Beim hochautomatisierten Fahren übernimmt das Fahrzeug die Aufgaben der Wahrnehmung, Kognition, Verhaltensentscheidung und Verhaltensausführung. Jedoch bleibt es weiterhin Aufgabe des Fahrers, das System kontinuierlich zu überwachen und die Fahrzeugkontrolle im Falle eines Systemausfalls oder einer Systemeinschränkung zu übernehmen. Eine der größten Herausforderungen für die menschliche Interaktion mit hochautomatisierten Fahrzeugen ist daher die situations- und fahreradäquate Definition und Umsetzung von Übernahme- und Übergabeprozeduren.

Im Falle des Übernahmebedarfs ist ein schnelles und situationsangemessenes Eingreifen des Fahrers notwendig. Überwachungstätigkeiten über einen längeren Zeitraum führen jedoch bekanntermaßen zu Vigilanzproblemen: aufgrund der monotonen Tätigkeit kann der Fahrer seine Aufmerksamkeit auf Dauer nicht aufrechterhalten. Dies hat oft zur Folge, dass der Fahrer „Out-of-the-loop“ ist und damit nicht mehr in der Lage, in der zur Verfügung stehenden Zeit situationsangemessen zu reagieren. Weiterhin ist es für Nutzer häufig schwierig, die Systemgrenzen komplexer, hochautomatisierter Systeme richtig einzuschätzen, was zu einem fehlangebrachten Vertrauen in die Fähigkeiten des Systems führen kann. Dies kann zur Folge haben, dass der Fahrer nicht eingreift, wenn es notwendig ist, aber auch, dass der Fahrer die Kontrolle in Situationen übernimmt, in denen das automatisierte System eine bessere Leistung erzielt hätte.

Ein wichtiges Ziel dieses Forschungsschwerpunkts ist daher die Untersuchung von Übernahme- und Übergabekonzepten, die ein optimales Situationsbewusstsein und angemessenes Systemvertrauen schaffen. Dies erfordert sowohl die Erforschung von perzeptiven und kognitiven Faktoren in der Fahrzeugübergabe und –übernahme, als auch von Parametern der Verhaltensentscheidung und –ausführung in Situationen der Übergabe und Übernahme. Auf Grundlage der Forschungsergebnisse und anhand empirischer Evaluationen wird weiterhin ermittelt, welche Gestaltungsmerkmale der Mensch-Maschine Schnittstelle eine angemessene Systemtransparenz schaffen, damit es dem Fahrer ermöglicht wird, die Systemgrenzen des Fahrzeugs schnell und korrekt vorherzusagen und damit angemessen zu übernehmen. Für die Entwicklung von Übergabeprozeduren ist insbesondere die Intentionserkennung und Verhaltensprädiktion ein wichtiges Forschungsgebiet. Hierfür werden Fahrverhaltensparameter identifiziert und empirisch untersucht, die auf eine Übergabeintention des Fahrers hindeuten.   

Schließlich erfordert sicheres Fahren mit hochautomatisierten Fahrzeugen, insbesondere im innerstädtischen Bereich, auch eine effektive Interaktion der Fahrzeuge mit anderen Verkehrsteilnehmern, z.B. Fußgängern, Radfahrern sowie Fahrzeugen, die nicht automatisiert fahren (Mischbetrieb). Ein weiteres Forschungsziel dieses Themenschwerpunkts ist daher die Konzipierung und Evaluierung von Car-2-X Schnittstellen, die eine situationsadäquate, sichere und von den Verkehrsteilnehmern akzeptierte Interaktion zwischen hochautomatisierten Fahrzeugen und nicht automatisierten Verkehrsteilnehmern.