zugriffsverfahren

Zugriffsverfahren Geo­informationen ISO/OGC-Normen

Projektpartner: ESG, AGIS (UniBW München) und Open Geospatial Consortium Europe (OGCE).

Laufzeit: 23.12.2005 bis 31.10.2006

Die nichttechnische Studie „Zugriffsverfahren Geo­informationen ISO/OGC-Normen“ wurde im Auftrag des Zentrums für Transformation der Bundeswehr in der Zeit vom 23.12.2005 bis 31.10.2006 von der ESG als Hauptauftragnehmer sowie der Arbeitsgruppe GIS (AGIS) der Universität der Bundeswehr München (UniBwM) und dem Open Geospatial Consortium Europe (OGCE) als Unterauftragnehmern durchgeführt. Auf­gabensteller ist das Amt für Geoinformationswesen der Bundeswehr (AGeoBw), De­zernat Geoinformatik.

In der Bundeswehr werden zur Erfassung, Recherche, Analyse und Bereitstellung von GeoInfo-Daten unterschiedlichste IT-Systeme eingesetzt. Es galt lange Zeit als schwierig und aufwendig, Informationen zwischen IT-Systemen verschiedener Her­steller auszutauschen oder in organisationsweite Lösungen zu integrieren. Inzwi­schen können Systeme unterschiedlichster Hersteller in gemeinsamen Geodateninf­rastrukturen (GDI) integriert werden, interoperabel kommunizieren und mit Web Ser­vices Informationen im Internet oder Intranet austauschen. Eine wesentliche Voraus­setzung für den Einsatz von GDI ist die Nutzung von Normen und Standards für den interoperablen Datenaustausch.

Die Bundeswehr fordert zunehmend ISO/OGC-Kompatibilität. Jedoch zeigen sich in der Praxis derzeit noch Schwierigkeiten in der Umsetzung. Dies liegt u. a. in der hierfür nötigen Umstellung von IT-Systemen begründet, die vor den Standardisie­rungsaktivitäten und –vorgaben eingeführt wurden. Weitere Gründe sind die Lang­samkeit von Standardisierungsprozessen entgegen der raschen Verfügbarkeit neuer Technolgien und die noch unzureichenden Möglichkeiten zur Überprüfung und Zerti­fizierung der eingesetzen Herstellersysteme.

Ziel der Studie ist vor diesem Hintergrund die Ermittlung und Bewertung der für mili­tärische Zwecke relevanten ISO-Normen und OGC-Standards sowie der Verfahren zur Zugriffssteuerung auf GeoInfo-Daten bei vorhandenen und geplanten IT-Syste­men der Bundeswehr.

Im ersten Teil der Studie wird eine zusammenfassende Übersicht und Erläuterung zu bestehenden Standards des OGC (Open Geospatial Consortium) und der Normen der ISO (International Organization for Standardization), insbesondere ISO/TC211 für Geoinformation, gegeben. Unter Berücksichtigung der spezifischen Anforderun­gen des Geoinformationsdienstes der Bundeswehr (GeoInfoDBw), der bereits beste­henden Initiativen innerhalb der Digital Geospatial Information Working Group (DGIWG) und der im Rahmen der NATO Core Geospatial Integration Services defi­nierten Anforderungen, wird eine Analyse und Bewertung bestehender und aktuell entwickelter Standards für den Zugriff und Austausch von GeoInfo-Daten und deren Metadaten in einem militärischen Kontext vorgenommen.

Im zweiten Teil der Studie wird eine Bestandserfassung und Analyse der beim GeoInfoDBw im Einsatz befindlichen oder geplanten IT-Sys­temen zur Bereitstellung und Weiterverarbeitung von GeoInfo-Daten sowie einem GeoInfo-Daten nutzenden IT-System durchgeführt. Es werden folgende 6 Systeme, die in Abstimmung mit dem Auftraggeber festgelegt wurden, bezüglich der vorhandenen Zugriffsmöglichkeiten bewertet sowie Maßnahmen für die Umstellung auf ISO/OGC-kompatible Lösungen vorgeschlagen:

·       GeoInfoPortal (Konzept)

·       ZARA (Zentrales Archivierungs- und Auskunftssystem, im Einsatz)

·       FüInfoSysSK (Streitkräftegemeinsames Führungsinformationssystem, in Entwicklung)

·       KODA (Programmsystem zur konsistenten Datenmodellierung, im Einsatz)

·       U-VKN (WebInterface-Vektorbasisdaten/Teil Verkehr, fachliches Grobkonzept)

·       NinJo (Grafiksystem zur Bereitstellung meteorologischer Daten, im Einsatz)

Die IT-Systeme GeoInfoPortal und ZARA werden dabei ausführlicher untersucht und dargestellt. Das GeoInfoPortal soll zukünftig als Vermittler zwischen Nutzern von Geodaten und verschiedenen IT-Systemen, die Geodaten bereitstellen, fungieren. Dabei interagieren verschiedene Nutzergruppen über Benutzerschnittstellen (Clients) mit dem Portal und somit mit den zu integrierenden Geodiensten (Services).

Die Ergebnisse der Studie lassen sich in folgenden Kernaussagen zusammenfas­sen:

1.      Der GeoInfoDBw wird zukünftig verstärkt nationale und internationale, einge­stufte Systeme online mit GeoInfo-Daten und -Produkten versorgen. Damit wer­den hohe Anforderungen an die Bereitstellung von GeoInfo-Daten aus verteilten Quellen über einen zentralen web-basierten Zugang sowie an die Interoperabili­tät mit IT-Systemen der Bundeswehr und ihrer Verbündeten gestellt.

2.      Das OGC definiert in den Implementierungsspezifikationen Schnittstellen für den interoperablen Zugriff auf Geodaten. Durch die enge Zusammenarbeit mit ISO haben diese Standards zusätzlich an Bedeutung gewonnen. Manche dieser Standards haben bereits den Rang einer verbindlichen ISO-Norm erhalten, an­dere werden folgen.    

3.      Zivile Normen und Standards für Geoinformation von ISO und OGC erfüllen die Anforderungen aus dem nationalen und internationalen Umfeld und sind direkt übertragbar auf militärische Anwendungen im GeoInfoDBw.

4.      Für den Einsatz im militärischen Umfeld sind zur Zeit vor allem folgende Spezifika­tionen geeignet:

-         Web Map Service (WMS) mit Attributabfrage, Styled Layer Descriptor (SLD) und Web Map Context (WMC)

-         Web Feature Service (WFS) mit Filter Encoding und Unterstützung von GML Version 3.2 und höher

-         Web Coverage Service (WCS) mit Unterstützung von unregelmäßigen Rastern

-         Catalogue Service (CAT) mit Unterstützung von ISO 19115 und 19115-2 für Metadaten sowie ISO 19110 für Kataloge (z.B. ISO 19126)

5.      Die vorgeschlagenen ISO-Normen und OGC-Standards werden in den untersuch­ten 6 IT-Systemen bisher kaum eingesetzt, sind aber teilweise geplant.
In der nachfolgenden vereinfachten Übersicht wird aufgezeigt, in welchen der untersuchten IT-Systemen die vorgeschlagenen Standards

-         z. Zt. teilweise bzw. vollständig unterstützt werden bzw. in der aktuellen Kon­zeption geplant sind,

-         nicht relevant sind oder

-         deren zukünftige Implementierung in Hinblick auf die Online-Versogung mit GeoInfo-Daten über standardisierte Zugriffsverfahren gefordert werden müssen.