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Völkerrecht "at Work" - Die Aufteilung der Welt mit den Mitteln des Rechts

Ebenso wie mit dem Staat untrennbar die Vorstellung von einem Staatsgebiet verbunden ist, so lässt sich dieses wiederum – wie dies hinsichtlich aller Räume, ja Dinge der Fall ist – nicht ohne das gleichzeitige Mit-Denken seiner äußeren Begrenzung erfassen. Der Mensch ist aber nicht nur durch seine beschränkten intellektuellen Fähigkeiten in einer durch ein Denken in und an Grenzen gefesselten räumlichen Vorstellungswelt gefangen. Er hat sich vielmehr auch seit Anbeginn der historisch dokumentierten Zeit als grenzsetzendes Wesen betätigt. Tatsächlich wird sich das Problem einer Grenzziehung aber auch zuvor bereits immer dort gestellt haben, wo Menschen in Gemeinschaft gelebt haben und damit sowohl im Verhältnis der einzelnen Mitglieder dieser Gemeinschaft untereinander, als auch gegenüber anderen Gruppen die Frage der Verfügung über einen bestimmten Raum aufgeworfen war. Die Territorialität, das heißt die Bindung an einen bestimmten abgegrenzten Flecken Erde, stellt so auch nach den Erkenntnissen moderner Verhaltensforschung nicht nur eine genetisch determinierte Verhaltensform vieler Lebewesen dar, sondern eben auch ein Grundprinzip menschlichen Verhaltens.

So verwundert es denn auch nicht, dass die Auseinandersetzung um die Verfügung über "den Raum" bis heute auch eine konfliktträchtige Konstante der Beziehungen zwischen denjenigen politischen Einheiten bildet, in denen spätestens seit der frühen Neuzeit die Völker Europas und später der gesamten Welt ihre politische Heimat gefunden haben: den modernen souveränen Staaten. An ausgewählten Beispielen soll erarbeitet werden, welchen Beitrag das Völkerrecht dazu geleistet hat und immer noch leistet, diesen "permanenten" Konfliktzustand über Raum und Grenzen zu entschärfen.

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