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studium plus-Seminar "Kriegsberichterstattung"

07.12.2006: Zweifacher Pulitzer-Preisträger berichtet über Erfahrungen. Fotograf Horst Faas und Reporter Pit Schnitzler referieren über „Kriegsberichterstattung“
studium plus-Seminar "Kriegsberichterstattung"

Prof. h.c. Peter Miroschnikoff (rechts) und Horst Faas (links)

Das ganze Herbsttrimester haben sich die Studierenden des studium plus-Seminars von Prof. h.c. Peter Miroschnikoff bereits mit den „Problemen der Krisen- und Kriegsberichterstattung“ beschäftigt. Am 05.12.2006 waren nun Reporterkollegen des Seminarleiters Miroschnikoff, der früher das ARD-Studio Südosteuropa leitete, zu Gast. Geladene Referenten waren Horst Faas, der als Fotograf und Berichterstatter in Kriegs- und Krisengebieten wie dem Kongo, Vietnam und dem Mittleren Osten gearbeitet hat, und Pit Schnitzler, der als Fernsehreporter in Belgrad unter Spionageverdacht vom serbischen Regime gefangen genommen worden war. Das Thema und die Referenten weckten großes Interesse. Über 70 Studierende, weit mehr als eigentlich am Seminar teilnehmen, hörten sich die Erfahrungsberichte der Reporter an. 

Fotos aus Vietnam

Horst Faas ließ zunächst seine Arbeit sprechen. Er präsentierte einige seiner Fotos, die er während des Vietnamkriegs gemacht hat. Bei seiner Arbeit in Kriegs- und Krisengebieten legte er stets Wert darauf, „beide Seiten“ zu porträtieren. So sind nachdenkliche US-Soldaten ebenso Gegenstand seiner Fotos wie verwundete Kinder oder Folterszenen. Bei der Entstehung der Fotos habe er versucht als Fotograf „sichtbar und doch unsichtbar“ zu sein, berichtete Faas. Das heißt: Er versuchte Kontakt und Vertrauen aufzubauen, hielt beim Fotografieren jedoch immer einige Meter Abstand. Die Zusammenarbeit mit der US-Armee nannte er „vertrauensvoll“. Allerdings sei versucht worden, auf ihn Einfluss zu nehmen, etwa wenn er Folterungen durch US-Soldaten dokumentierte. Doch Faas setzte sich mit seinem Verständnis seiner Arbeit durch. Er berichtete insgesamt zwölf Jahre aus Vietnam sowie aus vielen anderen Kriegs- und Krisengebieten. Für seine Fotografien wurde er 1965 und 1972 mit dem begehrten Pulitzer-Preis ausgezeichnet. Warum er so lange aus Vietnam berichtet habe, wird er häufig gefragt, und gibt darauf eine pragmatische und professionelle Antwort: „Weil Vietnam zwölf Jahre lang die Titelseiten beherrscht hat.“ Für ihn unterscheidet sich Kriegsfotografie nicht wesentlich von sonstiger Pressefotografie: Ob Politik, Sportereignisse oder Kriegsgeschehen – „es ist Reportage“. Natürlich begebe sich jedoch der Reporter in einem Krisengebiet in größere persönliche Gefahr. Deshalb gelte es ständig abzuwägen, ob ein Foto es wert ist, eine sichere Stellung zu verlassen. „Ich war immer sehr vorsichtig“, so Faas. Dennoch wurde auch er in Vietnam einmal schwer verwundet.

Unter Spionageverdacht

Pit Schnitzler, der in den 90er Jahren für den Sender SAT 1 vom Kosovo-Konflikt berichtete, legte bei seiner Arbeit ebenfalls großen Wert auf Sicherheit. Denn bei ihm kam die Verantwortung für ein gesamtes Team, mit Kameramann, Assistent und Dolmetscher, hinzu. „Da muss man schon drei Mal überlegen, in welche Gefahr man sich für einen Beitrag begibt“, so Schnitzler. Er bewertete kritisch, wie die Journalisten in Kriegs- und Krisengebieten von allen Seiten „benutzt“ werden. Für die Presse seien Schlachtfelder manipuliert und Leichen drapiert worden – um die Berichterstattung zu beeinflussen. „Als Reporter muss man dann immer zweifeln, immer Fragen stellen“, sagte Schnitzler. 1999 geriet er in Gefangenschaft. Die Serben verdächtigten ihn der Spionage für die NATO. Knapp vier Wochen wurde er in einem Belgrader Gefängnis gefangen gehalten, bevor er nach internationaler Intervention frei kam. Beide Reporter beobachten heute aus sicherer Distanz, wie sich der Medienmarkt und die Berichterstattung aus Krisengebieten entwickelt. Der Auflagen-, Zeit- und Kostendruck sei heute noch größer als früher, befanden sie. Bei der Entscheidung, ob ein Bild gedruckt oder gesendet wird, habe daher die Auflagensteigerung immer einen höheren Stellenwert als die Frage nach den möglichen Folgen einer Veröffentlichung.

Interview mit Horst Faas an der Universität der Bundeswehr München

 

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