Viele Gefahrensituationen in Verkehrsszenarien entstehen durch eine falsche oder lückenhafte Situationswahrnehmung, bei der die Fahrsituation, d.h. der aus Fahrersicht prinzipiell wahrnehmbare Ausschnitt einer Verkehrssituation, nicht mit der vom Fahrer tatsächlich wahrgenommenen Situation übereinstimmt. Eine fehlerhafte Situationswahrnehmung des Fahrers ist häufig ein Hinweis auf fehlende Information bzw. das Nichtnutzen oder falsche Nutzen von vorhandenen Informationen, was schließlich die Wahrscheinlichkeit einer riskanten Manöverinitialisierung durch den Fahrer deutlich erhöht. Um den PKW Fahrer in potenziellen Gefahrensituationen durch den Einsatz von Fahrerassistenzsystemen (FAS) und Informationssystemen optimal, d.h. fahrer- und kontextspezifisch, zu unterstützen, ist es daher erforderlich, wahrnehmungs- und kognitionsbasierte Faktoren im Unfallentstehungsprozess zu identifizieren, die Unfälle begünstigen bzw. mindern. 

Ziel dieses Forschungsschwerpunkts ist es, durch eine detaillierte Analyse von Wahrnehmung, Informationsverarbeitung, und Handlung von Fahrern in der Pre-Crash Phase Informationen darüber zu gewinnen, welche Unterstützung im Vorfeld eines PKW Unfalls idealerweise erforderlich gewesen wäre, um den Unfall zu vermeiden bzw. die Unfallschwere zu mindern. Eine solche Analyse umfasst u.a. die Ableitung von Unfallszenarien aus Forschungsdatenbanken und die Identifikation potenziell wichtiger Einflussfaktoren sowie die entsprechende Ableitung von Hypothesen zum Einfluss möglicher wahrnehmungsbasierter und kognitiver Faktoren, die die Wahrscheinlichkeit eines Unfalls erhöhen bzw. reduzieren. Die aus dieser Forschungsarbeit gewonnenen Erkenntnissen ermöglichen die empirische Überprüfung und spätere Ableitung von evidenzbasierten Empfehlungen für die Funktionsauslegung von FAS und Informationssystemen zur PKW-Unfallvermeidung.

Auch die Mensch-Maschine Interaktion mit komfortbezogenen FAS wird von perzeptiven und kognitiven Einflussfaktoren maßgeblich bestimmt. Bei der Gestaltung entsprechender Anzeigen- und Bedienkonzepte muss hier neben der Sicherheit und Gebrauchstauglichkeit auch die User Experience vorrangig berücksichtigt werden. Entsprechend der oben beschriebenen Vorgehensweise werden im Rahmen dieses Forschungsschwerpunkts zur Fahrer-Fahrzeug-Umwelt Interaktion die experimentelle Usability und User Experience Evaluation von Fahrerkomfortsystemen in Kooperation mit führenden deutschen Automobilherstellern angestrebt.