Projektbesichtigungen der IRCA

Im Anschluss an die am Vormittag in der Zentrale der Straßenbaubehörde stattgefundenen Vortragsreihe wurde eine Besichtigungstour mehrerer Baumaßnahmen der Straßenbaubehörde durchgeführt. Den Anfang der Besichtigungstour bildete eine Fußgängerunterführung für Fußgänger unter der Hauptstraße, welche aus Betonfertigteilen und einer Ortbetonergänzung ausgeführt wird. Zum Bau dieser Maßnahme musste die Hauptstraße über eine provisorische Straße umgeleitet werden und die Geschwindigkeit reduziert werden.

Abbildung 1: Fußgängerunterführung aus Betonfertigteilen

Anschließend besichtigten wir eine Baumaßnahme, welches für einen besseren Anschluss und einen besseren Verkehrsfluss sorgen soll. Zu diesem Zweck wird zum einen die vorhandene Straße auf einer Länge von 1,9 km verbeitert, von jeweils einer Spur je Richtung zu jeweils zwei Spuren je Richtung, welche zur Erhöhung der Sicherheit baulich getrennt werden.  Zum zweiten wird eine Massivbaubrücke über eine vielbefahrene Hauptverkehrsader errichtet. Die Ausführung erfolgt im klassischen Bauverfahren mit einer Vor-Ort-Betonage. Im Rahmen des Brückenbaus ist es erforderlich, einen Teil des Gesteins auf einer Seite der Widerlager zu entfernen. Dies resultiert in einer signifikanten Zunahme der Vibrationen, da das Gestein zwar eine geringe Festigkeit aufweist, jedoch massiver Fels ist Somit ist es unerlässlich, die Vibrationen auf ein Minimum zu reduzieren, um eine Schädigung der Gebäude in der Umgebung zu verhindern. Diese wurden bereits zu Beginn der Arbeiten in Mitleidenschaft gezogen, da der Untergrund Verformungen aufwies. Das abgebaute Gestein wird zur Schonung der Umwelt weiter zur Betonage genutzt.

 

   
Abbildung 2: Verbreiterung der Straße von 1+1 zu 2+2

 

Abbildung 3: Massivbaubrücke über Hauptverkehrsader

Des Weiteren umfasst das Brückenprojekt den Bau einer ein Kilometer langen Zubringerstraße, um ein neu geplantes Wohngebiet mit ca. 500 Wohneinheiten zu verbinden. Die neue Straße soll unter der Geländer Oberkante errichtet werden, um die Lärm Emissionen für die Bewohner vor Ort, so gering wie möglich im späteren Betrieb zu halten. Da sich die Straße an einem kleinen Abhang befindet, wurde beschlossen, das Aushubmaterial zu nutzen, um den Hang zu erhöhen. Somit kann ein kleines Skigebiet in der Stadt als Naherholungsort errichtet werden.

 

Abbildung 4: Straßenbau mit Abhang für Skigebiet

Darüber hinaus ist die Errichtung eines Fahrrad- und Fußwegs parallel zur Hauptverkehrsader vorgesehen. Island hat sich selbst mehrere Ziele für die zukünftige Ausgestaltung der Mobilität gesetzt. Ein weiteres Ziel ist der Ausbau der Fahrrad- und Fußweginfrastruktur, insbesondere im Großraum Reykjavík. Zur Verbesserung der Anbindung ist zudem der Bau einer Brücke über einen kleinen Fluss vorgesehen. Bedauerlicherweise konnte keine Vor-Ort-Besichtigung der Bauarbeiten erfolgen, da während der Laichzeit der Lachse eine Arbeitstätigkeit im Flussbereich untersagt ist. Jedoch waren die Widerlager der Brücke bereits errichtet und es war bereits bekannt, dass die Brücke als Holzbogenbrücke konstruiert werden wird. Das Holz, der Zement und der benötigte Stahl muss hierzu importiert werden. Die Begutachtung der Wiederlager führte zur Feststellung einzelner Mängel, wie in Abbildung 6 dargestellt: aufgrund fehlerhafter Ausführung der Schweiß- und Beschichtungsarbeiten bei der Fertigung der Befestigungspunkte kann in der Konsequenz bereits jetzt die Korrosion des Metalls beobachtet werden.

Abbildung 5: Wiederlager der Fuß- und Fahrradbrücke

 

Abbildung 6: Befestigungspunkte mit fehlerhafter Ausführung

Darüber hinaus wird entlang der Hauptstraße, welche auf 2 + 2 Spuren ausgebaut wird, die Verlegung neuer Stromleitungen sowie neuer Geothermie-Leitungen vorgenommen. Die Verlegung erfolgt unterirdisch, wobei eine Isolierung zum Einsatz kommt, um den Wärmeverlust zu minimieren. Die Leitungen werden aus vorgefertigten Abschnitten von circa fünf bis zehn Metern Länge zusammengesetzt und anschließend in die Grube gelegt, wo sie vor Ort verschweißt werden. Im Rahmen des Verfüllens der Grube wird darauf geachtet, dass die Leitung zunächst mit einer feinkörnigen Gesteinskörnung umgeben ist. Das Ziel dieser Maßnahme ist die Aufnahme minimaler Verformungen sowie die Dämpfung des Bodens durch Vibrationen.