Walsperger Weltkarte 1448

 

Walsperger Weltkarte

von Andreas Walsperger [um 1415 - ?] von ca. 1448

Rom, Bibliotheca Apostolica Vaticana (Pal. Lat. 1362 B)

 

 

 

Die Weltkarte des Andreas Walsperger

 

Die in der Vatikanischen Apostolischen Bibliothek in Rom verwahrte, christlich geprägte Weltkarte - 57,7 cm breit, 75 cm hoch - wurde von dem Salzburger Benediktinermönch Andreas Walsperger [um 1415-?] um 1448 in Konstanz angefertigt. Walsperger war der Sohn eines Radkersburger Tischlers und trat 1434 in das Salzburger Benediktinerkloster St. Peter ein, das er 1442 verließ. Außer der Tatsache, dass er um 1448 in Konstanz seine Weltkarte herstellte, sind von seinem Leben keine weiteren Daten überliefert.

Es wird vermutet, dass die Karte im 16. Jahrhundert im Besitz der Fugger war. 1622 wurde sie von Herzog Maximilian I. von Bayern [1573-1651], seit 1623 Kurfürst des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, an Papst Gregor XV. [1554-1623] übergeben. 1987 wurde eine Faksimile-Ausgabe mit Erläuterungen von Edmond Pognon [1911-2007] vom Belser Verlag Zürich herausgegeben.

Die nach Süden orientierte Karte zeigt die Erde als Kreisscheibe. Der Mittelpunkt der Karte, in dem sich eigentlich Jerusalem befinden sollte, liegt weiter nördlich in der Mitte der heutigen Türkei. Alle Landmassen werden vom Ozean umgeben; nur im äußersten Süden, wo sich die Hölle befindet, reicht Afrika bis zu den die Erde umgebenden sieben Sphären der Himmelskugel. In der äußeren Sphäre befinden sich die himmlischen Heerscharen. Dann folgen nach innen die Sphären der Fixsterne, der Planeten und der Sonne. Zwischen diesen Sphären sind die Tierkreiszeichen und die Winde eingetragen.

Auf der Karte, die ein Gradnetz von 360° aufweist, sind christliche Städte mit roten Kreisscheiben, heidnische hingegen mit schwarzen markiert. Außerdem gibt es wie in der Zeitzer Weltkarte von 1470 zahlreiche, zum Teil kuriose textliche Erläuterungen in lateinischer Sprache. Am unteren Kartenrand befindet sich eine textliche Erklärung zum Gebrauch der Karte und eine Meilenleiste von 0 bis 1.800 Meilen. Der Legendentext lautet:

"Item in hac presenti figura continetur mappa mundi siue descriptio orbis geometrica, facta ex cosmographya ptholomey propor Honabiliter secundum longitudine set latitudine set diuisiones climatum. Et cum uera et in//tegra cartha nauigationis marium. Ita quod quilibet clare in ea potest videre quod miliaribus una regio uel prouincia ab alia sit situata, uel ad quam plagam, si ad orientem, occidentem, austrum vel aquilonem extensa. // Terra elenim est alba, maria viridis coloris, flumina dulcia lasurri, monta varii item. Rubra puncta sunt christianorum ciuitates. Nigra uero infidelium in terra marique existentium.
Volens igitur scire in hac presenti figura quot miliari bus una regio seu ciuitas a balia sit situata, accipe circulum et pone pedem eius ad medietatem puncti cum nomine alicuius ciuitatis in presenti figura signati. Et exiende alium // pedem ad punctum alterius ciuitatis ad placitum. Et tunc circulum sie extensum pone super scalam latam metram hic inferuis per puncta diuisa et quilibet punctus in praetaeta scala cuiusvis sit coloris dat decem miliaria thevtunica. Et nota quod unum miliare theutunicum continent in se decem milia passuum et unus passus duos pedes etc. Facta est hec mappa per manus fratris Andree Walsperger ordinis saneti benedicti de sallzburga. Anno domini 1448 in constantia."

[In der vorliegenden Figur ist eine Karte der Welt oder die geometrische Beschreibung des Erdkreises enthalten, aufgebaut auf der Kosmographie des Ptolomäus und gestaltet entsprechend der geographischen Längen und Breiten und der Einteilung von Klimaten. Und mit der wahren und // genauen Schifffahrtskarte der Meere. Und zwar so, dass ein jeder in ihr deutlich sehen kann, wie viele Meilen ein Land oder eine Provinz von der anderen entfernt ist oder in welcher Himmelsrichtung liegt, ob es sich gegen Osten, Westen, Süden oder Norden erstreckt. // Das Land ist nun weiß, die Meere grün, die Flüsse blau, die Berge verschiedenfarbig usw. Die roten Punkte sind die Städte der Christen. Schwarz aber sind die auf der Erde und am Meer lebenden Ungläubigen.
Wer also wissen will, wie viele Meilen in der vorliegenden Figur ein Land oder eine Stadt von der anderen entfernt ist, der nehme einen Zirkel und lege einen Schenkel in die Punktmitte einer mit einem Namen bezeichneten Stadt in dieser Figur. Und ziehe den anderen // Schenkel wunschgemäß zu dem Punkt der anderen Stadt auseinander. Danach stelle den so auseinandergezogenen Zirkel auf den Maßstab. Hier wird man eingeteilte Punkte abmessen, und jeder Punkt auf der abgegriffenen Tafel, sei es welcher Farbe, ergibt zehn deutsche Meilen. Und // merke, dass eine deutsche Meile zehntausend Schritte enthält, und ein Schritt zwei Fuß usw. Diese Karte wurde durch die Hände des Bruders Andreas Walsperger vom Orden des heiligen Benedikt in Salzburg angefertigt. Im Jahre des Herrn 1448 in Konstanz.]

 

Walsperger Weltkarte von ca. 1448
Faksimile-Ausgabe des Exemplars der Bibliotheca Apostolica Vaticana (Pal. Lat. 1362 B)
© 1987 Belser Verlag Zürich

 

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Genauigkeitsuntersuchung

 

Die Karte wurde am Institut für Kartographie und Topographie der Universität der Bundeswehr München überzeichnet, übersetzt und nach Norden orientiert (siehe Abbildung unten).

Die Meilenleiste (Maßstabsleiste) ist 428,1 mm lang und entspricht 1.800 Meilen. Eine Meile entspricht 7,5 Kilometern. Somit entsprechen die 1.800 Meilen der Meilenleiste 13.500 Kilometern. Daraus ergibt sich ein ungefährer Maßstab der Karte von ca. 1:31,5 Millionen.

Durch Mehrfachdeutungen sind in die Koordinatenliste 482 Punkte - Orte, Quellen und Mündungen von Flüssen, Berge, Küstenpunkte usw. - eingegangen. 95 Ortsangaben der Karte konnten nicht identifiziert werden. Von den verbleibenden 387 Punkten sind 105 unsicher, so dass in eine Genauigkeitsuntersuchung 292 Punkte einfließen können. Hierzu wurden folgende Quellen benutzt:

  • BAGROW, Leo / SKELTON, Raleigh Ashlin (1994): Meister der Kartographie. 6. Auflage. Mann, Berlin, 594 S.
    ISBN: 3-7861-1732-2
  • BARTHE, Enrique García (2001): Prehistoric Globalization – Maps that change history. Paper presented during the IVth Argentinean Congress of Americanists, carried out the 4th and 5th of October 2001, in the University of „El Salvador“ in Buenos Aires, Argentina.
  • BIBLIOGRAPHISCHES INSTITUT (Hrsg.) (1902-1908): Meyers Großes Konversations-Lexikon. Ein Nachschlagewerk des allgemeinen Wissens. 6., gänzlich neubearbeitete und vermehrte Auflage. 20 Bände. Leipzig/Wien.
  • BIBLIOGRAPHISCHES INSTITUT (Hrsg.) (1978): Die Erde. Meyers Großkarten Edition. Zum 150jährigen Bestehen der Kartographie im Bibliographischen Institut herausgegeben vom Geographischen-Kartographischen Institut Meyer unter Leitung von Adolf Hanle. In zwei Bänden. Geographisch-Kartographisches Institut Meyer, Bibliographisches Institut, Mannheim/Wien/Zürich, 87 Bl. (Atlas), 204 S. (Register).
    ISBN: 3-411-01742-2 (Atlas) / 3-411-01745-7 (Register)
  • CRONE, Gerald R. (1978): Maps and their Making. An Introduction to the History of Cartography. Dawson, Folkstone, 152 S.
    ISBN: 0-7129-0756-4 / 0-208-01724-0
  • DESTOMBES, Marcel (Red.) (1964): Mappemondes, A.D. 1200-1500. Catalogue préparé par la Commission des cartes anciennes de l'Union géographique internationale. Imago mundi, Supplement Band 4. Monumenta cartographica vetustionis aevi, Band 1. N. Israel, Amsterdam, XXXII, 322 S.
  • GALLEZ, Paul (1981): Walsperger and His Knowledge of the Patagonian Giants, 1448. In: Imago Mundi, Band 33, S. 91-93.
    ISSN: 0308-5694
  • HALLBERG, Ivar (1906): L’Extrême Orient dans la littérature et la cartographie de l’Occident dans XIIIe, XIVe, et XVe siècles. Étude sur l’histoire de la géographie. Wald Zachrissons Boktryckeri, Göteborg, 573 S.
  • HARLEY, John Brian (1988): The History of Cartography, Band I. University of Chicago Press, Chicago, XXI, 599 S.
    ISBN: 0-226-31633-5
  • KIEPERT, Heinrich (1878): Lehrbuch der Alten Geographie. Dietrich Reimer, Berlin, 544 S.
  • KIMBLE, Georg Herbert Tinley (1968): Geography in the Middle Ages. Neuauflage der Ausgabe von 1938. Russell & Russell, New York, 272 S.
  • KRETZSCHMER, Konrad (1891): Eine neue mittelalterliche Weltkarte der vatikanischen Bibliothek. In: Zeitschrift der Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin, Band XXVI, Heft 5, S. 371-406.
    ISSN: 1614-2055
    Nachdruck (1969) in: Acta Cartographica, Band VI, S. 236-272
    ISSN: 0567-7343
  • LASSEN, Christian (1867): Indische Altertumskunde. Geographie, Ethnographie und älteste Geschichte. Indische Altertumskunde, Band I. 2., vermehrte und verbesserte Auflage. L. A. Kittler, Leipzig, VII, 1034, XLIX S.
    Universitätsbibliothek Erlangen-Nürnberg - Signatur: H00/OR-III 88 a[1
  • MAYER, Wilhelm (2005): Reisen in der Antike. In: NIEDERMAYR, Hermann / SCHAFFENRATH, Florian (Hrsg.): Reisen in den Fernen Osten. Spätmittelalterliche Fernreiseberichte in lateinischer Sprache, eine Auswahl. Latein Forum, Heft 55/56.
    ISBN: 3-9501975-1-6
  • MANDEVILLE, John (1600): Reysen vnd Wanderschafften. Des Hocherfarnen vñ Weitberumpten Herrn Doctors und Gebornen Ritters / Johannis de Monteuilla auß Engellandt / so er ins gelobte Land / Indien / vnd Persien / vor 200 vnd ettlich Jahrn gethan / vnd in Lateinischer vnd Frantzösischer Sprach selbs beschrieben hatt. Allen Teutschen zu gutem / in Teutscher Sprach ubersetzet / durch Herrn Ottho von Demeringen / Thumbherrn zu Metz. Wilhelm Leutzenkirchen, Coelln, 266 S.
  • MEINE, Karl-Heinz (1983): Zur Weltkarte des Andreas Walsperger, Konstanz 1448. In: SCHARFE, Wolfgang / VOLLET, Hans / HERRMANN, Erwin (Hrsg:): Kartenhistorisches Colloquium Bayreuth '82. Vorträge und Berichte. Herausgegeben in Verbindung mit dem Arbeitskreis "Geschichte der Kartographie" der Deutschen Gesellschaft für Kartographie und dem Historischen Verein für Oberfranken. Dietrich Reimer Verlag, Berlin, S. 17-30.
    ISBN: 3-496-00692-7
  • OPPERT, Gustav Salomon (1864): Der Presbyter Johannes in Sage und Geschichte. Ein Beitrag zur Voelker- und Kirchenhistorie und zur Heldendichtung des Mittelalters. Julius Springer, Berlin, 208 S.
  • POLO, Marco (1920): The Travels of Marco Polo. Translated by Henry Yule. Edited and Annotated by Henri Cordier. In fünf Bänden. John Murray, London.
  • SIEBOLD, Jim (Hrsg.) (1998): Andreas Walsperger's world map, 1448. Late Medieval Maps 1300-1500, Slide 245. Online-Publikation.
  • SKELTON, Raleigh Ashlin / MARSTON, Thomas E. / PAINTER, George D. (1995): The Vinland Map and the Tartar Relation. Neuauflage. Yale University Press, New Haven, LXVI, 291, XVIII S.
    ISBN: 0-300-06520-5
  • STADTGEMEINDE RADKERSBURG (Hrsg.) (o. J.): Berühmte Persönlichkeiten: Andreas Walsperger. Online-Publikation, 1 S.
  • WALSPERGER, Andreas (1987): Weltkarte des Andreas Walsperger. Erläuterungen von Edmond Pognon. Faksimile-Ausgabe des Exemplars der Bibliotheca Apostolica Vaticana (Pal. Lat. 1362 B). Codices e Vaticanis selecti quam simillime expressi, Band 52. Belser Verlag, Zürich, 1 Karte, 9 S.
  • WATTERS, Thomas (1904): On Yuan Chwang’s Travels in India, 629-645 A.D.. Royal Asiatic Society, London, 401 S.
  • ZARNKE, Friedrich (1879): Der Priester Johannes. Erste Abhandlung, enthaltend Capitel I, II und III. In: Abhandlungen der philologischen-historischen Klasse der königlichen sächsischen Gesellschaft der Wissenschaften, Leipzig, Band VII, No. 8, S. 627-1030.
    Bayerische Staatsbibliothek München - Signatur: 4 Acad. 78 fa,Phil.hist.Kl.-7
  • ZARNKE, Friedrich (1883): Der Priester Johannes. Zweite Abhandlung, enthaltend Capitel IV, V und VI. In: Abhandlungen der philologischen-historischen Klasse der königlichen sächsischen Gesellschaft der Wissenschaften, Leipzig, Band VIII, No. 1. Hirzel, Leipzig, S. 1-186.
    Bayerische Staatsbibliothek München - Signatur: 4 Acad. 78 fa,Phil.hist.Kl.-8

 

Walsperger Weltkarte von ca. 1448, überzeichnet, übersetzt und nach Norden orientiert
© 2010 Kleim

 

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Walsperger Weltkarte von ca. 1448,
überzeichnet, übersetzt und nordorientiert

 

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Koordinatenliste zur Walsperger Weltkarte von ca. 1448
 

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Namengut und identifizierte unbenamte Örtlichkeiten in der Walsperger Weltkarte von ca. 1448
 

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