Tunnel

Notsituationen in Straßentunneln (Brand, Unfall, etc.)

- Richtiges Verhalten veranlassen -

Das Forschungsprojekt "Verhaltensanweisungen bei Notsituationen in Straßentunneln" hatte zum Ziel, Straßenverkehrstunnel sicherer zu gestalten und Verkehrsteilnehmer bei Störungen schnell und sicher zum richtigen Verhalten anzuleiten.

Bei einem Brand im Straßentunnel eskaliert die Situation oft schnell, etwa durch giftigen Rauch, große Hitze und wenig Zeit zum Evakuieren.

Die Frage ist: Wie bekommt man Menschen dazu, ihr Fahrzeug (ihr "heiligs Blechle") zu verlassen und bei minimaler Sicht den Notausgang zu finden?

Die Hauptprobleme dabei sind:           Der Tunnel ist ein schallharter Raum mit großer Halligkeit, das Lärm-Aufkommen ist hoch (Motorlärm von Pkw, Lkw, Ventilatoren, evtl. Sirenen, Stimmengewirr), so dass Sprachdurchsagen kaum zu verstehen und schwer (bzw. gar nicht) zu orten sind.
 

U. a. wurden folgende Analysen durchgeführt: Was wissen Nutzer (Internetbefragung)? Wie sind Tunnel ausgestattet (Umfrage bei Tunnelbetreibern)? Welche Möglichkeiten gibt es, Personen rasch zum Verlassen des Fahrzeugs zu bewegen und zum Notausgang zu führen?

Die letztgenannte Frage wurde in einer Serie von Experimenten geklärt:

 

Zum "Hinaustreiben" wurden akustische Versuche in einer Bunkeranlage (= schall-harter Raum) unter Lärmbedingungen durchgeführt. Hier wurde z.B. mit einer extrem tiefen Orgelpfeife experimentiert (wahrscheinlich die tiefste Pfeife Deutschlands), deren Ton eher zu spüren, als zu hören ist und die das Gefühl erzeugt "Ich muss hier raus". Der Sound dieser Orgelpfeife erwies sich als sehr gut geeignet, ebenso wie der Sound "Sägezahn" aus einer Bass-Box. Vorteil der Pfeife wäre, dass man sie aus Beton bauen kann.

Akustische Versuche zum "Anlocken" Richtung Notausgang, die ebenfalls in der schall-harten Lärm-Umgebung einer Bunkeranlage stattfanden, klärten die Fragen: Was kann man gut orten? Was bedeutet: "Hier geht es hinaus"? Im Test waren verschiedene Vogelstimmen, weißes Rauschen, Sprechstimmen, Singstimmen, Instrumente.

Kurz gefasst ergaben die Ergebnisse, dass eine sichere Ortung, eine schnelle Reaktion und die Bedeutung "Hier ist der Ausgang" mit einer Kombination z.B. aus einem sehr langsam gesprochenen "Please, exit here" / Vogelstimme (am besten: Rotkehlchen) mit hinterlegtem weißen Rauschen / und einem in Rufterz gesungenen "Hier her" erzielt wird.

 
Optisch / haptische Versuche zum Auffinden des Notausgangs im Tunnel bei Lärm, Rauch und Dunkelheit testeten verschiedene Kombinationen aus Lauflicht, Laserstrahl und Handlauf. Zu klären war, wie man Personen am besten Richtung Notausgang führt und zum Queren des Raumes veranlassen kann, etwa wenn der Notausgang auf der anderen Wandseite liegt. Der Rauch wurde mit einer Nebelmaschine erzeugt, die Bewegungskontrolle erfolgte mit Hilfe einer Wärmebildkamera. Am sichersten und am schnellsten wurde der Notausgang mit einer Kombination aus Lauflicht (pulsierend im 1/16 sec-Takt), Handlauf und Laserstrahl (mit dem Lauflicht pulsierend, in Richtung Notausgang) erreicht.  

Die Ergebnisse resultieren aus einem Projekt der Bundesanstalt für Straßenwesen.

Sie sind publiziert in:

Färber B. & Färber B. (2010) Verhaltensanweisungen bei Notsituationen in Straßentunneln. Berichte der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt), Heft M 212, Reihe Mensch und Sicherheit. Bergisch Gladbach: Wissenschaftsverlag NW, Dez. 2010.

Zu beziehen über:

http://www.nw-verlag.de/shop/product_info.php/info/p2861_verhaltensanweisungen-bei-notsituationen-in-stra-entunneln.html

Online verfügbar unter: http://bast.opus.hbz-nrw.de/volltexte/2012/332/pdf/M212.pdf