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Seminardesign Referate

Seminarformat „Referate“


Kurzbeschreibung:

Die Seminarkonzeption „Referate“ gilt als Standardformat für zahlreiche Seminare.

Von den Studierenden wird die eigenständige Vorbereitung eines selbst zu wählenden oder vom Lehrenden vorgegebenen Themas und dessen Präsentation in der Lehrveranstaltung gefordert. Im Anschluss an das Referat findet i.d.R. eine Diskussion über das im Referat behandelte Thema statt. Dabei kann der Referent die Diskussionsleitung übernehmen. (Bei entsprechend großen Teilnehmerzahlen können umfangreichere Referate auch an Teams von 2 – 3 Personen vergeben werden.)

Vom Referenten wird folglich die Fähigkeit erwartet, sich mit Hilfe von Fachliteratur selbständig in ein neues Thema einzuarbeiten, dieses im Plenum zu präsentieren und u. U. die anschließende Diskussion des Themas zu moderieren. Dabei gehören die fachliche Aufbereitung, wie das Exzerpieren der relevanten Informationen sowie die komprimierte Darstellung der wichtigsten Thesen zu den von den Studierenden geforderten Kompetenzen.

Neben dem Wissenserwerb gehören aber auch die Wissensvermittlung und die hierfür notwendige sprachliche, performative und mediale Kompetenz zu den Leistungsanforderungen an die Studierenden.

 


Was zeichnet erfolgreiche Referatseminare aus?

Drei Faktoren sollten erfüllt sein, damit ein Referate-basiertes Seminar erfolgreich durchgeführt werden kann:

Erstens sollten sich die Referate aufeinander beziehen und nicht als zusammenhangslose Themen in einem nur lose verknüpften Themenspektrum auftreten. Hier liegt es in der Verantwortung des Lehrenden, durch die Vorstrukturierung der Themen sowie die Auswahl der Basisliteratur auf den Gesamtzusammenhang des Seminars hinzuweisen.

Zweitens sollten sich alle Studierenden aktiv am Lehrgeschehen beteiligen und ihre Meinung in die Diskussion einbringen. Dazu gehört – neben fachspezifischen Fragen und Anknüpfungspunkten – auch die kritische Begutachtung des Referenten. Es sollte nicht als Gefallen gegenüber dem Referenten betrachtet werden, unverständliche und offen gebliebene Fragen zu übergehen, sondern das (ehrliche!) Feedback der KommilitonInnen sollte für den Referenten eine klare Rückmeldung zu der Qualität seiner Präsentation darstellen. Dafür ist es absolut notwendig, dass der Lehrende zu Beginn der Lehrveranstaltung eine Atmosphäre herstellt, die von gegenseitiger Wertschätzung und Offenheit aller Studierender geprägt ist.

Drittens eignen sich Referate hervorragend um die sozialen Kompetenzen des Referenten zu schulen und gleichzeitig den Zuhörern einen Einblick in ein spezielles Themengebiet des Seminars zu ermöglichen. Der Umgang mit Medien und verschiedene Präsentationstechniken werden erlernt und praktiziert. Um gleichzeitig eine abgeschwächte Form des „Frontalunterrichts“ zu verhindern, kann es als wichtige Aufgabe des Referenten betrachtet werden, die folgende Diskussion zu leiten. Eine klare Ansage seitens der Lehrenden hinsichtlich der erwünschten Rahmenbedingungen der Referate leistet hierfür einen wichtigen Beitrag.

 


Aufgaben der Lehrenden

Die Aufgabe der Lehrenden besteht in erster Linie darin, die Rahmenbedingungen für die Referate (Auswahl der Themen und der Basisliteratur) festzulegen und den Gesamtzusammenhang des Seminars herzustellen. Auch weiterführende Literatur zum Thema kann vom Lehrenden zur Verfügung gestellt werden. Darüber hinaus sollte der Lehrende auf eine aktive Beteiligung aller Studierenden am Unterrichtsgeschehen achten. Mittels didaktischer Methoden kann dies erreicht / ermöglicht / verstärkt werden.

Des Weiteren sollte der Lehrende den Studierenden zu Beginn des Seminars, am besten in Form eines schriftlichen Handouts, eine Orientierungshilfe zur praktischen Durchführung des Referates sowie des gesamten Seminars zur Verfügung stellen.

Dabei sollten folgende Punkte aufgeführt sein:

  • Zeitlicher Rahmen des Referats

  • vorgesehene Zeit für Diskussion

  • Handout erwünscht? In welchem Umfang? Thesenpapier oder ein ausformuliertes Handout? Evtl. Beispielhandout, Formatvorlage zur Verfügung stellen

  • Medieneinsatz? Welche Medien sollen genutzt werden, welche technische Infrastruktur steht zur Verfügung?

  • Wie stark geht die Referatsleistung in die Gesamtnote ein?

  • Wie viel „zählt“ die Beteiligung am Unterrichtsgeschehen für die Note?

  • Wie gehen wir mit Kritik um? Hinweise zu konstruktivem Feedback mit Hilfe der Feedbackregeln! (Kritik immer ans Thema, nie an die Person binden!)

  • Allgemeine Infos zu Quellenangaben, Zitierweise etc.

Da beim Halten eines Referates häufig technische Hilfsmittel zum Einsatz kommen, empfiehlt es sich, in der ersten Sitzung diese vorhandenen Lehrmittel zu präsentieren und auf die entsprechenden Einsatzmöglichkeiten sowie Vor- und Nachteile hinzuweisen.

Insbesondere beim Einsatz von PowerPoint gibt es gewisse Grundregeln, die für eine gelungene Präsentation eingehalten werden sollten. Es empfiehlt sich, dass der Lehrende den Studierenden ein Merkblatt mit den wichtigsten Hinweisen zum sinnvollen Einsatz von Power Point zur Verfügung stellt.

Sicherlich ist es jedem Lehrenden selbst überlassen, wie intensiv er die Referenten bei ihrer Vorbereitung des Referats unterstützt. Er sollte jedoch klar kommunizieren, auf welche zur Verfügung gestellten Materialien sich der Referent beziehen muss, welche zusätzlichen Materialien er hinzuziehen kann und in welchem Umfang er ergänzende Informationen für sein Referat recherchieren soll.

Weiterhin sollte den Referenten ein grober Zeitplan gegeben werden, ob bzw. wann der Dozent die konkreten Inhalte des entsprechenden Referats mitgeteilt bekommt. Es ist dringend erforderlich, dass die referierten Inhalte im Vorfeld mit dem Lehrenden abgesprochen werden. Dies verhindert, dass falsch verstandene Informationen an alle Studierenden transportiert werden.

Der Lehrende kann in der Vorbereitungsphase die Referenten durch gezielte Hinweise unterstützen und auf besonders wichtige Aspekte hinweisen. Er übernimmt damit die Rolle eines übergeordneten Moderators, der die Qualität der entsprechenden Referate sichert.

 


Referate in größere Themenkomplexe einbinden

Innerhalb der verschiedenen Referate eines Seminars sollten möglichst viele Querverbindungen zu anderen Referatsthemen sowie zu einem übergeordneten Gesamtzusammenhang vorhanden sein. Diese fördern auf der einen Seite das Engagement der Studierenden, sich aktiv auf die Themen der Referenten einzulassen und das Gehörte im Hinblick auf das eigene Themenfeld zu analysieren, was wiederum anregend für eine gelungene Diskussion ist. Auf der anderen Seite kann die überlegte Vorauswahl der entsprechenden Sitzungsthemen die Struktur des Seminars positiv beeinflussen. Eine vom Lehrenden gestaltete Abschlusssitzung, die einen Überblick zu den herausgearbeiteten Kernthesen der unterschiedlichen Referate gibt, ist dringend zu empfehlen.

Falls es zu den Leistungsanforderungen der Studierenden gehört, neben dem Referat auch eine schriftliche Arbeit zu erstellen, bietet es sich an, diese schriftlichen Arbeiten zu sammeln und – etwa über das studium plus Portal – den anderen Studierenden zur Verfügung zu stellen. Die hier hinterlegten Arbeiten können wiederum als Literaturbasis für die Abschlusssitzung dienen. Durch eine gut strukturierte Abschlusssitzung steigt das positive Gefühl, innerhalb dieses Seminars gemeinsam etwas erarbeitet zu haben.

 


Die Studierenden wählen ein Thema

Die Vergabe der Referatsthemen findet i.d.R. in der ersten Sitzung des Seminars statt und sollte möglichst offen gestaltet werden. Mit einem Thema, das für den potentiellen Referenten eine besondere Bedeutung hat, wird sich dieser intensiver auseinandersetzen als mit einem ihm zugewiesenen Thema. Doch auch mit einem offenen Vergabeprozess wird man immer wieder vor der Herausforderung stehen, dass manche Themen bei den Studierenden beliebter, andere weniger beliebt sind. Der Lehrende sollte sich darüber im klaren sein, dass er nie alle Studierenden bezüglich der Themenwahl zufriedenstellen kann.