon früh morgens die ersten Vorläufe.

Dabei mussten die Zweierteams mit dem Kanu einen Parcours durchfahren, der sowohl gerade, als auch Slalom- Passagen enthielt. Bei unserem Kanu wurde schnell deutlich, dass es auf gerader Strecke hervorragende Fahreigenschaften besaß, in den Slalomabschnitten jedoch nur mit sehr viel Kraft zu manövrieren war.

Zwar gibt es für die Kanus der Wettkampfklasse im Reglement strickte Vorgaben, was die maximalen oder minimalen Abmessungen, die Oberflächenbeschaffenheit des Kanus oder konstruktive Elemente wie Auftriebskörper anbelangt. Eine explizite Form ist jedoch nicht vorgegeben, so dass hier vom klassischen Kanadier schmale Rennkanus bis hin zu Booten mit Ausleger alles erlaubt ist, was den allgemeinen Rahmenbedingungen entspricht.

Unsere Teams konnten sich beide durch die ersten drei Läufe und damit auf gute Mittelfeldplätze kämpfen, am Ende mussten sie sich jedoch den klassischen Renn-Kanus und teilweise professionellen Kanuten geschlagen geben.

Der sportliche Triumph ist bei der Veranstaltung jedoch nur ein Aspekt, wie die Tatsache belegt, dass es weit mehr Preise und Titel in den nicht sportlichen Bereichen „Kreativität“ und vor allem „Konstruktion“ zu gewinnen gibt.

Noch wichtiger als irgendwelche Preise und Titel ist jedoch der Spaß an der Teilnahme und dass der nicht zu kurz kam, dafür war gesorgt. So gab es zur Regatta auch ein umfangreiches Rahmenprogramm, zu dem unter anderem ein offizieller Begrüßungsabend gehörte, bei dem unter anderem auch der T-Shirt- Wettbewerb ausgetragen wurde. Gefeiert wurde aber nicht nur an diesem Abend, sondern eigentlich jeden Abend auf dem Campingplatz, auf dem fast alle Teams Quartier bezogen hatten.

Auch auf dem Wasser wurde gefeiert. Bei der großen Parade mit allen Booten kamen auch die Fahrzeuge der Offenen Klasse zum Einsatz. Zum Glück war der Stapellauf reibungslos verlaufen, so dass das Floß der Universität einen zentralen Anlaufpunkt für viele andere Boote bieten konnte. War doch nur auf dem Floß reichlich Platz für Musik und schäumende Getränke.

Insgesamt kann man sagen, dass die Betonkanu- Regatta nicht nur eine gute Gelegenheit für die Universität der Bundeswehr ist, um Flagge zu zeigen, sondern zugleich auch für die teilnehmenden Studierenden eine schöne Abwechslung zum Unialltag darstellt.

Da es sich um ein Gemeinschaftsprojekt handelt, ist es nicht einmal erforderlich, dass alle Teilnehmer über besondere Begabung im Betonbau verfügen, stattdessen kann sich jeder in dem Bereich einbringen, in dem er möchte. Einzig ein gewisses Maß an Geselligkeit ist für jedes Teammitglied angeraten. Mit einer Bierallergie hat man es nicht leicht bei der Betonkanu- Regatta.

Wer mehr über das Team 2005 oder die Betonkanu- Regatta allgemein erfahren möchte, findet hier weitere Informationen: 

http://www.bauv.unibw-muenchen.de/~betonkanu/

http://www.betonkanu-regatta.de/

Ansonsten bleibt uns nur, dem Team 2007 alles Gute und viel Erfolg zu wünschen.

Heiko Tessenow

Nadine Domke