Militärsoziologie und Konfliktforschung

Militärsoziologie und Konfliktforschung

Militärsoziologie

Die Militärsoziologie ist eine Teildisziplin der Sozialwissenschaften, die die Erforschung des zivil-militärischen Wechselverhältnisses, des Militärs als Profession und Organisation, der Subjekte im Militär sowie der organisierten Anwendung von Gewalt in Kriegen und Konflikten zum Inhalt hat. Die Fragestellungen der Militärsoziologie sind daher nicht selten im interdisziplinären Grenzgebiet zu Nachbardisziplinen angesiedelt, wie etwa der Politiksoziologie, der Organisationssoziologie, der Sozialpsychologie und der internationalen Politik.
Im Zuge der Restrukturierung des Systems internationaler Sicherheit nach der Auflösung des Ost-West-Gegensatzes nehmen militärsoziologische Fragen zu. Insbesondere im Zusammenhang mit der Modernisierung und Demokratisierung von Gesellschaften in jüngster Zeit nimmt der Diskurs auch in Deutschland einen zunehmend breiteren Raum ein. So wurde nach dem Ende des Ost-West-Konfliktes das System internationaler Sicherheit unübersichtlicher, die Konfliktherde inner- und außerhalb Europas wurden vielfältiger. Streitkräfte in westlichen Demokratien sind damit einem zunehmenden Druck zur Diversifizierung ihres Aufgabenspektrums und zur Professionalisierung ausgesetzt.

Konfliktforschung

Konfliktforschung bezeichnet die sozialwissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Phänomen des sozialen Konfliktes. Dem Konflikt kommt dabei die zentrale Bedeutung für die Erklärung gesellschaftlicher Beziehungen und Vorgänge zu. Als Minimalkonsens gilt: Soziale Konflikte sind Auseinandersetzungen zwischen zwei oder mehreren Individuen oder Gruppen (Organisationen, Staaten usw.). Eine weitere Typisierung von Konflikten kann durch ihre Definition nach Art, Ursache, sozialer Dimension und Intensitätsgrad sowie durch Verlaufs-, Regelungs- und Beendigungsformen vorgenommen werden. Hier leistet die Spieltheorie einen nennenswerten Beitrag zur Klassifikation von Konfliktarten, zur Durchleuchtung ihrer Grundstrukturen und Ablaufschemata (Erkenntnis, dass Konflikte nicht unbedingt Nullsummenspiele sind). Wegen des breiten Spektrums der in Frage kommenden Wirklichkeitsbereiche und wegen der kaum vermeidbaren politisch-ideologischen Beeinflussung kann man nicht von der allseitig empirisch überprüfbaren Konflikttheorie sprechen.