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Tiefe trotz Tempo

15.05.2013: Die Referentinnen und Referenten der 1. Medientagung des Instituts für Journalistik der Universität der Bundeswehr München und des MedienCampus Bayern e.V. loten aus, wie sich der Journalist der Zukunft die Wertschätzung seiner Nutzer sichern kann.
Tiefe trotz Tempo

Stefan Plöchinger bei seinem Vortrag "Qualität digital - wie sich Onlinejournalismus ändern muss"

Die Fakultät für Betriebswirtschaft machte am 14. Mai mit einer Medienfachtagung den Auftakt zur Kolloquienreihe, die die Fakultäten anlässlich des 40-jährigen Bestehens der Universität der Bundeswehr München gestalten. Rund 200 Nachwuchsjournalisten sowie interessiertes Fachpublikum waren der Einladung des Instituts für Journalistik der Fakultät für Betriebswirtschaft und des MedienCampus Bayern e.V. gefolgt und beschäftigten sich einen Tag lang mit dem Thema „Die Zukunft der Medien. Qualitätsjournalismus im 21. Jahrhundert“. Zu Beginn der Tagung begrüßten die Präsidentin der Universität Prof. Merith Niehuss und die Organisatorin der Veranstaltung Prof. Gabriele Goderbauer-Marchner, Professorin für Print- und Onlinejournalismus, die zahlreichen Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus ganz Bayern im Audimax der Universität. Im Anschluss referierte der Geschäftsstellenleiter des MedienCampus Bayern e.V. Markus Kaiser über die „Qualitätsvernetzung im Bildungsbereich“.

Veränderungsdruck in den Medien

Als Keynote Speaker konnten die Veranstalter den Chefredakteur von Süddeutsche.de Stefan Plöchinger gewinnen. Plöchinger hat das journalistische Handwerk im Printjournalismus gelernt, ist aber seit vielen Jahren für verschiedene Onlinemedien tätig. Er kritisiert, dass die Nachrichtenseiten mancher Medienhäuser lange verwechselbar waren: „Da wurden nur dpa-Meldungen veröffentlicht.“ Mittlerweile habe sich die Mediennutzung verändert, die Qualitätsanforderungen und der Wettbewerbsdruck im Internet haben sich verschärft: „Die Seiten mussten sich ändern, wir mussten uns ändern“, fasst Plöchinger die Entwicklung zusammen.

Schielen auf den schnellen Klick?

Für Süddeutsche.de komme es darauf an, Journalismus zu machen, der zur Süddeutschen Zeitung passt und den Nutzern die erwartet hohe Qualität liefert. Dazu gehöre auch, nicht unbedingt auf den „schnellen Klick“ zu schielen, sondern genau abzuwägen, was man macht und wie man es macht. Trotz des ständig herrschenden Zeitdrucks – „es ist immer Redaktionsschluss“ – ein journalistisches Produkt mit Tiefgang abzuliefern, sei die große Herausforderung. Plöchinger sieht die Zukunft des Journalismus im Online-Journalismus und den vielseitigen Möglichkeiten, die das Netz für hochwertige Berichterstattung bietet. Dazu gehört die Einbindung der Nutzer ebenso wie eine neue Art der Aufbereitung von Zahlen und Daten in interaktiven Grafiken. Der Nutzer goutiere solche Experimente und innovative Herangehensweisen der Redaktionen. Nur wenn es einem Medium gelingt, sich über seine Qualität im Bewusstsein der Leute zu verankern, seien die Nutzer irgendwann auch bereit, für Online-Inhalte zu bezahlen.

Die „10 Gebote“ des Journalismus

Im weiteren Verlauf der Tagung beschäftigten sich Fachleute verschiedener Universitäten aus ganz Deutschland sowie Experten aus der Praxis mit den Qualitätsanforderungen an die Medien im 21. Jahrhundert und verschiedenen Medientrends, etwa E-Publishing, Web-TV oder Datenjournalismus. Dabei sind die Ziffern des Pressekodex, die Ursula Ernst-Flaskamp, Sprecherin des Deutschen Presserats, vorstellte, so etwas wie die „10 Gebote“ des Journalismus, die trotz all der Umbrüche Bestand haben. Einig waren sich die Experten darin, dass die Medien ihre Nutzer wertschätzen müssen, um von ihnen wertgeschätzt zu werden. Schließlich buhlen alle Medien um ein knappes Gut: die Zeit und die Aufmerksamkeit der Menschen. Dass keiner in Panik geraten müsse, dass die Veränderungen eine große Chance seien hin zu Qualität, verdeutlichte der bekannte Blogger und Journalist Christian Jakubetz. Und große Aufmerksamkeit erfuhr Dr. Leif Kramp von der Universität Bremen mit seinem Ansatz des „slow journalism“.

 

 

 

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