Wegweisung

Wegweiser - Wie viel Information darf es sein?

Das Forschungsprojekt "Aufnahme von Wegweisungsinformationen im Straßenverkehr - AWewiS (I)" befasste sich mit der Informationsaufnahme und Verarbeitung wegweisender Beschilderung, um daraus wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse für die Gestaltung von Wegweisern im Autobahn- und Sekundärnetz zu gewinnen.

Die wegweisende Beschilderung auf Autobahnen und Landstraßen ist in einem Regelwerk zusammengefasst, das die maximale Informationsmenge festlegt. So dürfen auf Landstraßen maximal 10 Ziele angegeben werden, davon höchstens 4 pro Richtung (RWB); auf Autobahnen maximal 7 Ziele, 3 Geradeaus- und 4 Ausfahrtziele (RWBA). Diese Vorgaben entstanden aufgrund theoretischer Überlegungen bezüglich des Leseverhaltens und der verfügbaren Lesezeit von Kraftfahrern.

Im Anschluss an eine Literaturanalyse wurden Fahrversuche (mit Blickregistrierung) durchgeführt, um zu klären, wie viel freie Kapazität (Netto-Lesezeit) dem Fahrer im Straßenverkehr neben seiner Fahraufgabe zum Lesen von Wegweisern zur Verfügung steht.

Für Geschwindigkeiten von 130 km/h auf Autobahnen, 70 km/h auf Landstraßen und 50 km/h innerorts wurden für hohe Verkehrsstärken folgende Netto-Lesezeiten ermittelt:

5,4 Sekunden für ein überkopf angezeigtes Schild auf der Autobahn, 4,2 Sekunden für ein seitlich aufgestelltes Schild auf der Autobahn und 3,0 Sekunden für ein seitlich aufgestelltes Schild auf der Landstraße oder innerorts.

Auf der Basis dieser Netto-Lesezeiten wurden in einem Laborexperiment zahlreiche Schildervarianten verglichen. Anzahl der Ziele, Ziele pro Richtung, Art des Schildes (Tabellenwegweiser vs. Überkopf-Beschilderung) sowie Autobahn- und Landstraßenbeschilderung wurden systematisch variiert. Die Ziele waren nur in 50% der Fälle auf dem Schild vorhanden; die Probanden mussten sich jeweils per Tastendruck für eine Fahrtrichtung entscheiden.

Die Auswertung der Blicke (gemessen mit dem berührungslosen Blickregistrierungssystem faceLAB) gab Hinweise darauf, dass Schilder mit wenigen Blicken ganzheitlich erfasst wurden, obwohl sie keine bekannten Ortsnamen zeigten.

Der Versuch mit 38 Personen zeigte, dass die momentan geltende Beschilderungspraxis auf Landstraßen den Fahrer überfordert, bzw. zur sicheren Orientierung nicht geeignet ist. Auf Autobahnen erweisen sich vor allem die seitlich aufgestellten Wegweiser als zu komplex.

Diese Ergebnisse resultieren aus einem Projekt der Bundesanstalt für Straßenwesen.

Sie sind publiziert in:

Färber Berthold, Färber Brigitte, Siegener Wilfried & Süther Renate (2007): Aufnahme von Wegweisungsinformationen im Straßenverkehr - AWewiS

Bericht zum Forschungs- und Entwicklungsvorhaben FE 03.388/2004/CRB des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung. Reihe: Forschung Straßenbau und Straßenverkehrstechnik, Heft  Bremerhaven: Wirtschaftsverlag NW.

Zu beziehen über:

http://www.nw-verlag.de/shop/product_info.php/info/p2356_aufnahme-von-wegweisungsinformationen-im-stra-enverkehr---awewis.html

AWewiS II

Wie viele Symbole dürfen auf einen Wegweiser?

Projektgeber: Bundesanstalt für Straßenwesen

Im Forschungsprojekt AWewiS I[1] wurde bestimmt, wie viel freie zeitliche Kapazität (Nettolesezeit) dem Fahrer im Straßenverkehr neben seiner Fahraufgabe zum Lesen von Wegweisern zur Verfügung steht. Es zeigte sich, dass die Regel „Zwei Symbole entsprechen einem verbalen Ziel“ ebenfalls überprüft werden muss.

In AWewiS II wird, ausgehend von einer Literaturstudie und einer Analyse der Ist-Situation, in mehreren Experimenten die maximal zulässige Anzahl von Symbolen in Kombination mit verbalen Zielangaben untersucht. Dies berücksichtigt die Anzahl der Symbole pro Richtung, die Farbgebung, die Einbettung in das Schild und den Bekanntheitsgrad. Zudem werden neue Symbole erprobt. Die Ergebnisse münden in Empfehlungen für ein Regelwerk über Art, Umfang und Anzahl von Symbolen auf Wegweisern.

Für die verkehrstechnische Umsetzung kooperiert unser Institut, wie in der vorausgegangenen Studie, mit dem IS-V Karlsruhe (W. Siegener).

 

[1] Lit.: Färber Berthold, Färber Brigitte, Siegener Wilfried & Süther Beate (2007): Aufnahme von Wegweisungsinformationen im Straßenverkehr. Forschung Straßenbau und Straßenverkehrstechnik, Heft 979, 2007, herausgegeben vom Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung, Abt. Straßenbau, Straßenverkehr. Bremerhaven: Wirtschaftsverlag NW.