SenioMobil-Kurzbeschreibung

Kurzbeschreibung des Projekts

Digitaler Begleiter soll die Fortbewegung älterer Menschen unterstützen.


Der Mobilitätsassistent: Schnelle Hilfe per Knopfdruck

Wie schafft man es, ein Gerät zu entwickeln, das ältere Menschen mit altersbedingten Einschränkungen unterstützt und gleichzeitig von diesen geschätzt und eingesetzt wird? Mit dieser Frage wird die gerontotechnische Forschung häufig konfrontiert, denn es wurden bislang viele, zweifelsohne sinnvolle Geräte entwickelt, die dennoch von den potenziellen Kunden häufig als stigmatisierend erlebt und strikt abgelehnt wurden.

Zwei Mitarbeiterinnen der Fakultät für Staats- und Sozialwissenschaften, Dr. Helga Pelizäus-Hoffmeister (Projektleitung) und Dr. Martina Wolfinger (Projektmitarbeiterin), haben sich zum Ziel gesetzt, dieses Problem im Rahmen eines vom BMBF geförderten Verbundprojektes (mit dem registrierten Projektnamen „SenioMobil“) mit sozialwissenschaftlicher Forschung zur Nutzerperspektive zu bearbeiten. Ihre untersuchungsleitende These lautet: Ob ein technisches Produkt akzeptiert und von den Älteren in ihren Alltag integriert wird, hängt maßgeblich davon ab, inwieweit es gelingt, dieses an ihre konkreten Bedürfnisse und Wünsche und an die jeweiligen Kontextbedingungen anzupassen. Dementsprechend werden sie in ihrem Teilprojekt eine Gruppe von Älteren am gesamten Forschungs- und Entwicklungsprozess beteiligen und diese mit ihren reichhaltigen Erfahrungen, ihren Wünschen und Bedürfnissen zu Wort kommen lassen.

Im November 2011 ist das Projekt gestartet. Daran beteiligt sind deutschlandweit das Fraunhofer-Institut für Photonische Mikrosysteme in Dresden, die MasterSolution AG in Plauen, die Binder Elektronik GmbH in Sinsheim, die Firma WildDesign GmbH & Co. KG in Gelsenkirchen, die Universität der Bundeswehr München und das Dresdner Druck- und Verlagshaus. Die gemeinsame Zielsetzung der Projektpartner ist, in den nächsten drei Jahren einen „Mobilitätsassistenten“ zu entwickeln, der die Aufrechterhaltung der Mobilität älterer Menschen fördert. Konkreter: Eine Systemlösung, bestehend aus einem möglichst handlichen „Mobilitätsassistenten“, einer Ladevorrichtung und einem zentralen Server, soll durch sprachlich vermittelte Navigations- und Kommunikationshilfen die Fortbewegung Älterer im öffentlichen Raum unterstützen. Der „Assistent“ – der vielleicht die Form einer Armbanduhr erhält – kann den Älteren per Knopfdruck oder Spracheingabe eine Vielzahl von Diensten erweisen. So ist denkbar, mittels Sprachausgabe die nächste Bushaltestelle zu finden, im Notfall Hilfe zu rufen oder auch wichtige Informationen zu erhalten sowie eine Erinnerungsfunktion zu integrieren.

Der Zweck des an der Universität der Bundeswehr München angesiedelten Teilprojekts ist es, durch die Integration potenzieller Nutzer in den gesamten Forschungsprozess zur Akzeptanz des zu entwickelnden Geräts beizutragen. Helga Pelizäus-Hoffmeister und Martina Wolfinger werden mit Hilfe eines qualitativen Forschungsinstrumentariums – mit qualitativen Interviews, Gruppendiskussionen und teilnehmenden Beobachtungen – zum einen Erkenntnisse über die konkreten Mobilitätsbedürfnisse, -wünsche und -hindernisse möglicher Nutzer gewinnen. Zum anderen werden sie die Wünsche der Älteren an den zu entwickelnden Informationen und Design ermitteln. Indem präzise Erkenntnisse über die Sicht der potenziellen Nutzer bereitgestellt werden, wird es den anderen Projektpartnern möglich sein, ein Gerätesystem zu entwickeln, das von den älteren Menschen akzeptiert wird.
Mit diesem Vorgehen wird eine Schwäche der bisherigen gerontotechnischen Forschung behoben: Diese war bislang überwiegend auf technikwissenschaftlich orientierte Fragen bezogen, mit der Folge, dass man sich der Chance beraubte, den komplexen Charakter des Umgangs der Älteren mit Technik zu verstehen. Vernachlässigt wurde beispielsweise, dass die Nutzer technische Geräte mit symbolischen Bedeutungen versehen – wie beispielsweise „schick“, „in“ oder auch „stigmatisierend“ –, die entscheidenden Einfluss darauf haben, ob die Technik akzeptiert wird oder nicht. Darüber hinaus wurde meist außer Acht gelassen, dass auch sozialstrukturelle Ungleichheitslagen mit über den (nicht) gelingenden Einsatz von Technik im Alltag Älterer bestimmen. Die Liste offener Fragen ließe sich erheblich erweitern. Dieser „blinde Fleck“ in der bisherigen Forschung wird inzwischen auch von potenziellen Geldgebern wie dem BMBF gesehen, so dass der Einbezug der Nutzerperspektive immer mehr zur Voraussetzung für die Bewilligung von Projekten zur Entwicklung technischer Produkte für Ältere wird.

Die Vision aller am Projekt Beteiligten ist: Auch den Älteren mit altersbedingten Einschränkungen soll mit Hilfe eines digitalen Begleiters eine zufriedenstellende außerhäusige Mobilität ermöglicht werden, so dass sie – nach wie vor – sozial integriert bleiben und an der Gesellschaft teilhaben können.

Helga Pelizäus-Hoffmeister und Martina Wolfinger