VölkermordJerevan.jpgAm zweiten Tag in Armenien besichtigten wir das Völkermord-Denkmal und das zugehörige Museum in Jerewan. Diese liegen auf dem Hügel Zizernakaberd, von dem aus man über die gesamte Stadt bis zum Berg Ararat schauen kann. Schon der Eingang ist imposant: Dort stehen unzählige Tannen, gepflanzt von ausländischen politischen Delegationen zum Gedanken an den Völkermord und zur Beileidsbekundung. Auch Deutschland hat eine Tanne dort gesetzt. Erst vor kurzem wurde vom bulgarischen Präsidenten eine weitere Tanne eingeweiht. Nur wenige Tage nach unserem Besuch stattete eine Delegation des schwedischen Parlaments dem Denkmalkomplex einen Besuch ab. Geht man ein wenig weiter sieht man einen recht langen Weg mit einem gespaltenen, 44 Meter hohen Obelisk, der als Symbol für die Teilung des historischen armenischen Siedlungsgebiets stehen soll. Schräg dahinter ist ein eine Senke im Boden, umgeben von zwölf Betonpfeilern, die sie umschließen. In deren Mitte steht eine ewige Flamme, die bei Staatsbesuchen vollständig mit Blumen umgeben ist. Als wir vor Ort waren, sind zwar nur wenige Blumen dort gewesen, dem Eindruck tat dies aber keinen Abklang. Auf dem Rückweg fiel mir eine ungefähr 100 Meter lange Mauer auf, in die die Namen jener Städte und Dörfer eingraviert wurden, die damals von dem Völkermord betroffen waren. Außerdem sah ich einige Gedenkplatten, die man für Personen, die sich für die Anerkennung des Völkermordes und dessen Opfer eingesetzt haben, aufstellte. Unter ihnen waren auch einige deutsche Namen, die jedoch in Deutschland nicht sonderlich berühmt sind, z.B. Franz Werfel. Aber auch Papst Benedikt XV. hat dort eine Gedenkplatte.

 

MutterArmenien.JPGDer Eingang des Museums ist ebenfalls beeindruckend; man geht ein paar Treppen herunter und unten angekommen schaut man in ein im Innenhof liegendes Halbrund mit riesigen Tafeln. Unsere Führung war zwar interessant, jedoch gefühlt viel zu schnell, weshalb ich schon früh den Anschluss verlor. Der Innenbereich ist in 50 einzelne Tafeln gegliedert, welche jeweils einen anderen Aspekt des Völkermordes behandeln, sei es das Los der Weisenkinder, originale Dokumente aus der Zeit oder die zeitgenössische Berichterstattung in der ausländischen Presse. Am eindrucksvollsten - weil am grauenerregendsten - waren die unzähligen Bilder der Opfer und der Durchführungen des Völkermordes. Gleich zum Anfang posierten auf einer der Tafeln mehrere Osmanen vor abgeschnittenen Köpfen von Armeniern. Auch nicht vergessen werde ich das Bild eines Mädchens, das nicht getötet wurde, sondern ungefähr 100 oberflächliche Stich- und Hiebwunden auf ihrer Haut hatte – der Tafel nach weil man sie „hässlich“ machen wollte. Andere Frauen hatten das ebenfalls furchtbare Schicksal, im Gesicht tätowiert worden zu sein. Aufgrund der sehr einprägenden und mitnehmenden Präsentation der Geschehnisse war der Besuch für mich eins der Highlights der Reise, den ich nicht missen möchte.