Vorwissen

Vorwissen erheben

Situation/Ziel
Zu Beginn des Seminars und immer dann, wenn während des Seminars ein neuer Themenbereich beginnt. Der Lehrende erfährt, mit welchem (u.U. unvollständigen und/oder falschen) Vorwissen die Studierenden in die Lehrveranstaltung eintreten, kann daran anknüpfen und darauf eingehen.
Teilnehmerzahl Vorbereitung Material Zeitbedarf
wenig wenig viel viel
Auch für große Gruppen geeignet Vorbereitung der Fragen Papier 30 Minuten

Beschreibung: Lehrende können falsche Vorstellungen darüber haben, welches Vorwissen die Studierenden in die Lehrveranstaltungen mitbringen, ebenso können die Studierenden ihr eigenes Vorwissen überschätzen („illusion of knowing“). Wenn der Lehrende erfahren möchte, mit welchem Vorwissen die Studierenden in die Lehrveranstaltung eintreten, lohnt es sich, zu Beginn das Vorwissen der Teilnehmer zu erfassen.
•Der Lehrende stellt etwa 10 Fragen, welche die Hauptkonzepte der Veranstaltung repräsentieren und die mit „richtig“ oder „falsch“ beantwortet werden können. Es ist wichtig, dass der Schwierigkeitsgrad von der ersten bis zur letzten Aufgabe variiert, so dass einige Fragen relativ leicht zu beantworten sind.
•Die Fragen werden an die Studierenden verteilt und der Dozierende betont, dass die Antworten nicht benotet werden. Mit Hilfe der Antworten wird ausschließlich das Vorwissen zur Thematik festgestellt.
•Die Studierenden haben etwa 10 Minuten Zeit, um die Fragen zu beantworten.
•Danach werden Paare gebildet, die jede Frage und ihre Antworten diskutieren. Ziel ist es, dass die Paare Konsens über wenigstens sieben von zehn Fragen erreichen.
•Im Plenum liest der Dozierende jede Frage vor und bittet Freiwillige, darauf zu antworten.
•Nachdem die Studierenden ihre Antworten erläutert haben, geben Sie jeweils die richtige Antwort. Dies kann zu weiteren Diskussionen über das Thema führen.

Aus der Praxis: Durch diese Übungen erfährt der Dozierende nicht nur etwas über das Vorwissen seiner Studierenden. Auch die Studierenden lernen, dass eine Gruppe zu besseren Lösungen kommen kann als ein Individuum. Die Studierenden sind von Beginn an aktiv an der Lehrveranstaltung beteiligt.

Varianten: Der Lehrende kann zu Beginn auch vorbereitete Antwortmöglichkeiten auf die Fragen ankreuzen lassen und anschließend auswerten, etwa: „Was verstehen Sie unter x,y?“
•Keine Ahnung
•Habe davon schon einmal gehört
•Habe schon eine ungefähre Vorstellung, was damit gemeint ist
•Kann es einem anderen Studenten genau erklären
Wenn bereits Vorkenntnisse vorhanden sind, besteht eine weitere Möglichkeit darin, die Studierenden zu fragen, worüber sie in der Veranstaltung gern mehr erfahren möchten und/oder was sie auf keinen Fall erleben möchten.

Quelle: WINTELER, Adi: Professionell lehren und lernen. Ein Praxisbuch für Universität und Schule. 2., durchgesehene Auflage. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 2004

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