Das Treffen mit dem georgischen Sonderbeauftragten für Russland begann mit einer Begrüßung und einer gegenseitigen Vorstellung. Der Sonderbeauftragte stellte dabei klar, dass sein Posten der einzige in der georgischen Regierung ist, der offiziell Kontakte zur russischen Regierung unterhält, da die diplomatischen Beziehungen beider Länder seit dem Krieg 2008 auf Eis liegen.
Sonderbeauftragter RUS.jpgNach der Vorstellung begann der Sonderbeauftragte mit einer Einleitung in die politischen Gegebenheiten und die schwierige Beziehung zu Russland. Seit dem Krieg mit Russland erkennt dieses die Unabhängigkeit von Südossetien (S.) und Abchasien (A.) an. Für Georgien stellt dies eine Verletzung seiner Souveränität dar und ist daher zu keinem Kompromiss bereit. Dadurch ist der Konflikt eingefroren. Nach Meinung des Sonderbeauftragten sei die starke russische Militärpräsenz in S. und A. nicht nur für Georgien gedacht, sondern um Einfluss im gesamten Kaukasus auszuüben und Macht zu demonstrieren. Dennoch gibt es seit der Wahl 2012 einen direkten Kanal zu Russland (über den Sonderbeauftragten), um wichtige praktische Dinge zu klären, wie: Handel, Tourismus und die Spannungen zu mindern. Seit 2013 sei außerdem der russische Markt für georgische Güter geöffnet worden. Der Handel wachse trotz hoher Risiken für Georgien. Nach der Türkei ist Russland der zweitwichtigste Handelspartner Georgiens.

Die Ziele Georgiens für sich selbst seien: Demokratisierung, liberaler Handel, Ausweitung des Tourismus und der EU- und NATO-Beitritt. Auf die Einleitung folgte eine Fragerunde, bei der besonders die Rolle Georgiens zwischen EU und Russland im Fokus stand. Georgien wolle Teil der EU werden, da diese für eine moderne, freie und demokratische Welt stehe, die der „russischen Welt“ entgegenstehe. Die Georgier hätten genug von Russland und wollten nicht zurück dorthin. Besonders für junge Leute sei Russland in jeder Hinsicht nicht attraktiv im Vergleich zur EU: „Russia has no positive appeal to us“. Die meisten assoziierten Russland mit Korruption, wenig Freiheit und wirtschaftlichen Problemen, die sich auch auf die Verbündeten Russlands auswirkten. Nach Aussage des Beauftragten wenden sich viele gute Verbündete von Russland ab, da es für sie ein Risiko und Nachteil ist. Allerdings glaubt er nicht, dass Russland nachgeben wird. Russland wolle eine Pufferzone an seinen Außengrenzen und akzeptiert die EU nicht als Akteur im Kaukasus. Dies sei auf die Null-Summen-Politik der russischen Föderation zurückzuführen. Wenn jemand anderes Einfluss gewinne, würde Russland Einfluss verlieren. Auf die Frage ob eine Entfernung von A. und S. von Georgien verhindern werden könne, sagte der Sonderbeauftrage dies sei sehr schwierig. Zum einen beständen beide Republiken fast nur noch aus russischen Militärbasen und damit verbundenem Personal. Militärisch sei der Konflikt für Georgien nicht zu lösen, allerdings versuche man der russischen Propaganda und Politik entgegen zu wirken, indem man sich für die Menschen in den abgetrennten Gebieten möglichst attraktiv mache. Man wolle besser als Russland aussehen und den Menschen zeigen, warum man sich von Russland entferne. Dazu zähle u.a. die Möglichkeit für die Menschen in A. und S.O. in Georgien medizinische Versorgung zu erhalten. Schlussendlich könne dies den Konflikt aber nicht lösen, zumal so viel russische militärische Präsenz immer Konfliktpotential berge.