Dissertation Stürmer

 

Qualitätsgesicherter Aufbau digitaler Netzdokumentation -

Möglichkeiten, Grenzen und Risiken

von Prozessorientiertem Qualitätsmanagement (PQM)

 

Verfasserin:  Simone STÜRMER

Elektronische Dissertation, Universität der Bundeswehr München, Fakultät für Bauingenieur- und Vermessungswesen, Neubiberg, 2007.

Deutsche Geodätische Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Reihe C, Heft Nr. 615. Verlag der Bayerischen Akademie der Wissenschaften in Kommission beim Verlag C. H. Beck, München, 2008, 235 S.
ISBN:  3-7696-5054-9
ISSN:  0065-5325

 

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Promotionsausschuss:

Vorsitzender:


1. Berichterstatter:


2. Berichterstatter:
 

Tag der Einreichung:
Tag der mündlichen Prüfung:

Univ.-Prof. i.R. Dr.-Ing. Wilhelm Caspary
Universität der Bundeswehr München

Univ.-Prof. Dr.-Ing. Wolfgang Reinhardt
Universität der Bundeswehr München

Univ.-Prof. Dr.-Ing. Matthäus Schilcher
Technische Universität München

06.06.2007
11.12.2007

 

 

 

Zusammenfassung
 

Bei allen End- und Versorgungsunternehmen (EVU) stellt die Netzdokumentation mit den digitalen Netzinformationen eine bedeutungsvolle Datenbasis für eine Vielzahl an Aufgabenstellungen und Anwendungen im gesamten Unternehmen bereit. Die Qualität der Daten ist dabei von entscheidender Bedeutung. Die Entscheidungen, die unter Verwendung von raumbezogene BM-Geodaten getroffen werden, können nur so gut sein wie die Daten selbst. Durch die vermehrte Nutzung der digitalen Netzinformationen in den Unternehmen rücken die Gewährleistung der Datenqualität und die Effizienz der Bereitstellung in den Vordergrund, auch wenn der Fokus nach wie vor eher technischen Herausforderungen, wie der Systemintegration gilt. Die Erfassung der raumbezogenen BM-Geodaten in einem Netzinformationssystem (NIS) ist als Produktionsprozess zu sehen, dessen Ergebnis das Produkt BM-Geodaten ist. An den Produktionsprozess gebunden ist eine Kunden- Lieferanten-Beziehung EVU-intern und extern mit Dienstleistungsunternehmen der Datenerfassung.

Die Ausführungen dieser Arbeit konzentrieren sich auf die Konzeption geeigneter Qualitätsmodelle, Prüfverfahren und –methoden für die Datenproduktion der digitalen Netzdokumentation sowie die Untersuchung von Managementmethoden und Möglichkeiten zum Controlling der Prozesse. Das Zusammenwirken aller Komponenten bildet die Basis für ein dauerhaftes Prozessorientiertes Qualitätsmanagement (PQM) in der digitalen Netzdokumentation. Entscheidende Faktoren sind hierfür die konsequente Ausrichtung auf die Prozessorientierung und die Festlegung von Zielvereinbarungen zum Qualitätsmanagement. In die konzeptionellen Betrachtungen wurden sowohl strategische Überlegungen für eine Ablauforganisation eingebunden als auch Aspekte einer QS-unterstützenden Systemumgebung und ebensolcher NIS-Funktionalitäten. Dem Standard der DIN EN ISO 9000 ff. folgend, werden neben diesen Managementmethoden auch andere Managementsysteme beschrieben und in die Konzeption eingebunden. Ein Beispiel dafür ist die Balanced Scorecard (BSC).

Das Qualitätsmodell für das Produkt BM-Geodaten ist an die DIN EN ISO 19113 angelehnt und wie das beschriebene Metadatenkonzept jedoch streng an den konkreten Zielsetzungen des PQM orientiert, die Qualität der BM-Geodaten im Produktionsprozess sicherzustellen und einen Nachweis der Datenprüfung im NIS zu führen. Als Voraussetzung für sachlich begründete Entscheidungen zwischen Kunden und Lieferanten ist die Festlegung von qualitativen und quantitativen Qualitätskriterien zu sehen. Die quantitative Fehlerbewertung erfolgt mit Hilfe von Qualitätsmaßen, die unter Verwendung der Fehler-Möglichkeits- und Einflussanalyse (FMEA) ermittelt wurden. Die Qualitätsmaße drücken eine max. zulässige Fehlerrate [in %] aus und sind als Schwellenwerte die Basis für die Entscheidung des Kunden, ob gelieferte Daten angenommen oder zurückgewiesen werden. Die Registrierung der produktionsbedingten Fehler (bzw. der erfolgten Korrekturen) erfolgt auf Seiten des Kunden bei der Qualitätssicherung (QS), indem entsprechende Metadaten für jede Instanz erfasst werden. Mit Hilfe des Metadatenreports können dann Ist- und Sollwerte für jede Objektklasse und jedes Qualitätskriterium gegenübergestellt und bewertet werden. Für die Entscheidung der Annahme oder Ablehnung wird zusätzlich jeweils eine qualitative Fehlerbewertung hinzugezogen, die die Fehler nach ihrem Korrekturaufwand und potentiellen Folgekosten gewichtet.

Für die Prozessqualität wurde ein mehrstufiges Vorgehensmodell konzipiert, das einen Übergang von der Ersterfassungsphase in die permanente Aktualisierung (TP Fortführung) der BM-Geodaten erlaubt und entsprechenden Spielraum für die Adaption anderer bzw. veränderter Bedingungen ermöglicht. In einem iterativen Wirkungskreislauf werden Anforderungs-, Fehler- und Verbesserungsmanagement verknüpft, wobei Kommunikation und Dokumentation die verbindenden Faktoren sind sowie als Katalysatoren wirken sollen. Die Funktionen des Wirkungskreislaufes beschränken sich bei der Ersterfassung zunächst auf die Überwachung und Messung der „gelieferten“ Datenqualität. Die Analyse und Bewertung konzentrieren sich hauptsächlich auf das Produkt und den Lieferanten sowie die zeitnahe Umsetzung von Verbesserungen. Erst durch das regelmäßige Feedback der Nutzer am Ende dieses Prozesses werden Kriterien zur Prozessqualität registrierbar, messbar und analysierbar. Die Überwachung des kontinuierlichen Prozesses Fortführung erlaubt nun die Ermittlung von Qualitätskennzahlen für die Prozesse und entwickelt sich zu einem Controlling. Ziele dieses Controllings sind der Nachweis der Wirksamkeit des PQM, kontinuierliche Verbesserungen und damit die Steigerung der Effizienz.

Anforderungen der Anwender und die strategischen Zielsetzungen erfüllen. Die Prüfverfahren müssen sowohl für die Datenerfassung im TP Ersterfassung als auch im TP Fortführung geeignet sein bzw. eine Adaptierung erlauben. Wichtige Kriterien sind hierbei auch ein entsprechender Handlungsrahmen für den Kunden, um eine präventive und nachhaltige Wirkung von konkreten Maßnahmen zur Verbesserung der Qualität erzielen zu können. Die Qualitätskontrolle (QK), die meist „außer Sichtweite“ beim Lieferanten stattfindet, wird hier Bestandteil des PQM. Klar formulierte Erwartungen und konkrete QM-Vorgaben des Kunden EVU, die von vornherein das gesamte PQM in ihrer Zielsetzung für alle Beteiligten verbindlich gestalten, fokussieren die Bestrebungen auf eine gemeinsame Aufgabe. Die konkreten QM-Vorgaben, Erfassungsregeln, Vorgaben zur Prüfung und anderen Festlegungen sind in entsprechenden QM-Dokumenten jedem Beteiligten in aktueller Form zur Verfügung zu stellen. Die Dynamik der Prozesse und die komplexe Kommunikation stellen besondere Anforderungen an die Dokumentation allgemein. Für die Methoden der Datenprüfung ist ein hoher Automatisierungsgrad anzustreben, um den beträchtlichen Aufwand einer manuellen Prüfung zu minimieren. Für die semantische Konsistenzprüfung in Netzanwendungen müssen in der Regel entsprechende Prüfroutinen bzw. Programme erst entwickelt werden, da sie nicht Bestandteil der Systemausstattung eines NIS sind. Eine eindeutige und klare Festlegung des notwendigen Umfangs der Datenprüfung auch in dem hier beschriebenen Anwendungsfall ist schwer. Auf Grund der sehr hohen Anwenderanforderungen wurde die Entscheidung getroffen, dass nur eine vollständige Prüfung (100%) aller BM-Geodaten die Erfüllung der Qualitätsziele des
PQM sicherstellt.

An einem Beispiel wird die Einführung und Umsetzung des konzipierten PQM für die digitale Netzdokumentation in der Sparte STROM aufgezeigt, Zusammenhänge in der Ablauforganisation und gewonnene Erkenntnisse abgebildet. Die Wirksamkeit eines PQM zeigt sich in der Umsetzung und Beherrschung der Prozesse sowie in der erfolgreichen Erfüllung von Zielvereinbarungen und qualitätsrelevanten Anforderungen. Im vorliegenden Fall wird die Durchführbarkeit und Wirksamkeit eines PQM in der digitalen Netzdokumentation im Rahmen einer Fallstudie untersucht und abschließend bewertet.

 

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