Forschungskonzept

Forschungskonzept

1. Inhaltliche Vorüberlegungen

2. Inhaltliche Konkretisierung: Die Forschungsmatrix
2.1 Inhaltliche Konkretisierungsstufe 1: Teildisziplinäre Einordnung
2.2 Inhaltliche Konkretisierungsstufe 2: Sektorale Anwendungsfelder
2.3 Inhaltliche Konkretisierungsstufe 3: Management von Versorgungssicherheit

3. Methodische Konkretisierung: Die Forschungspyramide 
 

1. Inhaltliche Vorüberlegungen

Forschung und Lehre bilden an der Professur bzw. den verbundenen Instituten und Forschungszentren eine Einheit. Die in der Lehre von der Professur angebotenen Veranstaltungen in den Modulen „Betriebswirtschaftliche Leistungsfunktionen I und II“ sowie „Marktorientiertes Management und institutioneller Rahmen“ und die Mitwirkung im Vertiefungsfeld „Management marktorientierter Wertschöpfungsketten“ (Module „Strategisches Management von Wertschöpfungsketten“, „Informations- und Wissensmanagement für Wertschöpfungsketten“, „Supply Chain Management“) orientieren sich in ihrem Grundkonzept am industriebetrieblich geprägten Supply Chain Management (Management von Wertschöpfungsketten). Die Industrie-
betriebslehre ist eine spezielle Betriebswirtschaftslehre, die sich explizit mit dem Wirtschaften in industriellen Betrieben beschäftigt. Der starke strukturelle Wandel, dem Industrieunternehmen derzeit unterliegen, forciert die Wandlung der Managementperspektive vom Industriebetrieb zur Führung komplexer industrieller Netzwerke („Supply Chains“). Die Ursachen liegen einerseits in der dynamischen Entwicklung neuer Fertigungs- und Informationstechnologien und andererseits in einer tiefgreifenden Veränderung der Bedingungen auf den Beschaffungs- und Absatzmärkten.
Die zunehmende Vernetzung bzw. Netzwerkbildung bleibt nicht auf den industriellen Sektor beschränkt. Auch der öffentliche Sektor wandelt sich zunehmend zu einem „Gewährleister“ öffentlicher Aufgabenerfüllung, der sich bei der eigentlichen Leistungserstellung einem Netzwerk privater Unternehmen und/oder öffentlich-privater Partnerschaften (Public Private Partnerships / PPP) bedient.

In den Forschungsbemühungen des Lehrstuhls spiegeln sich diese Weiterentwicklungen von Wertschöpfungsprozessen wieder. Dabei sind zwei Entwicklungsschwerpunkte zu konstatieren:

 

1. Zum einen wird der Anteil der unternehmens- bzw. institutioneninternen Leistungserstellung immer geringer. Die angestrebte Konzentration auf Kernkompetenzen, die intensive Nutzung spezifischen Lieferanten-Know-Hows und schließlich die Möglichkeiten neuer Informations- und Kommunikationstechnologien wie des Internet führen zu zunehmender Reduzierung der Leistungstiefe („Outsourcing“). Damit steigt die Bedeutung von Vorlieferanten; an die Stelle einzelner Industrieunternehmen treten industrielle (Abnehmer-Zulieferer-) Netzwerke bzw. Wertschöpfungsketten. Im öffentlichen Sektor tritt an die Stelle des „Staates“ zunehmend ein Netzwerk privater Dienstleister bzw. Öffentlich-Privater Partnerschaften. Das lässt sich empirisch durch steigende Fremdbezugsanteile nachweisen. Konsequenterweise orientiert sich unsere Forschung weit weniger an der klassischen Produktions- und Leistungswirtschaft, sondern an der Führung von Wertschöpfungsketten und -netzen. Damit einher geht eine Aufwertung des Beschaffungs- bzw. Versorgungsmanagement zum Management externer Wertschöpfung. Der Anteil (extern beschaffter) Dienstleistungen steigt, da der Versorgungsfokus auf Problemlösungen liegt. Nachfolgende Abbildung zeigt den Evolutionspfad von Industriebetrieben beispielhaft auf - von traditionellen Fertigungs- und Versorgungskonzepten hin zum Extremfall des „entmaterialisierten Unternehmens“, das keinerlei eigene Fertigungsaktivitäten mehr unterhält, sondern ein leistungsfähiges Zuliefernetzwerk steuert. Beispielhaft dafür sei die Fertigung von Mobiltelefonen genannt, die größtenteils nicht mehr von den Mobiltelefonfirmen selbst, sondern von spezialisierten Fertigungsdienstleistern durchgeführt wird.

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In derartigen Netzwerken spielt die Gestaltung effizienter Material-, Informations- und Finanzmittelflüsse eine entscheidende Rolle. Die unternehmensübergreifende Logistik wird zum entscheidenden Wettbewerbsvorteil.
2. Zum anderen verlagern sich mit dieser Entwicklung Wettbewerbsanstrengungen an die Netzwerkaußengrenze („networks compete with other networks“, Lechner 2001, S. 358 bzw. „supply chains compete, not companies“, Christopher/Jüttner 1998, S. 89). Die Steuerungsmechanismen („Governance Structures“) innerhalb industrieller Netzwerke müssen deshalb ebenso von Interesse sein wie die marktorientierte „Außenabgrenzung“.




2. Inhaltliche Konkretisierung: Die Forschungsmatrix2.1 Inhaltliche Konkretisierungsstufe 1: Teildisziplinäre Einordnung

Aus den inhaltlichen Vorüberlegungen lässt sich die Forschungsstrategie der Professur mit Hilfe zweier Dimensionen ableiten. Die erste Dimension betrifft - in inhaltlicher Anlehnung an Hammann/Lohrberg (1986) - den Verrichtungsumfang. Dabei wird zwischen der inner- und zwischenbetriebliche Behandlung von Sach- und Dienstleistungen im Rahmen des industriellen Wertschöpfungsprozesses sowie der Erlangung der Verfügungsgewalt unterschieden. Der Schwerpunkt liegt bei der inner- und zwischenbetrieblichen Behandlung auf dem Material- sowie zugehörigen Informationsfluss (bspw. Transport, Lagerhaltung, Fertigungsdurchlauf etc.). Die rechtliche Verfügbarkeit betrifft in erster Linie institutionelle Steuerungsprobleme (Gestaltung adäquater „Governance Structures“). Im Mittelpunkt stehen Aspekte der ökonomisch-rechtlichen Verfügungsrechte und des Flusses akquisitorischer Informationen.

Die zweite Dimension betrifft die Frage nach dem zentralen Erkenntnisobjekt der Betriebswirtschaftslehre. Klassischerweise steht der Einzelbetrieb im Vordergrund. Es wird unter­stellt, dass Unternehmen und die sie umgebenden Märkte klar zu trennen sind. Die oben skizzierte Entwicklung hin zu einer reduzierten Eigenfertigung bei zunehmender Lieferanteneinbindung läßt die Unternehmensgrenzen „verschwimmen“, es entstehen hybrid gesteuerte Netzwerke. Dafür stehen Konzepte wie die oben angesprochenen „Factory Within A Factory“-Systeme oder der Ansatz des „grenzenlosen Unternehmens“ (vgl. Picot/Reichwald/Wi­gand 2002). Die institutionelle Trennschärfe ist gering.

Aus den Dimensionen Verrichtungsumfang und institutionelle Trennschärfe ergibt sich eine Forschungsmatrix, deren Mittelpunkt bzw. Kulmination das Supply Chain Management als umfassendster Ansatz für die Erklärung und Gestaltung von Wertschöpfungsketten bzw. ‑netzwerken darstellt. Dieses zentrale Erkenntnisobjekt wird aus drei Perspektiven beleuchtet:
 

 

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Primäre Perspektive und wichtigste Forschungsdisziplin der Professur ist die Beschaffung. Bei der Beschaffung handelt es sich zwar im Kern um eine betriebliche Funktion, allerdings mit naturgemäß (unternehmens-) grenzüberschreitendem Charakter. Die Beschaffung gehört zu den vernachlässigten Funktionsbereichen der Betriebswirtschaftslehre. Sie umfasst alle unternehmens- und/oder marktbezogenen Tätigkeiten, die darauf gerichtet sind, einem Unternehmen die benötigten, aber nicht selbst hergestellten Objekte verfügbar zu machen (Arnold 1997, S. 7). Das Forschungsfeld Beschaffungsmanagement befasst sich mit strategischen Fragen des Einkaufs, bspw. mit der Gestaltung von Lieferantenbeziehungen (Supplier Relationship Management), oder der Optimierung von Sourcing-Konzepten (Modular Sourcing etc.).

Sekundäre Perspektive und damit erst in zweiter Linie Forschungsschwerpunkt der Professur ist die klassische Logistik. Die Logistik hat sich bereits in einem frühen fachwissenschaftlichen Entwicklungsstadium mit dem Management überbetrieblicher Material- und Informationsflüsse auseinandergesetzt. Wir konzentrieren uns in diesem Forschungsfeld auf Aspekte der flussorientierten Führung von Versorgungsnetzen, insbesondere der Optimierung von Leistungsflüssen.

Dritte Perspektive und damit die anderen Forschungsperspektiven unterstützend ist die Netzwerkorientierung. Sowohl die zunehmende Außen- bzw. Lieferantenorientierung der Beschaffung als auch die Adressierung unternehmensübergreifender Güterflussprobleme durch die Logistik machen eine Re-Orientierung der betriebswirtschaftlichen Forschung zum Erkenntnisobjekt Wertschöpfungskette bzw. ‑netzwerk erforderlich. In diesem Feld untersuchen wir die Steuerungsmechanismen hybrider Institutionen zur industriellen Wertschöpfung. Im Rahmen der marktorientierten Steuerung industrieller Netzwerke werden auch Bezugspunkte zur strategischen Produkt-/Markt-Orientierung von Versorgungsnetzwerken hergestellt, bspw. durch den Einsatz von Controllinginstrumenten wie Target Pricing.

Klassisches Produktionsmanagement konzentriert sich auf betrieblich-physische Wertschöpfungsaktivitäten. Aus den oben skizzierten Gründen vermitteln wir zwar Grundlagen des Produktionsmanagement in unseren Lehrveranstaltungen, legen aber keinen Forschungsschwerpunkt in diesem Gebiet.

Die integrierte, netzwerkorientierte Optimierung von Logistik-, Beschaffungs- und Fertigungsaktivitäten werden neuerdings unter dem Oberbegriff Supply Chain Management diskutiert. Wir sehen in diesem Forschungsfeld weit mehr als „nur“ eine weiterentwickelte Logistik. Supply Chain Management umfasst die Gestaltung industrieller Wertschöpfungsakti­vitäten von der Rohstoffgewinnung bis zur Auslieferung an den Endkonsumenten. Durch die Integration der Professur in das „Institut für Management marktorientierter Wertschöpfungsketten“ ist eine umfassend-integrierte SCM-Forschung möglich.


2.2 Inhaltliche Konkretisierungsstufe 2: Sektorale Anwendungsfelder 

Es wurde bereits angedeutet, dass die Verschiebung der Forschungsperspektive vom Management einzelner Institutionen zum Management umfassender Wertschöpfungsketten bzw. –netzwerken nicht nur in der industriellen bzw. industrienahen Wirtschaftssektoren, sondern auch im öffentlichen Sektor stattfindet. Vor dem Hintergrund der Neustrukturierung staatlicher Aufgaben wird die Bedeutung extern zugekaufter Leistungen weiter zunehmen. In der Staatstheorie wird dies unter dem - derzeit noch etwas vagen - Begriff des „Gewährleistungsstaates“ diskutiert.  Dabei konzentriert sich die öffentliche Hand (der „Staat“) auf die Gewährleistungs-
verantwortung, d.h. sie stellt sicher bzw. überwacht, dass die Leistungen ordnungsgemäß in quantitativer und qualitativer Hinsicht erbracht werden. Die Vollzugs- und Finanzierungsverantwortung - und damit die eigentliche Leistungserstellung - erfolgt durch Private.

Dahinter verbirgt sich im Kern eine ähnliche Entwicklung, wie sie die Privatwirtschaft unter dem Oberbegriff „Outsourcing“ bereits seit geraumer Zeit vollzieht. Die Rahmenbedingungen im Öffentlichen Sektor sind jedoch - nicht zuletzt aufgrund der Regulierungen des Vergaberechts und zu Öffentlich-Privaten Partnerschaften (ÖPP bzw. Public Private Partnerships PPP) - durchaus unterschiedlich. 

Hauptgrund ist die enorme haushaltspolitische Herausforderung, vor denen praktisch alle hochentwickelten Volkswirtschaften derzeit stehen. Mit dem Wandel zum Gewährleistungsstaat wird der Versuch unternommen, „typische“ öffentliche Aufgaben mit den Effizienzvorteilen privater, marktwirtschaftlicher Steuerung zu verbinden. Wird der Begriff Gewährleistungsstaat richtig verstanden, dann muss der Staat in Zukunft in der Lage sein, seine Gewährleistungsverantwortung zu erfüllen. Public Supply Chain Management, verstanden als eine strategische Funktion der öffentlichen Hand zur Steuerung eines leistungsfähigen Netzwerks von Zulieferunternehmen im Sinne von Lösungsanbietern, muss in der Lage sein, dieser steigenden Verantwortung gerecht zu werden und adäquate Managementinstrumente bereitzustellen.

Für die Bearbeitung der spiegelbildlich zu den oben skizzierten privatwirtschaftlichen Fragestellungen angelegten öffentlichen Beschaffungs-, Logistik- und Supply Chain Managementproblemen ist die Professur (Mit-) Träger des bundesweit einmaligen Forschungszentrums für Recht und Management öffentlicher Beschaffung (FoRMöB). Im Mittelpunkt des FoRMöB steht demzufolge analog das Public Supply Chain Management, das aus drei Perspektiven analysiert wird:

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Primäre Perspektive und damit wichtigste Forschungsdisziplin des FoRMöB ist die öffentliche Beschaffung. Im Gegensatz zu „privatwirtschaftlicher“ Beschaffung zeichnet sich die öffentliche Beschaffung dadurch aus, dass der Käufer dem öffentlichen Sektor angehört bzw. Waren und Dienstleistungen für den öffentlichen Bedarf eingekauft werden.  Das Gesamtvolumen der öffentlichen Beschaffung in Deutschland liegt bei ca. 260 Mrd. € jährlich, dies entspricht etwa 11% des Bruttoinlandsprodukts. In der Europäischen Union liegt dieser Wert mit ca. 16% noch höher (Volumen von 1,5 Billionen €). Deutschland liegt innerhalb Europas im Mittelfeld, die Werte schwanken zwischen 11% und 20%. Die öffentliche Hand selbst kann durch wirtschaftlicheren Einkauf erhebliche Mittel freisetzen und so den fiskalpolitischen Handlungsspielraum signifikant erhöhen. Geht man von den oben angesprochenen 260 Mrd. € in Deutschland aus, so würde eine Einsparung von nur 1,5% dem Volumen der gesamten LKW-Maut entsprechen. Mit einer Effizienzsteigerung um 2% werden Mittel freigesetzt, die einer Verdoppelung der Entwicklungshilfe (Haushalt des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) entsprechen; bei 2,5% entsprechen sie einer Umsatzsteuersenkung um 5% bzw. bei 3,5% sogar den gesamten Steuereinnahmen des Solidaritätszuschlags.  Mag diese Rechnung auch etwas verkürzt sein, da das Beschaffungsvolumen auf Kommunen, Länder und den Bund aufzuteilen ist, so zeigt sich doch die enorme Erfolgswirksamkeit des öffentlichen Einkaufs.

Sekundäre Perspektive ist die öffentliche Logistik. Im Grunde sind praktisch alle Logistikaktivitäten „öffentlich“, da i.d.R. öffentlich bereitgestellte Infrastruktur bspw. in den Transportfluss durch Nutzung von Straßen involviert ist. Das Verständnis öffentlicher Logistik hier konzentriert sich in erster Linie auf den Leistungsempfänger von Logistikaktivitäten, der in diesem Fall der öffentlichen Hand entspricht („Staat“ als „Verlader“). In diesem Sinne ist die öffentliche Logistik für die Sicherstellung der physischen Verfügbarkeit verantwortlich - neben der öffentlichen Beschaffung für die Sicherstellung der rechtlichen Verfügbarkeit.

Unterstützend werden als dritte Perspektive Ansätze des öffentlichen Netzwerkmanagement eingesetzt. Hierbei geht es um die Frage, wie Wertschöpfungsnetzwerke zur Erfüllung öffentlicher Aufgaben ausgestaltet sein sollten.


2.3 Inhaltliche Konkretisierungsstufe 3: Management von Versorgungssicherheit

Der Bezugsrahmen, der durch das Forschungskonzept hergestellt wird, soll auf der letzten Konkretisierungsstufe folgende Ziele erreichen:

 

Die doch recht breite Konzeption auf einen inhaltlichen Kern zu verdichten, der Ansatzpunkte für eine konkrete Querverbindung zwischen einzelnen Forschungsprojekten ermöglicht. Dazu gehört, dass alle Forschungsprojekte einen Bezug zum Forschungsrahmenprogramm aufweisen.
Die Zusammenarbeit innerhalb des Instituts für Management marktorientierter Wertschöpfungsketten zu vertiefen.
Einen Beitrag zum universitätsweiten Forschungsschwerpunkt „Safety and Security in a Networked Society“ zu leisten.

 

Vor diesem Hintergrund hat der Lehrstuhl gemeinsam mit FoRMöB und der Professur Wissensmanagement & Geschäftsprozessgestaltung (Univ.-Prof. Dr. Eva-Maria Kern) ein Forschungsrahmenprogramm Management von Sicherheit in öffentlich-privaten Wertschöpfungsketten (SaferSCM) eingerichtet.

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Schon die obige Diskussion von Beschaffungs-, Logistik- und Supply Chain Management-Aktivitäten hat gezeigt, dass die Gewährleistung der Versorgungssicherheit die zentrale Aufgabe ist; entsprechend gilt die „Continuity of Supply“ als Oberziel der Supply Chain Safety. Sie spielt sowohl für private Wertschöpfungsketten, wo nur durch die Versorgung des Endkonsumenten Umsatzerlöse für die gesamte Kette erzielt werden und somit Ihre Existenz gesichert werden kann, eine Rolle, als auch für öffentliche bzw. gemischt öffentlich-private Supply Chains. Gelingt es bspw. nicht, von einem privaten Lieferanten bzw. von einem als Öffentlich-Private Partnerschaft ausgestalteten Logistikdienstleister benötigte Leistungen für die äußere Sicherheit bereitzustellen, sind möglicherweise sogar Menschenleben gefährdet.

Im Rahmen des Supply Chain Safety Management wird postuliert, dass Safety als umfassender Sicherheitsbegriff in Supply Chains Aspekte der Security, d.h. der bewusst herbeigeführten Störung bspw. durch Terroranschläge, mit inkludiert. Dabei ist zu berücksichtigen, dass das Erreichen einer absoluten Sicherheit in Supply Chains unter Umständen nicht möglich respektive ökonomisch nicht sinnvoll ist, da der erreichte Nutzen in keinem vertretbaren Verhältnis zu den erforderlichen Kosten stehen würde. Daher sollte stets die Gewährleistung einer relativen Sicherheit angestrebt werden, d.h. dass potentielle Risiken durch angemessene Maßnahmen auf ein akzeptables Maß zu beschränken sind. Instrument dafür sind sog. „Safety Levels“, die definiert, geplant, umgesetzt und kontinuierlich überprüft werden müssen.

Dafür wird im Rahmen der Supply Chain Preparedness eine Versorgungskette angestrebt, die die Wahrscheinlichkeit von möglichen Unterbrechungen und Störungen reduziert und Vorgehensweisen entwickelt, um auf solche Ereignisse reagieren zu können, sollten sie dennoch eintreten.


3. Methodische Konkretisierung: Die Forschungspyramide

Versteht man Betriebswirtschafslehre als angewandte Wissenschaft, so verfolgt die Forschung neben der Erklärungsaufgabe (kognitives Wissenschaftsziel) auch die Aufgabe, Gestaltungsentscheidungen zu unterstützen (pragmatisches Wissenschaftsziel). Theoriegestütztes Arbeiten und Praxisorientierung sollten dabei nicht gegeneinander ausgespielt werden, im Gegenteil: Theoretische Durchdringung ist in der Regel Voraussetzung für erfolgreiche praktische Gestaltung.

Um entsprechend der skizzierten methodologischen Zielsetzung forschen zu können, muß die Forschungsmethodik neben die inhaltliche Bestimmung der Forschungsgebiete treten. Sie beschreibt den Grad der Umsetzungs- und Outputorientierung der Forschungsvorhaben und die eingesetzten Instrumente der Erkenntnisgewinnung. Je nach Ausprägung werden Grundlagen-, Strategie- und angewandte Forschung unterschieden. Daraus ergibt sich folgende Forschungspyramide:

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Grundlagenforschung („Blue Sky Research“) hat einen stark explorativen Charakter. Sie ist nicht per se mit einem definierten Output (definiertes Umsetzungsziel) verbunden. Methodisch zeichnet sie sich durch eine primär theoretisch-deduktive Vorgehensweise aus. Zum Einsatz kommen vorwiegend ökonomische Theorien der neuen Mikroökonomik wie Netzwerktheorie, Informationsökonomik und Spieltheorie.

Angewandte Forschung ist weitaus umsetzungsorientierter. Im Mittelpunkt steht i.d.R. eine konkrete Fragestellung aus der betrieblichen Praxis. Die Vorgehensweise ist überwiegend empirisch-induktiv, bspw. Fallstudienforschung, multivariate Datenanalyse für Großzahlempirie und Aktionsforschung. Die Projekte sind mit einem konkreten Ziel verbunden, die Outputleistung ist zeitlich konkret geplant.

Strategische Forschung ist eine Mischform aus Anwendungs- und Grundlagenorientierung. Dementsprechend kommen hybride Methoden zum Einsatz. Aus Vereinfachungsgründen wird häufig eine Zweiteilung in Anwendungs- und Grundlagenforschung vorgenommen; faktisch ist diese Trennlinie bei angewandten Wissenschaften nur sehr schwer zu ziehen.

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