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Hochschulkurier 01/2000: 15 Jahre Arbeitsgemeinschaft Bürgerfernsehen Neubiberg

Produzieren statt Konsumieren - Ein Kooperationsmodell zur kommunalen Medienarbeit der Universität der Bundeswehr München und der Gemeinde Neubiberg
Hochschulkurier 01/2000: 15 Jahre Arbeitsgemeinschaft Bürgerfernsehen Neubiberg

Mitarbeiter von der ABN beim Interview mit Josef Schneider, dem Bürgermeister der Gemeinde Neubiberg

Von Prof. Dr. phil. Jürgen Hüther

Seit nunmehr 15 Jahren gibt es die Arbeitsgemeinschaft Bürgerfernsehen Neubiberg (ABN): ein Kooperationsmodell zur aktiven Medienarbeit, gemeinsam getragen vom Lehrgebiet Medienpädagogik einschließlich des Medienzentrums der Universität der Bundeswehr München und der Gemeinde Neubiberg.
Die Tätigkeit der Arbeitsgemeinschaft geht auf eine Vereinbarung zwischen Universität und Gemeinde zurück, die im Oktober 1984 die Basis für ein kontinuierliches Zusammenwirken legte. Das gemeinsame Projekt dient aus akademischer Sicht der Umsetzung medienpädagogischer Konzepte in praktisches Handeln und aus kommunaler Perspektive der Förderung des lokalen Kommunikationsgeschehens und der Bereicherung des örtlichen Bildungs und Kulturangebots. Die ABN ist – so betonte im Frühjahr 1999 Neubibergs Bürgermeister Josef Schneider bei einer Videopräsentation im Haus der Weiterbildung – die am längsten existierende institutionalisierte Kooperation zwischen der Universitä der Bundeswehr München und ihrer Standortgemeinde.

Gründung und Konzept

Wesentlichen Antrieb zur Gründung der Arbeitsgemeinschaft gab auf der einen Seite die Tatsache, daß aktive Medienarbeit als theoretisches Konzept und praktisches Handlungsfeld von jeher im Rahmen der medienpädagogischen Forschung und Ausbildung an der Universität der Bundeswehr München einen hohen Stellenwert besitzt; zum anderen bildete aber auch die Bereitschaft der Gemeinde Neubiberg, der steigenden Medienüberflutung des Bürgers mit pädagogischen Maßnahmen auf kommunaler Ebene durch finanzielle Förderung und Überlassung von Räumen für die ABN zu entsprechen, eine entscheidende Voraussetzung zur Verwirklichung dieses Pilotprojekts.

Konzepte aktiver Medienarbeit wollen den im massenmedialen Kommunikationsprozeß meist stummen Rezipienten aus seiner passiven Konsumentenrolle herauslösen und ihn aktiv in das Kommunikationsgeschehen einbinden. Sie wollen den einzelnen mit Hilfe von Medien zum Verstehen seiner privaten, beruflichen und politischen Umwelt und zu deren aktiven Mitgestaltung befähigen. Voraussetzung für eine solche Mitgestaltung ist das Vermögen, eigene Standpunkte nach außen darzustellen, mithin an öffentlicher Kommunikation teilzunehmen, die heute immer mehr eine Kommunikation durch Medien ist.

In diesem Verständnis wurde unter dem Leitspruch "Produzieren statt konsumieren" vor eineinhalb Jahrzehnten die Arbeitsgemeinschaft Bürgerfernsehen Neubiberg ins Leben gerufen. Die Arbeitsgemeinschaft bemüht sich seitdem, Bürgerinnen und Bürger zu befähigen, Videofilme zu Themen aus dem persönlichen und lokalen Erfahrungsbereich herzustellen, öffentlich vorzuführen und zur Durchsetzung eigener Interessen oder als Darstellungsmittel des eigenen künstlerischen Potentials zu nutzen. Von der ABN wurden bisher verschiedene Modelle zur Vermittlung von Handlungskompetenzen gegenüber und im Umgang mit Medien auf kommunaler Ebene entwickelt und die Möglichkeiten und Gefahren neuer Medientechnologien praktisch wie reflektiv behandelt.

Der medienpädagogische und kommunikationspolitische Hintergrund

Die Gründung der Arbeitsgemeinschaft fällt nicht von ungefähr in die Mitte der 80er Jahre, in eine aus medienpädagogischer wie medienpolitischer Sicht gleichermaßen bewegte Umbruchzeit, die durch Kommerzialisierung des bis dahin monopolen öffentlich-rechtlichen Rundfunksystems und die vervielfachung der Programme via Kabel und Satellit gekennzeichnet war. Medienpolitik wurde vom Zwang wirtschaftlicher und technologischer Entwicklungen dominiert, und die Diskussion über Vor- und Nachteile des neuen Kabel- und Satellitenfernsehens geriet zum ideologisch gefärbten Parteienstreit, der einer sachlichen, öffentlichen Diskussion über die neuen Medien nicht gerade förderlich war.

Die Medienpädagogik reagierte in dieser Situation, wie sie das häufig in ihrer Geschichte tat: sie betrachtete die neu aufkommenden Medien zunächst mit kulturpessimistischer Skepsis und forderte wirksame Schutzmaßnahmen gegen sie. Die Erkenntnis, daß sich neue Kommunikationstechnologien als Unterrichtsmedien, als Instrumente der Selbstartikulation oder als Mittel zur alltäglichen Lebensbewältigung auch positiv nutzen lassen, folgte mit einiger Verzögerung. Nach einer Phase eindringlicher Warnung vor den neuen Medien, vollzog sich dann in den 80er Jahren die medienpädagogische Annäherung. Es ging der Medienpädagogik nicht mehr darum, Abwehrstrategien aufzubauen, sondern immer mehr darum, sozial und pädagogisch verträgliche Nutzungsmodelle zu entwickeln, zu denen sich auch das Neubiberger Bürgerfernsehen zählen kann.

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