Die Entwicklung von Carbonbeton ermöglicht die Ausführung von schlanken und filigranen Bauteilen, die im Vergleich zu konventionellem Stahlbeton ein deutlich geringeres Eigengewicht aufweisen. Der Verbundbaustoff kann aufgrund seiner hohen Tragfähigkeit zudem als effiziente Verstärkungsmaß­nahme von bestehenden Stahlbeton- und Spannbetontragwerken, wie z.B. Brücken eingesetzt wer­den. Bei derartigen Konstruktionen kommt dem Einfluss von dynamischen Lasten z.B. aus Verkehrs­lasten sowie von Temperaturbeanspruchungen in der Bemessung eine entscheidende Rolle zu. Aufgrund der viskoelastischen Eigenschaften des polymeren Beschichtungsmaterials der eingesetzten textilen Carbonbewehrungen zeigt der Verbundbaustoff ein ausgeprägtes temperatur- sowie ein von dynamischen Lasten abhängiges Tragverhalten. Hiervon ist insbesondere die Dehnsteifigkeit im Zu­stand der abgeschlossenen Rissbildung zugbeanspruchter Probekörper betroffen. Zur Untersuchung der Einflüsse des Beschichtungsmaterials der textilen Bewehrung auf das Tragver­halten von Carbonbeton wird am Lehrstuhl für Massivbau eine hochmoderne experimentelle Unter­suchungsmethode aus dem Bereich der Luft- und Raumfahrttechnik eingesetzt, die als Dynamisch-Mechanische-Thermische Analyse (DMTA) bezeichnet wird. Die so gewonnenen Versuchsdaten wer­den verwendet, um Materialparameter für eine Modellierung des mechanischen Verhaltens der Bewehrung im Rahmen der linearen Viskoelastizitätstheorie zu ermitteln, um so das Zugtragver­halten von Carbonbeton besser beschreiben zu können.