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Lehrphilosophie Masterstudium

Während die BA-Phase naturgemäß  durch die Vermittlung von Grundlagen und durch eine vergleichsweise starke Strukturierung der Inhalte geprägt war, setzen wir im MA-Studium einen deutlich anderen Schwerpunkt. Denn wir bieten Ihnen mit unseren Veranstaltungen einen Rahmen an, den Sie mehr oder weniger selbst füllen und dabei für das Gelingen Ihres Lernerfolgs letztlich selbst Verantwortung übernehmen müssen.

Es geht uns um eigenverantwortliches Studieren im besten Sinne. Wir bieten Ihnen zahlreiche Spielfelder mit vielen Möglichkeiten, fordern aber gleichermaßen ein hohes Maß an Engagement und Eigeninitiative. Neugier, aktive Mitarbeit und Verbindlichkeit sind unerlässlich, wenn Sie aus unseren Lehr- und Lernangeboten wirklich einen Nutzen ziehen möchten.

 

Wie denken wir?

Die Grundlage unserer vernetzten Betrachtungsweise von Menschen und Organisationen und ihrem jeweiligen Verhalten in sich ständig verändernden Umwelten bilden die Sozial-, Verhaltens,- Organisations- und Wirtschaftswissenschaften. Wir vertreten ein konstruktivistisches, reflektierendes und plurales Wissenschaftsverständnis, auf dessen Basis Prämissen hinterfragt, Widerspruch gewollt und auch Kontraintuitives zugelassen werden. Vereinfacht ausgedrückt: Nach unserem Verständnis sind bspw. Organisationen keine technischen Gebilde, die objektiv und nur auf eine einzige Art und Weise zu erfassen sind.

Vielmehr gibt es sehr viele Möglichkeiten, diese Institutionen und deren Praktiken zu beschreiben. Diese Beschreibungen sind nicht beliebig. Es gibt durchaus geeignetere und weniger passende, plausiblere und weniger überzeugende Analysen und Gestaltungsempfehlungen. Aber prinzipiell ist jede Perspektive aus der Logik eben ihrer Perspektive gewissermaßen "im Recht". Grundsätzlich wollen wir mit dem, was wir in Lehre, Forschung und im Rahmen von Praxisprojekten tun, einen Beitrag zur Entwicklung zukunftsfähiger und damit lernorientierter Organisationen leisten.

 

Welches Bild haben wir?

Der bekannte Humanethnologe Irenäus Eibl-Eibesfeldt, ein Schüler von Konrad Lorenz, sagte, dass jeder Mensch in dem was er tut, gut sein und dabei mit Wertschätzung wahrgenommen werden will. Etwas prägnanter könnte man vielleicht sagen, dass das Streben nach Exzellenz ein menschliches Grundbedürfnis ist.

Wir nehmen diese Erkenntnis ernst und gehen deshalb zunächst immer davon aus, dass Sie mündige Studierende sind und Leistungen erbringen wollen; und zwar prinzipiell ohne den Einsatz von Anreiz- oder Sanktionsmechanismen, sondern aus einem inneren Antrieb heraus. Wir setzen ganz bewusst und sehr konsequent bei dieser Grundanahme an, auch wenn manche Fachvertreter in den Wirtschaftswissenschaften sie als naiv bezeichnen würden. Von der klassischen Sichtweise (Menschenbild X) lassen wir uns nicht irritieren, da wir uns auf die aktuellen neurobiologischen Erkenntnisse stützen, die langsam auch in die Ökonomie Eingang finden.

 

Auf welchen Prinzipien basiert die Zusammenarbeit mit Ihnen?

Ein Studium benötigt zum Einen Frei- und Denkräume, zum anderen jedoch ein hohes Maß an Verbindlichkeit und Konsequenz - und zwar auf beiden Seiten. Johann Tikart, der ehemalige Geschäftsführer von Mettler-Toledo, einem international erfolgreichen Hersteller von Industrie- und Präzisionswaagen, prägte für diese Ambivalenz das Prinzip der harten und weichen Pole. Überzeugt davon, dass Dynamik nur zwischen zwei Potenzialunterschieden entstehen kann, installierte er in seinem Unternehmen ein System des harten Pols, innerhalb dessen im Sinne der weichen Pole alles erlaubt war.

Es war alles gestattet: zu arbeiten, wann und wie man wollte, einen Tag nicht zu erscheinen oder mehrstündige Pausen zu machen. All dies interessierte nicht. Aber eines war verboten: Die Nichteinhaltung eines Liefertermins. Die Liefertreue war der unumstößliche harte Pol. Das heißt übersetzt für unsere Professur: Wir geben einen oder ganz wenige harte Pole vor, die je nach Modul bzw. Veranstaltungsreihe anders aussehen. Für die Einhaltung dieser Pole im Sinne der Ergebnissicherung sind Sie verantwortlich, eine Rückdelegation von Problemen an die Professur ist ausgeschlossen. Jenseits des harten Pols sind Sie in jeder Hinsicht frei. Diese Prinzip ist in den letzten Jahren unter dem "Results-Only Work Environment" bekannt geworden.

Das System der harten und weichen Pole kann nur dann funktionieren, wenn man weitere Prinzipien zugrunde legt:

  • Wir ziehen Selbst- und Sozialkontrolle der Systemkontrolle vor. Denn wir sind davon überzeugt, dass - wenn man eine Gausssche Verteilung unterstellt - mind. 90% der Studierenden bestrebt sind, exzellente Leistungen zu vollbringen, und ihr Studium tendenziell nicht opportunistisch gestalten. Demzufolge ist Freiraum solange gerechtfertigt, solange die harten Pole eingehalten werden.
  • Wir haben die Erfahrung gemacht, dass sich Ihre Lernerfolge insbesondere durch das Prinzip "Lernen durch Lehren" einstellen. Wann immer es sich anbietet, fungiert die Professur somit "lediglich" als Coach und Dialogpartner - und weniger als Inputgeber.
  • Wir suchen für Sie Herausforderungen, die in der gemeinsamen Arbeit von Teams an praxisnahen Themen liegen. Bei dieser angewandten Projektarbeit spüren die Studierenden, dass es häufig anspruchsvoller ist, ein Team aufzustellen und die in ihm vorhandene Vielfalt zur Geltung zu bringen, als in konzeptioneller Hinsicht einen Weg durch die Aufgabenstellung zu finden.
  • Wir sehen uns in einem experimentellen Ansatz verpflichtet. Dies bedeutet, dass wir auch bei Lehr- und Lernveranstaltungen neue Wege gehen und mitunter auch neue harte Pole "austesten". Für uns stellen in komplexen Zeiten Experimente häufig die intelligenteren Projekte dar. Sinnvolle Experimente bestehen für uns bspw. darin, den Bewertungsprozess in Form von offenen Dialogrunden ablaufen und Elemente der Selbstbewertung nicht nur symbolisch einfließen zu lassen.