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„Ich bin Journalist geworden, weil ich Geschichten erzählen will“

21.06.2016: Über den Auftrag der „BILD“-Zeitung sprach der Chefredakteur des Bayerischen Fernsehens Prof. Sigmund Gottlieb im Audimax der Universität mit Herausgeber Kai Diekmann, der seine journalistische Karriere einst bei der Bundeswehr begann.
„Ich bin Journalist geworden, weil ich Geschichten erzählen will“

Kai Diekmann (r.) im Gespräch mit Moderator Sigmund Gottlieb

„Ich bin wahrscheinlich nicht Deutschlands beliebtester Journalist“, ist Kai Diekmanns erster Satz. Der ehemalige „BILD“-Chefredakteur ist im Rahmen der von Prof. Manuela Pietraß, Professur für Erziehungswissenschaften mit Schwerpunkt Medienbildung, organisierten Veranstaltungsreihe „Qualitätssache – Medien auf dem Prüfstand“ zu Gast an der Universität der Bundeswehr München. Er reiht sich damit ein in die Vielzahl renommierter Gäste aus der Medienlandschaft, darunter Focus-Herausgeber Helmut Markwort oder Prof. Heribert Prantl, Mitglied der Chefredaktion der Süddeutschen Zeitung. Mit der Veranstaltungsreihe wollen der Bayerische Rundfunk und die Universität der Bundeswehr München einen Beitrag zur Aufrechterhaltung einer qualitativ hochwertigen Medienberichterstattung leisten und das Qualitätsbewusstsein der Mediennutzerinnen und -nutzer schärfen.

Anspruch eines Leitmediums

Seine ersten redaktionellen Schritte machte Kai Diekmann in der Pressestelle der Bundeswehr. „Nach meinem Abitur habe ich mich voller Begeisterung als Zeitsoldat bei der Bundeswehr gemeldet, kam zur Panzerartillerie und musste feststellen, dass die Panzerartillerie und ich ein großes Missverständnis waren“, so Diekmann. Auf die Pressestelle der Bundeswehr aufmerksam gemacht, ließ er sich dorthin versetzen – „dann kam  irgendwann der Axel Springer Verlag auf mich zu“, erzählte Kai Diekmann, heute zudem unabhängiges Mitglied des Board of Directors von Hürriyet und Non-Executive Director der Londoner Times, von Moderator Prof. Sigmund Gottlieb betitelt als „Deutschlands wahrscheinlich wirkungsmächtiger Journalist“. „Die Macht der BILD kommt natürlich auch durch die Zahl der Leser, die uns Reichweite geben, und dann natürlich unserem Anspruch, Leitmedium sein zu wollen“, sagte Diekmann. Die „BILD“-Zeitung identifiziere lesenswerte Themen und hätte den Auftrag ohne Scheuklappen zu berichten. „Unsere Leser haben einen Informationsvorsprung. Bei uns bekommen sie etwas, was sie woanders nicht bekommen“, betonte er – als Beispiel nannte er politische Interviews und ging auf die mediale Dynamik der Wulff-Affäre ein. Die Frage sei hier immer: Überwiegt das öffentliche Interesse oder überwiegen die Persönlichkeitsrechte?

Digitale Inspiration aus dem Silicon Valley

Als Haupt-Wettbewerber der „BILD“ sieht Kai Diekmann heute vielmehr soziale Medien wie Facebook, Snapchat und YouTube. Und dies ist auch die Richtung, in die sich „BILD“ zunehmend entwickelt. Das Mediennutzungsverhalten ändere sich dramatisch, so Diekmann, in der digitalen Welt hätte „BILD“ schnell an Reichweite gewonnen. Inspirationen für Online-Angebote sammelte er in der amerikanischen IT-Hochburg, dem Silicon Valley, in dem laut Diekmann eine völlig andere Fehlerkultur herrsche. In Deutschland suche man für Fehler den Schuldigen, der daraufhin bestraft würde, im Silicon Valley sei die Bereitschaft zu experimentieren vorrangig, ein Projekt mit Fehlern geradezu ein Erfolgsgarant. Was Qualität für ihn heiße?: Präzision, Transparenz und erstklassige Recherchearbeit. „Ich bin Journalist geworden, weil ich Geschichten erzählen will und ein großes  Bedürfnis habe mich mitzuteilen“. Auch in der digitalen Welt müssten die Medien diese Geschichten anbieten – mit Hilfe von Algorithmen und damit der Möglichkeit, Unmengen an Daten zu analysieren und daraus Vorhersagen für die Zukunft abzuleiten. „Es wird immer wieder neue Plattformen und Vertriebswege geben, auf die wir uns einstellen müssen“, so Diekmann: „Es ist ein unaufhörlicher Lernprozess, sich in der digitalen Welt mit Journalismus zurecht finden zu können“.

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