Direkt zum Inhalt | Direkt zur Navigation

UniBwM » StudiumPplus » Lehrplus » Lehrplus » Methodenkoffer » Zünder » "Falsche" Rechnung

"Falsche Rechnung"

Falsche" Rechnung

Situation/Ziel
Murmelgruppe
Es wird immer nur kritisiert. Den Studierenden werden mehrere einfache Rechnungen vorgelegt. Eine der Rechnungen ist falsch.
Teilnehmerzahl Vorbereitung Material Zeitbedarf
wenig wenig viel viel
Auch für große Gruppen geeignet
Vier Gleichungen zu den Grundrechenarten
Flipchart, Folie mit den vier Gleichungen
Ca. 3 Minuten

Beschreibung: Auf einen Flipchartbogen werden vier einfache Gleichungen zu den Grundrechenarten geschrieben. Die letzte ist aber falsch. Dies kann folgendermaßen aussehen:

22 × 8 =176
945 - 613 = 332
156 : 12 =13
458 + 266 =734

Anschließend fragt der Lehrende die Studierenden: „Fällt Ihnen etwas auf?“ Die Studierenden beginnen zu rechnen. Nach kurzer Zeit sagt der erste: „Eine ist falsch.“ Die anderen Studierenden werden zustimmen. Darauf sagt der Lehrende: „Mir fällt auf, dass drei richtig sind.“ Der Dozierende regt nach diesem Aha-Effekt ein Nachdenken an zum Thema „Wir sehen immer nur das Negative“, „Das Haar in der Suppe suchen“, „Zuerst kritisieren“. Der Lehrende fragt die Studierenden: „Erinnert Sie das an das Geschehen hier im Seminar?“ „Wie wirkt das auf Sie?“ „Neigen Sie auch zur Überbetonung des Negativen?“ „Was ist zu tun?“

Aus der Praxis: Jeder kennt die Geschichte vom Glas, das der eine als halb voll, der andere als halb leer sieht. Dagegen ist diese Version mit den Gleichungen neu und deshalb sehr gut geeignet, den Aha-Effekt auszulösen. Diese Übung soll nicht groß eingeleitet werden. Der Dozierende sagt einfach: „Ich zeige Ihnen einmal etwas.“ Die Studierenden sollen nicht ahnen, worauf er hinaus will. Wenn diese Übung direkt nach einer Szene im Seminar gestartet wird, in der wieder einmal nur kritisiert wurde, besteht die Gefahr, dass der eine oder andere Studierende sich vorgeführt fühlt und auf die Hinterbeine stellt. Mit etwas Glück ist es sogar ein besonders geübter Kritiker, der als erster den Fehler in den Gleichungen entdeckt. Natürlich kann der Dozierende es trotzdem riskieren. Es wäre ja der ideale Moment dafür. Der Dozierende sollte sich nur bewusst sein, worum es bei dieser kleinen Übung geht: um Kritik von (zu viel) Kritik. Das heißt, auch der Dozierende kritisiert in diesem Moment, und er sollte daher nicht vergessen, das Positive an Kritik zu loben.

Varianten: Das Thema „Wir sehen immer nur das Negative“ kann auch mit der folgenden Übung angesprochen werden. Der Lehrende verteilt Pinnwandkarten, auf denen jeweils eine negative Eigenschaft steht: faul, aggressiv, pedantisch, egoistisch, ungeduldig, leichtsinnig. Die Studierenden deuten in Zweier- oder Dreiergruppen diese Eigenschaften positiv um. Sie suchen nach positiven Seiten und positiven Auswirkungen dieser Eigenschaften oder Verhaltensweisen.

Beispiele: „Wer aggressiv ist, wird nicht untergebuttert.“, „Wer egoistisch ist, lässt sich nicht ausnutzen.“, „Wer pedantisch ist, schaut genau hin, übersieht nichts, ist gründlich.“, „Wer faul ist, genießt sein Leben, macht sich nicht kaputt.“ Die Studierenden machen sich auf diese Weise bewusst, dass man die Dinge differenzierter sehen muss, um ihnen gerecht zu werden.

Quelle: WEIDENMANN, Bernd (Hrsg.): Handbuch Active Training. Die besten Methoden für lebendige Seminare. Weinheim und Basel: Beltz, 2006, S. 52

Methodenkoffer