Geologie der Sanierungsflächen

Geologische Hintergrundsinformation zu den Pflanzgebieten
von Sebastian Lindel

Vorwort:
Diese Seite ist für den Nichtgeologen gedacht, der sich mit einem kurzen Einblick in die Geologie zufrieden gibt. Für „Leute vom Fach" hat diese Seite höchstens im Literaturverzeichnis interessante Links zu bieten.

1. Was ist Geologie?

2. Entstehung der Alpen.

3. Geologische Karte von Bayern, Ausschnitt Estergebirge.

4. anthropogene Einflüsse - Warum ist es notwendig einen Schutzwald zu
     generieren, und warum wächst dieser nicht von selbst?

5. Warum dieses Wissen?



1. Geologie
ist die Wissenschaft von der Entwicklung und dem Aufbau der festen Erdkruste. Sie untersucht die physikalischen und chemischen Veränderungen an der Oberfläche und beschäftigt sich mit den thermischen und mechanischen inneren Einwirkungen auf die irdische Gesteinshülle, die im Laufe der Erdgeschichte großen Veränderungen unterliegt.

2. Entstehung der Alpen – ein Überblick in Tabellenform
Die Entstehung der Alpen wird durch eine Reihe aufeinanderfolgender erdgeschichtlicher Ereignisse bestimmt:


Tabellarischer Überblick zur Entstehungsgeschichte der nördlichen Kalkalpen
 

Beginn vor Millionen Jahren Erdzeitalter Unterteilung in folgende Perioden (Zahlenangaben in Mio. Jahren
[vor heute = bp])
Wichtige Ereignisse Geologische Prozesse in den Alpen

Ca. 4,6 Mrd. Jahre
„Entstehung" der Erde, Erdurzeit*     Abkühlung der Erde, Urozean und Entstehung des Urkontinentes Pangäa
570 Erdaltertum (Paläozoikum)  
570 Kambrium
Entwicklung wirbelloser Tiere und Algen Höheres Perm (ca. 260 Mio. Jahre): plattentektonische Zerdehnung*** des Superkontinentes Pangäa führt zu einer Trennung zwischen dem heutigen Afrika und Europa. Es folgt ein Eindringen des Thetysmeeres von Ost nach West, und es entstehen die Ur-Kontinente Afrika und Gondwana.
(Thetysmeeres = großes , den Urkontinent Pangäa umspannendes Meer, heutiger Überrest Mittelmeer.)
    510 Ordovizium Erste Wirbeltiere  
    435 Silur Besiedlung des Landes (Pflanzen und Gliederfüßer z.B. Insekten)  
    410 Devon starke Entwicklung der Fische, auf dem Land entstehen Vorläufer der Farne, die ersten Wirbeltiere verlassen das Wasser  
    355 Karbon Weltweite Entstehung von Kohle aus dichten Wäldern, gegen Ende des Karbon zunehmende Vereisung auf der Südhalbkugel.  
    290 Perm Eiszeiten auf der Südhalbkugel, starke Verbreitung von Reptilien und Amphibien.  
250 Erdmittelalter (Mesozoikum) 250 Trias Erste Dinosaurier

Farne und Nadelbäume (sog. Nacktsamer) dominieren die Vegetation
Das Thetysmeer lagert im Laufe von Jahrmillionen die sog. Riff und Lagunenfazies** ab. (Diese Lagunenfazies bilden den Plattenkalk und den Hauptdolomit, was die Hauptgesteinsart des Sanierungsgebietes ausmacht). Man spricht hier vom triassischen Karbonatschelf.
    205 Jura Die Dinosaurier beherrschen die Erde, zum ersten Mal tritt der Urvogel Archaeopterix auf. 230 Mio. bP: die Krustendehnung zwischen Afrika und Gondwana nimmt zu, wodurch es zum Zerbrechen des triassischen Karbonatschelfs kommt. Die einzelnen Schollen lagern sich ohne System über und untereinander an. Man spricht vom sog. Bruchschollenrelief.

Die Plattentektonik „kehrt sich um" (wechselt von Zug auf Druckprozesse), und das Thetysmeer beginnt sich zu schließen. Großflächige Überschiebungsprozesse führten zur Bildung der verschiedenen Nordalpinen Decken.

Diese Gesteinsschichtung wird als Deckenstapelung bezeichnet.
    135 Kreide Die bedecktsamigen Pflanzen entwickeln sich, die Dinosaurier beherrschen weiterhin die Erde, sterben jedoch am Ende der Kreidezeit aus. Während der Kreide genannten Zeit kommt es durch starke Drehbewegung der adriatischen Platte nach NW gegen den Uhrzeigersinn, gegen die eurasische Platte, zu Unterschiebung und Stapelung von einzelnen Platten (Subduktions- und Obduktionsbewegungen)
65 Erdneuzeit(Känozoikum) 65 Tertiär Weitere Ausbreitung von Säugetieren
Vor ca. 3,2 Mio. Jahren Australopithecus
(erst am Ende des Tertiärs)
Skelett
Skelett von „Lucy"
Zunehmende NW Drift der Afrikanischen Platte. die Krusten der Kontinente überlappen sich, die Alpen heben sich weiter. Durch eine Überschiebung des penninischen (Vergleiche Apennin in Italien) Krustenteils auf die europäische Platte kommt es zu Absenkung des nördlichen voralpidischen Molassebeckens.
    1,6 Quartär Neandertaler, moderner Mensch, Mammut und Wollnashorn durchstreifen die Steppe Im Quartär entwickelt sich erst die Form der Alpen wie wir sie heute kennen.
Das Quartär ist geprägt von einem schnellen Klimawechsel zwischen Kalt- und Warmzeiten. Die häufig wiederkehrenden Eiszeiten (in Süddeutschland Donau, Günz, Mindel, Riss und Würm Eiszeit als Haupteiszeiten) prägen das Aussehen der Landschaft. In den Alpen werden große Gebiete „Abgehobelt" und es bilden sich die Gletschertore. Im Voralpenraum wird einerseits das Molassebecken der heutigen Münchner Schotterebene mit Schotter und Geröll aufgefüllt, und andererseits werden die Becken der großen Voralpenseen ausgehobelt. Die Erosion der Alpen setzt sich bis heute fort.
Heute     Zunehmender klimatischer und gestalterischer Einfluss des Menschen seit der industriellen Revolution  



* zur Entstehung und Urgeschichte der Erde.

** Fazies = Merkmal von Schichten des geologischen Untergrundes, z. B. „Sandfazies; Hartgrundfazies; Lagunenfazies" mit gleicher Entstehungsgeschichte.

*** Tektonik = Bewegung der Platten aus denen die Erdkruste besteht

Zusammenfassung der Tabelle

  • Bildung von Sedimenten im Bereich des Thetys-Meeres, überwiegend während des Mesozoikums, in teilweise voneinander getrennten Ablagerungsräumen
  • Deformation der Gesteine durch die einengenden Kräfte der Gebirgsbildung, die zu Brüchen, Faltungen und weiträumiger Überschiebung ganzer Gesteinsschichten führte.
  • Heraushebung des Alpenkörpers und Beginn der Abtragung, wobei sich riesige Mengen von Gesteinsschutt in den absinkenden voralpinen Molassebecken ansammelten und z.T. in die tektonischen Vorgänge miteinbezogen wurden.
  • Prägung der heutigen alpinen und voralpinen Geländeform durch die eiszeitlichen Gletscher, ihrer Moränen und Schmelzwasserablagerungen.


3. Ausschnitt aus der Geologischen Karte Bayern

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Abb. 1: Die Ellipsen in der Graphik markieren die Lage der Sanierungsgebiete in der geologischen Karte
(Ausschnitt aus der Geologische Karte Bayern)

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Abb.2: Index zum Ausschnitt der Geologischen Karte von Bayern - es werden nur die Hauptgesteinsarten beschrieben.



4. Die Regenerierung und Neuanpflanzung von Schutzwald
Sie ist aufgrund des veränderten Niederschlagverhaltens notwendig: es fällt zwar immer noch im Jahresmittel die gleiche Menge, aber die Niederschläge verteilen sich weniger, und konzentrieren sich mehr auf wenige aber wesentlich stärkere Einzelereignisse. Folge ist stärkere Erosion.

Des Weiteren ist eine Naturverjüngung durch negative menschliche Einflüsse in wesentlich geringerem Maße als im unbeeinflussten Standort gegeben – Hier sind als negative Faktoren vor allem Erholungsdruck (Skipisten) und Umweltverschmutzung (saurer Regen) zu nennen.

5. Das Wissen über die Beschaffenheit des Bodens und seines Ausgangsgesteines hilft uns:

  • Erdgeschichtliche Ereignisse nachzuvollziehen
  • Eigenschaften des Bodens und sein Verhalten (Erosionsanfälligkeit, Fruchtbarkeit etc.), was beides sehr stark vom Ausgangsgestein abhängig ist, zu Verstehen und damit zu beeinflussen
  • Die Festigkeit des Untergrundes, zum Beispiel für Bauvorhaben, einschätzen zu können
  • bei der Prospektion von Lagerstätten

Verwendete Quellen:

Bayerisches Geologisches Landesamt 1996
Erläuterungen zur Geologischen Karte von Bayern

Bahlburg, H. & Breitkreuz, Ch. 1998
Grundlagen der Geologie; Enke Verlag Stuttgart

Pfadenhauer, J. 1997:
Vegetationsökologie – ein Skriptum

Stirrup & Heierli 1984:
Grundwissen in Geologie; OTT Verlag Thun

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Typische Sanierungsfläche am Wank