Tell Spring Not To Come This Year

Tell Spring Not To Come This Year

Filmvorführung

Veranstaltungsbericht

18. März 2015

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Am 18. März 2015 veranstaltete die Professur für Internationale Politik und Konfliktforschung der Universität der Bundeswehr München (UniBw) unter der organisatorischen Leitung von Jan Busse eine öffentliche Filmvorführung mit anschließender Diskussion. Unterstützt wurde die Veranstaltung von MEIA Research, der Model United Nations Society an der UniBw und dem Sicherheitspolitischen Arbeitskreis UniBw. Gezeigt wurde der Dokumentarfilm Tell Spring Not to Come This Year von den Regisseuren Michael McEvoy und Saeed Taji Farouk. Der Dokumentarfilm zeigt die Lebenssituation afghanischer Soldaten nach dem Abzug der NATO-Truppen in der Provinz Helmand: Afghanistan ist auch nach fast anderthalb Jahrzehnten andauernden militärischen Operationen gegen die Taliban, Al-Qaida und deren Verbündete von menschlicher Unsicherheit geprägt.

Der Film feierte auf der Berlinale im Februar 2015 Premiere und erhielt sowohl den Berlinale Publikumspreis als auch den Amnesty International Filmpreis. Michael McEvoy und Saeed Taji Farouky verfügen über zahlreiche Erfahrungen in Kampfgebieten. Farouky verbrachte für Filmarbeiten einige Zeit im vom Krieg zerrütteten Gaza-Streifen und in der Westsahara. McEvoy war als britischer Verbindungsoffizier zur Afghanischen Nationalarmee im Einsatz. Dies ermöglichte den beiden Regisseuren ihren Film eingebettet in die afghanische Armee zu drehen. Der Zuschauer erhält Einblicke in die Motivation, Sorgen und Hoffnungen der afghanischen Soldaten. Im Anschluss diskutierten die etwa 120 Teilnehmer mit Regisseur Michael McEvoy über seinen Film.

 

Menschliche Unsicherheit

McEvoy wies im Gespräch darauf hin, dass er keine militärische Lösung zur Stabilisierung Afghanistans sehe. Zahlreiche Afghanen würden sich auch aufgrund finanzieller Nöte dem bewaffneten Aufstand anschließen. Dies könne längerfristig nur durch ökonomische und soziale Förderprogramme verhindert werden. Alternativen zur Sicherung der Lebensgrundlagen müssten geschaffen werden, betonte McEvoy. Eines habe das internationale militärische Engagement in Afghanistan gezeigt: Armeen sind nicht in der Lage die seit Jahren andauernden Aufstände zu befrieden. Zentral sei vielmehr Polizeiarbeit und eine langfristig orientierte Herangehensweise, die der betroffenen Bevölkerung eine Lebensperspektive liefert. Unabdingbar für die Entwicklung Afghanistans sei laut McEvoy daher der Aufbau ziviler Infrastruktur.

 

Internationales Engagement bleibt gefordert

Die Verbesserung des Lebensstandards beschränke sich derzeit auf die Städte, während die ländlichen Gebiete zum großen Teil von starker Armut geprägt seien. Der auf dem Land verbreitete Opiumanbau konfrontiert die afghanische Regierung bzw. Armee mit einem Dilemma, da  die Zerstörung der Felder zur Vernichtung der Lebensgrundlagen der Bauern führe, was deren Unterstützung für die Aufständischen erhöhe und die Autorität der Regierung gefährde. McEvoys Fazit: Die Taliban kontrolliert zwar wesentliche Teile des afghanischen Staatsgebiets. Dennoch stellt sie keine Gefahr für die Existenz des afghanischen Staats dar. Jedoch dürfe die internationale Gemeinschaft Afghanistan nicht im Stich lassen.

 

(Verfasser: Oday Uraiqat, Studentischer Mitarbeiter an der Professur für Internationale Politik und Konfliktforschung)

 

 

 

von links: Regisseur Michael McEvoy, Dr. Anja Opitz (MEIA Research), Jan Busse, M.Sc. (UniBw)

 

 

Jan Busse im Gespräch mit Michael McEvoy (links)

 

 

Audimax, Universität der Bundeswehr München