Einsatz- und Militärpsychologie

Einsatz- und Militärpsychologie

Im Bereich der Einsatz- und Militärpsychologie beschäftigen wir uns mit den Konzepten der Resilienz, Mental Toughness und Hardiness sowie den Möglichkeiten von digitalen Stresstrainings zur Einsatzvorbereitung. Den Umgang mit Stress sowie die individuelle Resilienz betrachten wir aus Sicht der Persönlichkeitspsychologie und verfolgen in der Forschung u. a. einen idiographischen Ansatz. Die interdisziplinäre Zusammenarbeit ermöglicht es, Ansätze der Informatik auf Daten aus der Psychologie anzuwenden und eine methodische Erweiterung vorzunehmen. 

Verbindung zum Medizininformatikstudium

Damit ist die Einsatz- und Militärpsychologie ein integraler Bestandteil des Studiengangs Medizininformatik: Sie verbindet psychologische Fragestellungen mit der Erhebung, Modellierung und Auswertung gesundheitsbezogener Daten. Studierende lernen, wie sich Belastungs- und Beanspruchungsprozesse sensorbasiert erfassen, wie sich physiologische und psychometrische Daten zusammenführen und wie sich digitale Trainings- und Unterstützungssysteme evidenzbasiert gestalten und evaluieren lassen – von Virtual Reality und Serious Games über KI-gestützte Analyseverfahren bis zu Fragen von Ethik, Forschungsdesign und Datenschutz. Der Präventionsgedanke bildet dabei die verbindende Perspektive: Digitale Systeme sollen Belastung früh sichtbar machen und Handlungsfähigkeit erhalten, statt erst im Behandlungsfall zu greifen.

Traumaforschung und Prävention

Ein weiterer Schwerpunkt liegt in der Traumaforschung mit klarem Fokus auf Prävention. Im Zentrum steht die Frage, wie Einsatzkräfte (militärisch und zivil) auf potenziell traumatische Erfahrungen vorbereitet werden können, bevor Belastung chronisch wird: durch Aufklärung über normale Stressreaktionen, den Aufbau psychosozialer Ressourcen, Peer-Support-Strukturen und ein realistisches Verständnis von Sinn, Verantwortung und eigenen Grenzen. Wir untersuchen, welche Schutzfaktoren – etwa Sinnerleben, soziale Unterstützung, Kohärenzgefühl und Selbstwirksamkeit – die Wahrscheinlichkeit anhaltender Belastungsfolgen senken und wie sich diese gezielt trainieren lassen.

Digitale Verfahren spielen dabei eine zentrale Rolle: Sensorbasierte und app-gestützte Ansätze ermöglichen eine frühe Erkennung erhöhter Belastung, ein kontinuierliches Monitoring von Erholungsverläufen und niedrigschwellige, wohnortunabhängige Angebote zur Selbsthilfe. Ziel ist eine gestufte Präventionslogik – von der Vorbereitung vor dem Einsatz über die Begleitung während der Belastungsphase bis zur frühzeitigen Nachsorge –, die Behandlungsbedarf möglichst vermeidet und Betroffene rechtzeitig in geeignete Unterstützung vermittelt.

Kontakt: Dr. Cornelia Küsel, cornelia.kuesel@unibw.de