Lena von Gartzen

Lena von Gartzen  

Lena von Gartzen

Adresse Universität der Bundeswehr München
Fakultät für Sozialwissenschaften
85577 Neubiberg
Fax +49 89 6004-3818
Email lena@vongartzen.com

Curriculum Vitae

Seit 03/05 Gastforscherin an der Professur für Allgemeine Soziologie der Universität der Bundeswehr München
Seit 07/04
Promotionsstipendiatin der Hans Böckler Stiftung im Promotionskolleg „Arbeit, Gender, Technik“ am Münchner Zentrum für Wissenschafts- und Technikgeschichte

Titel der Dissertation: „Das Handy als Ikone der Zweiten Moderne. Entwicklung, Nutzung und Risiken mobiler Fernkommunikation“
10/96–06/03
Studium der Soziologie an der Ludwig Maximilian Universität München mit den Schwerpunkten Arbeit, Kommunikation und Organisation. Nebenfächer: Kommunikationswissenschaft und Arbeits- und Organisationspsychologie

Abschluß: Diplom Soziologin

Diplomarbeit: Das Zusammentreffen von Kommunikation und Mobilität in Arbeits- und Privatleben.
1987–1996 Gymnasium Starnberg

Abschluß: Abitur
23.04.1977 geboren in München

Wissenschaftliche Tätigkeiten

04/01–03/02 Lehrveranstaltung: "Einführung in die Sozialstruktur der Bundesrepublik Deutschland", LMU, Institut für Soziologie, Sommersemester 2001, Wintersemester 01/02
06/01–12/02 Werkstudentin und Mitarbeit im Sonderforschungsbereich 536 "Reflexive Modernisierung", Teilprojekt B3 "Mobilitätspioniere"

Forschungsschwerpunkte

  • Kommunikationssoziologie
  • Techniksoziologie
  • Wissenssoziologie
  • Risikoforschung
  • Sozialer Wandel

Publikationen

06/05 Artikel: "Nicht nah, aber immer für Dich da!", S.24–28. In : Zeitschrift für Medienpädagogik: „merz – medien und erziehung“. Thema: Handys im Jugendalltag. 49. Jahrgang, Nr.3, Juni 2005.
10/03 Artikel: "Mobilität trifft Kommunikation". In : Bonß, W. et al. ( Hg.): Mobilitätspioniere. Beiträge zur soziologischen Mobilitätsforschung. Erscheint 2005.

Vorträge

06/05 Vortrag: Risiko Mobilfunk? Empirische Eindrücke zur Risikowahrnehmung der Mobilfunknutzer. Am: Wissenschaftszentrum für Umwelt (WZU) in Augsburg, Projekt: "Nichtwissenskulturen".
10/04 Vortrag: Das Handy als Ikone der Zweiten Moderne. Entwicklung, Nutzen und Risiken mobiler Fernkommunikation. Am: Münchner Zentrum für Wissenschafts- und Technikgeschichte (MZWTG) im Forschungskolloquium des Promotionskollegs "Arbeit Gender Technik".

Forschung

Dissertation

Das Handy als Ikone der Zweiten Moderne. Entwicklung, Nutzen und Risiken mobiler Fernkommunikation
Kurzbeschreibung:
Das Handy als Ikone der Zeiten Moderne?
Entwicklung, Nutzung und Risiken mobiler Fernkommunikation

Erst seit etwa einem Jahrzehnt steht der Gesellschaft ein neues Kommunikationsmedium zur Verfügung: Das Handy. Die Wende von ortszentrierter zu personenzentrierter Fernkommunikation, sowie die damit neu gewonnene Option universaler Erreichbarkeit eröffnen zahlreiche Chancen zur Um- und Restrukturierung sozialer Beziehungen. Während Erreichbarkeit einst nur an bestimmten Orten und zu bestimmten Zeiten gegeben war, so kann man heute an jedem Ort und zu jeder Zeit mit anderen Menschen kommunizieren, die sich wiederum an jedem beliebigen Ort aufhalten können. Die Folgen und Nebenfolgen dieser neuen Art der Fernkommunikation gelten als ambivalent: Auf der einen Seite ergeben sich zahlreiche Chancen zur flexiblen Reorganisation und Restrukturierung des Alltags, auf der anderen sind auch soziale Zwänge und Risiken mit diesem technischen Kommunikationsmedium verbunden.

Neue Formen der Kommunikation und insbesondere jene der interpersonalen Kommunikation eignen sich hervorragend, um einen möglichen Strukturbruch der Gesellschaft zu kennzeichnen. Das Mobiltelefon nimmt hierbei eine besondere Rolle ein, da es in den unterschiedlichsten Kontexten und in den verschiedensten Bereichen des Zusammenlebens zur Verfügung steht. Die gestiegenen Mobilitäts- und Flexibilitätsanforderungen im Arbeits- und auch im Privatleben stellen das Individuum vor neue Herausforderungen: Während die Planung des Alltags in Anbetracht dieser Anforderungen zunehmend schwieriger wird, werden technische Hilfsmittel immer wichtiger um die Integration und Koordination der eigenen Pfade durch Raum und Zeit mit jenen des sozialen Netzwerkes abzustimmen. Durch eine stabile technische Kommunikationsinfrastruktur bleibt die Integration in soziale Netzwerke trotz Mobilität erhalten, neue Formen von „Connectivity“ (Tomlinson 1999) ermöglichen stetige Kooperation, Sicherheit und Verlässlichkeit in einer mobilen Welt.

Eine Analyse der Alltagsorganisation und der individuellen Art der Handynutzung liefert Hinweise auf Folgen und Nebenfolgen mobiler, interpersonaler Kommunikation. Dabei soll neben der Diskussion einer möglichen Restrukturierung des Alltags durch mobile Kommunikationstechnik eine Einordnung in größere Forschungskomplexe gewagt werden: Die durch das Handy eingeleiteten Erosions- und Restrukturierungsprozesse werden vor dem Hintergrund der Theorie Reflexiver Modernisierung aufgezeigt.

Dabei soll erstens geprüft werden, inwieweit es sinnvoll erscheint, von einer „Individualisierung der Fernkommunikation“ zu sprechen. Nun steht ein bestimmtes, mobiles Individuum – nicht etwa ein Ort oder ein soziales Konstrukt – am Ende der Verbindung. Selbstverantwortung und Selbstbestimmung prägt die neue Form der Erreichbarkeit. Wahlentscheidungen führen zu individuellen Arrangements der Erreichbarkeit vor dem Hintergrund neuer Freiheiten und Zwänge. Neue Kommunikationsformen, z.B. SMS, stehen zur Verfügung und können bedarfsorientiert angewendet werden. Zweitens gilt es die Chancen zur erfolgreichen Restrukturierung des Alltags vorzustellen. Im Alltag wird sowohl die geschlechtliche Arbeitsteilung als auch die Organisation von Arbeits- und Privatleben ausgehandelt. Durch neue Kommunikationsverbindungen kann die Integration in und auch die Koordination mit dem sozialen Netzwerk erleichtert werden. Folgeprobleme von hoher Mobilität und Flexibilität werden dadurch entschärft. Drittens sollen die Folgen ständiger Verbundenheit auf Dimensionen der Zeit aufgezeigt werden. Nicht nur die strikte Differenzierung von Arbeitszeit und Freizeit, sondern auch die Festlegung bestimmter Zeitpunkte wird formbar und kann kurzfristig an aktuelle, individuelle Bedürfnisse angepasst werden. Viertens werden die Auswirkungen mobiler Kommunikation auf bestimmte Räume untersucht. Insbesondere im Raum der Öffentlichkeit als auch in jenem der Natur war Kommunikation nur mit Anwesenden möglich. Inzwischen können individuelle Ferngespräche überall geführt werden. Dies leitet in der Öffentlichkeit eine Neujustierung des Verhältnisses von Anwesenheit und Kopräsenz ein. Durch Handys bleibt auch in der Natur eine Verbindung zur Zivilisation erhalten und ermöglicht neue Mischformen aus Abenteuer, Einsamkeit und Sicherheit. Fünftens und letztens sollen Risiken des Mobilfunks diskutiert werden. Diese zeigen sich in Form von sozialen Risiken, d.h. verstärkter sozialer Kontrolle und einem Zwang zur Erreichbarkeit. Aber auch gesundheitliche Risiken durch die Strahlung der Mobilfunknetze werden analysiert. Die Ungewissheit insbesondere in Bezug auf Langzeitfolgen der Mobiltelefone und Mobilfunknetze verunsichert die Nutzer. Am Beispiel des Mobilfunks werden individuelle Strategien zum Umgang mit dem Rest – Risiko beschrieben und der gesellschaftliche Risikodiskurs nachgezeichnet.

Da der inzwischen massenhaft verbreitete Gebrauch des Mobiltelefons großes Potential zeigt, das alltägliche Zusammenleben der Subjekte in kürzester Zeit signifikant zu verändern und diese teils tief greifenden Veränderungen darüber hinaus gesellschaftlich bislang nur marginal reflektiert und diskutiert werden, möchte ich die These vertreten, das Handy als „Ikone der Zweiten Moderne“ vorzuschlagen.