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Planung eines Projektseminars

„Wie plant man ein Projektseminar?“

 

Kurzbeschreibung:

Die Studierenden teilen sich in Gruppen auf, die über einige Wochen ein Projekt bearbeiten. „Projekt“ heißt: Die Teamarbeit hat ein Ziel, der Weg dorthin liegt aber weitgehend in der Verantwortung der Teams.

Die Aufgabe des Lehrenden besteht vor allem darin, die Rahmenbedingungen für die Projektarbeit zu optimieren.

Zum Abschluss präsentieren die Projektgruppen die Ergebnisse ihrer Arbeit.


Was zeichnet erfolgreiche Projektseminare aus?

Projekte sind gerade für die Ziele von studium plus besonders geeignet. Die Eigenaktivität der Studierenden ist hoch. Sie üben berufsrelevante Schlüsselqualifikationen ein wie zum Beispiel Organisationskompetenz und Teamfähigkeit. Sie müssen darüber hinaus recherchieren, formulieren und präsentieren. Weil sie sich ein Thema aussuchen oder eventuell selbst definieren können, ist die Motivation meistens höher als bei den traditionellen Lehrveranstaltungen. Durch die für Projekte typische Gruppendynamik kommt es zu einer hohen Leistungsbereitschaft und intensiven Erfolgserlebnissen.

Damit Projekte zu einem Erfolg werden, müssen Sie als Lehrender allerdings eine Reihe von Punkten beachten. Sie werden im Folgenden in der Reihenfolge vorgestellt, wie sie im Laufe eines Projektes bedeutsam werden.

 


Projektziele und Themen müssen „Sinn“ machen!

Weitgehend selbstgesteuerte Projektarbeit setzt Motivation und Engagement voraus. Die zur Auswahl stehenden Themen sollten also für die Studierenden Sinn machen. Als Lehrender sollten Sie bei der Themensuche stark die Studentenperspektive beachten und beim ersten Treffen den Sinn des Projekts und seinen Nutzen für die Studierenden anschaulich darstellen. Versuchen Sie dann herauszufinden, ob die Studierenden „anbeißen“.  Wenn einige von ihnen Veränderungswünsche äußern und die anderen Teilnehmer dies unterstützen, sollten Sie Ihr Angebot modifizieren. Denn die Akzeptanz der Ziele und Themen ist der Schlüssel für den Erfolg des Projekts.

 


Die Studierenden wählen ein Thema und bilden Teams

Wenn der Erstkontakt zwischen dem Projekt und den Studierenden positiv hergestellt wurde, ordnen sich die Teilnehmer einem (Unter-)Thema ihrer Wahl zu. Damit bilden sich automatisch Projektteams. In der Regel sind sie erst einmal unterschiedlich groß, so dass einige Studierende zu einem anderen Team wechseln müssen. Am einfachsten ist dies zu erreichen, wenn sich die Studierenden durch „Aufstellen“ den Themen  zuordnen. Definieren Sie zum Beispiel jede Ecke des Raumes durch eines der Themen. (Sie können z.B. jeweils das Thema auf einem Flipchartbogen an die Wand heften.) Der Vorteil: Die Studierenden sehen dann selbst, welche Teams zu groß und welche unterbesetzt sind. Mancher wechselt vielleicht auch gerne in ein anderes Team, weil er dort einen Freund oder eine Freundin stehen sieht. Sie als Lehrender können das Wechseln argumentativ unterstützen. Sagen Sie, dass zu kleine Gruppen ungünstig sind, weil dann weniger Mitglieder die ganze Arbeit leisten müssen und zu große Gruppen Nachteile haben, weil die Organisation schwieriger wird und einige Mitglieder auf Sparflamme arbeiten, weil sie meinen, dass es immer noch genug Fleißige im Team gibt.

 


Ziele und Rahmenbedingungen sind jedem klar („Starterpaket“)

Wenn jeder Teilnehmer weiß, in welchem Team er oder sie zu welchem Thema arbeiten wird, stellen Sie die Ziele und Rahmenbedingungen vor. Geben Sie dazu ein Handout aus und stellen Sie dieses Dokument zusätzlich für alle abrufbar ins Portal studium plus.
Es sollte konkrete Angaben vor allem zu folgenden Punkten enthalten:

  • In welcher Form werden die Endergebnisse der Projektteams dokumentiert und präsentiert?
  • Wie werden sie bewertet/benotet (Leistungsnachweis zum Seminar)?
  • Wieviel Zeit steht den Teams wofür zur Verfügung?
  • Zu welchen Terminen finden Treffen statt: im Plenum (Hörsaal), zwischen Vertretern der Teams, zwischen einzelnen Teams und dem Lehrenden?
  • Welche Hilfsmittel und Tools stehen den Teams zur Verfügung?
    Beispiele: Texte und Webseiten als Informationsquellen, Anleitungen (z.B. zur Erstellung von Fragebogen oder zur Durchführung von Interviews), Geräte (Kamera, Moderatorenkoffer, Pinnwände usw.).
  • Wie halten die Teams Kontakt zum Lehrenden und zu den anderen Teams?

 


Alle nötigen Hilfsmittel stehen bereit

Als Lehrender sollten Sie sorgfältig überlegen, welche Hilfsmittel und Informationen Sie den Teams bereit stellen, damit diese erfolgreich am Projekt arbeiten können. Für Projekte im Rahmen von studium plus ist dies besonders wichtig, weil die Studierenden sich hier ja mit für sie fachfremden Themen auseinandersetzen müssen.

Das Portal studium plus eignet sich ideal dazu, sämtliche Informationsmaterialien und Tools für die Teams zum Download einzustellen und im Verlauf des Projekts – auch durch Rechercheergebnisse der Teams – zu ergänzen.

Zu diesem „Starterpaket“ für jedes Team gehören auch Tipps, wie man die Teamarbeit optimiert. Empfehlen Sie z.B. den Gruppen, bei der ersten Sitzung klare Vereinbarungen zu treffen, wie die Zusammenarbeit gesichert werden kann. Sensible Punkte, die es zu regeln gilt, sind erfahrungsgemäß vor allem unterschiedliche Mitarbeit und Abwesenheit bei Gruppentreffen. Bei längeren Projekten empfiehlt es sich außerdem, bestimmte Verantwortlichkeiten rotierend zu wechseln (z.B.: Wer hält den Kontakt zum Lehrenden? Wer protokolliert die Teamtreffen? Wer lädt ein? Wer kontrolliert den Fortschritt des Teams und die Termine?).

 


Während des Projekts ist der Lehrende stets informiert

Da in Projektseminaren weniger Plenumstreffen im Hörsaal stattfinden, müssen Sie andere Kommunikationsmöglichkeiten nutzen, um stets über den Stand der Projektarbeiten informiert zu sein. Es bieten sich zum Beispiel Sprechstunden, Telefonanfragen, E-Mails und/oder regelmäßige schriftliche oder telefonische Zwischenberichte an. Auf jeden Fall sollten Sie eine Hotline einrichten. Immer wenn es in einem Team Probleme gibt oder Fragen auftauchen, müssen Sie für die Teams möglichst zeitnah erreichbar sein. Sprechstunden zu festen Terminen sind dafür nicht geeignet, wohl aber Telefon und E-Mail. Stellen Sie während des Projekts sicher, dass Sie regelmäßig Ihre E-Mails lesen oder den Anrufbeantworter abhören, auch wenn Sie unterwegs sind.
Achten Sie aber bitte darauf, die Kontrolle nicht zu übertreiben. Am besten ist eine Mischung aus zuverlässiger Erreichbarkeit bei Anfragen einerseits und einer regelmäßigen begleitenden,  aber nicht misstrauisch kontrollierenden, Information über den Fortschritt der Teams andererseits. Bei Projekten liegt die Verantwortung bei den Teams. Sie als Lehrender sind „nur“ für die Bereitstellung guter Arbeitsbedingungen (attraktive Themen, Hilfsmittel, Infrastruktur usw.) zuständig.

 


Zwischen den Projektteams gibt es Kommunikation

Bei längeren Projekten macht es Sinn, dass die Teams nicht erst bei der Schlusspräsentation erfahren, wie es den anderen erging. Etwa alle 3 Wochen sollte daher ein Plenum stattfinden, in dem jedes Team berichtet, wie weit es gekommen ist, wo es Probleme oder Erfolgserlebnisse gab, welche aktuellen Dinge zu klären sind und anderes mehr. Diese Treffen haben mehrere positive Effekte: Teams helfen einander helfen und geben sich Tipps, ein besonders engagiertes Team steckt andere an, die Dimension des gesamten Projekts kommt wieder in den Blick und setzt weitere Motivation frei.

Zwischen diesen Treffen sollte laufende Kommunikation zwischen den Projektgruppen möglich sein. Auch hierfür eignet sich das Portal studium plus, weil Zwischenergebnisse jederzeit für alle lesbar eingestellt werden können. (Die Teams müssen ihre Dateien allerdings zuerst an Sie als Lehrenden schicken, weil nur sie eine Redaktionsberechtigung für das Portal haben.)

 


Arbeitsergebnisse werden präsentiert und dokumentiert

Motivierte Projektgruppen sind stolz auf ihre Arbeit. Planen Sie deshalb genügend Zeit für die Präsentationen ein. Geben Sie den Teams Tipps dazu, wie sie ihre Präsentationen optimieren können. Beamerpräsentierte Powerpointshows haben nicht nur den Vorteil, dass man sie multimedial gestalten kann (Bild und Ton und Video). Die Dateien lassen sich auch leicht im Portal für alle zugänglich machen. Es empfiehlt sich, dass man von den Teams zwei Präsentationsformen für ihre Ergebnisse verlangt: eine maximal 45-minütige Powerpointpräsentation (evtl. unterstützt durch ein gutes Handout) für den Hörsaal und eine Art Dokumentenpaket oder Skriptum als Datei im Portal. Dieses Dokumentenpaket bietet den anderen Teams ergänzend zur ppt-Präsentation vertiefende Informationen zu dem Thema, die das Team bearbeitet hat. Die Gruppen sollten wissen, dass sie keinen ungeordneten „Datenfriedhof“ abliefern sollen, sondern ein gut lesbares und geschickt zusammengestelltes Dokument.

 


Die Ergebnisse werden diskutiert und bewertet

Wenn Sie sich dafür entscheiden, von jedem Team eine Präsentation und ein ergänzendes Skriptum (siehe oben) zu verlangen, sollten Sie die Note auch für beide Leistungen – nach einer Gewichtung Ihrer Wahl – vergeben. Ihre Kriterien sollten Sie den Studierenden schon in der ersten Sitzung mitteilen.

Wenn eine Gruppe die einzelnen Anteile ihrer Teammitglieder am Ergebnis nicht eindeutig mitteilen kann, wird jeder Studierende im Team die gleiche Note erhalten müssen. (Das ist in Projekten die Regel).

Unabhängig vom Leistungsnachweis hat sich eine Art Jury-Verfahren bewährt. Nach jeder Präsentation eines Teams geben die anderen Teams ein Feedback. Besser als spontane Wortmeldungen eignet sich dafür ein einfacher kurzer Evaluationsbogen, den alle ausfüllen. Dieses Feedback sollte natürlich genau die Kategorien erfragen, die Sie auch in Ihrer Bewertung anlegen. Die Studierenden üben damit auch, wie man komplexe Leistungen kriterienorientiert bewertet.

 


Gretchenfrage: Lohnt sich der Aufwand für die Lehrenden?

Es gibt Skeptiker, die meinen, Projektseminare seien etwas für faule Dozenten: Man bereitet das Ganze ein wenig vor, lässt dann die Gruppen vor sich hin wursteln und trifft sich erst wieder zur Abschlusspräsentation im Hörsaal. Dazwischen könne der Lehrende Däumchen drehen oder sein Hobby pflegen.

Zugegeben, kein Projektseminar ist davor geschützt, dass es von einem Lehrenden zur eigenen Bequemlichkeit missbraucht wird. Sicher ist dann aber, dass dieses Seminar ein Fiasko wird und die Teilnehmer ein für alle mal für weitere Projekte nicht mehr zu gewinnen sind.

Der Aufwand für ein Projektseminar ist auf keinen Fall geringer als für die sonst üblichen Hochschulveranstaltungen, in der Regel ist er sogar höher. Vor allem ist dieser Aufwand jedoch ein qualitativ anderer Aufwand. Kurz gesagt konzentriert sich Ihr Aufwand als Lehrender darauf, die Projektteams so arbeitsfähig wie möglich zu machen und zu halten. Das beginnt bei der Themenwahl und dem Starterkit (siehe oben), führt weiter zur Betreuung während des Projekts und endet bei den Vorgaben und Rahmenbedingungen für die Ergebnispräsentation und -auswertung.

Stellen Sie sich darauf ein, dass sich trotz bester Vorbereitung immer wieder Unvorhergesehenes ereignet und von Ihnen flexibles und sensibles Reagieren verlangt. Stures Festhalten am einmal Geplanten wäre fehl am Platze.

Sie sollten sich auch immer bewusst sein, dass der „Geist“ eines Projektseminars anders ist als der einer Vorlesung oder eines Referateseminars. Die Projektgruppen übernehmen hier Verantwortlichkeiten, die in traditionelleren Veranstaltungsformen die Lehrenden wahrnehmen. Geben Sie dafür Spielraum, zwingen Sie den Teams keine Entscheidungen auf, seien sie offen für Vorschläge und Varianten, die aus den Teams heraus entwickelt werden.

Der Lohn der Mühe ist eine Veranstaltung, die für die Teilnehmer in hohem Maße bereichernd ist, weil sie Verantwortung übernehmen, gemeinsam Herausforderungen meistern und positive Erfahrungen machen werden, die ihnen in dozentengesteuerten Veranstaltungen versagt bleiben. Und als Lehrender ist man bei Projekten immer wieder überrascht, wie engagiert und kreativ Studierende sein können!