KircheJerevan.jpgAn diesem zunächst etwas verregneten Morgen ging es für uns gegen 09:30 Uhr mit dem Bus zur Klosteranlage von Etschmiadsin. Wir waren wieder in Begleitung unserer Reiseführerin Mariam, die uns sofort mit Details zum armenischen Heiligtum füttern wollte, musste jedoch für den ersten unserer Essayvorträge über die Armenisch-Apostolische Kirche unterbrechen. Dabei erfuhren wir vorab, dass Etschmiadsin die erste vom Staat erbaute Kirche und damit die älteste der Welt ist. Sie bietet für das armenische Volk das heilige religiöse Zentrum. Etschmiadsin ist heute eine Klosteranlage und der Sitz des Katholikos aller Armenier, dem „armenischen Papst“ (laut Mariam). Bei unserem Besuch des armenischen Heiligtums trafen wir mit einem dort ansässigen Geistlichen zusammen. Der Proto-Archimandrite Shahe Ananyan stand uns circa anderthalb Stunden für Fragen und Antworten über die gesellschaftliche Bedeutung der Religion und Kirche in Armenien zur Verfügung. Dabei zeigte sich, dass Religion vor Ort eine ganz andere Rolle spielt, als bei uns. Sie ist viel enger mit dem politischen Geschehen und staatlichen Institutionen verwurzelt und hat eine hohe Resonanz innerhalb der Bevölkerung. Der Proto-Archimandrite selbst schien überraschend jung und äußerte uns gegenüber, dass es kaum Probleme gäbe, die Jugend zu erreichen. Die ganze Diskussion wurde von Mariam gedolmetscht und schien in einigen Punkten sehr subjektiv und verklärend, um das makellose Bild der Kirche nach außen und uns gegenüber zu tragen.

PauseJerevan.jpgNach der Diskussion hatten wir die Möglichkeit die Klosteranlage zu besichtigen. Als wir das Seitengebäude verließen und zur Hauptkirche zurückkehrten, viel uns ein Tumult von Menschen auf. Viele junge Leute und Familien standen in einer Art Spalier vor der Kirche und Mariam erklärte uns, dass in Kürze Geistliche die Kirche verlassen würden, um den Katholikos aller Armenier zu holen. Kurz darauf verließen Männer in langen schwarz-violett gefärbten Gewändern die Kirche. Die traditionelle Kleidung ist sehr imposant. Dunkellila gefärbte Streifen am schwarzen Gewand zeigen, dass diese Geistlichen Anspruch auf den Sitz des Katholikos aller Armenier haben. Purpur schließt dieses Amt aus. Eine weitere Besonderheit an der Kutte bilden die dreieckigen schwarzen Kapuzen die nur von wenigen an uns vorbeilaufenden Geistlichen getragen wurden. Diese Kapuzen sind ein Zeichnen für die im Zölibat lebenden Geistlichen. Dieser Zug war bereits sehr imposant. Kurze Zeit später erfolgte dieses Schauspiel erneut, in der Mitte der aktuelle Katholikos aller Armenier. Im Anschluss hat uns Mariam mit weiteren Informationen versorgt und wir hatten Gelegenheit das Gelände zu erkunden, bevor es zum Mittagessen ging.