Rückblick Breunig

Rückblick 2001 von R. Breunig

4. Seminar „GIS im Internet/Intranet" vom 21. bis 23. Mai 2001 an der Universität der Bundeswehr München

Gut 100 Teilnehmer aus der gesamten Bundesrepublik, aus Österreich, aus der Schweiz, aus Ungarn und aus Griechenland waren der Einladung zum 4. Seminar "GIS im Internet/Intranet" gefolgt, das unter der Leitung von Univ.-Prof. Dr.-Ing. W. Reinhardt wiederum gemeinsam von der Arbeitsgemeinschaft Geoinformationssysteme (AGIS) der Universität der Bundeswehr München (Professur für Ingenieurgeodäsie - Prof. Caspary/Professur für Geoinformatik - Prof. Reinhardt) und der ENSECO GmbH, München, veranstaltet wurde.

Wie in den vergangenen Jahren ging dem eigentlichen Seminar ein halbtägiges Tutorial „Internet - Basiswissen“ voraus, in dem die AGIS-Mitarbeiter L. Koppers und S. Seeberger die technischen Grundlagen des Internet und des World Wide Web kompakt und kompetent vermittelten.

Dem Eröffnungsvortrag von Prof. Dr.-Ing. D. Grünreich, Bundesamt für Kartographie und Geodäsie, Frankfurt, über den Aufbau einer nationalen Geodateninfrastruktur und ihre Nutzung in der Bundesrepublik Deutschland folgten 20 Seminarbeiträge, thematisch gegliedert in die 6 Blöcke:

  • „Neue Technologien“
  • „Standards in action“ 
  • „Aufbau von 3D-Stadtmodellen“
  • „Von Daten zu Informationen - Gis-Daten im Internet“
  • „Von GI-Systemen zu GI-Services“
  • „Positionsgebundene GIS-Dienste“.


Unverkennbar spiegelt dieses Themenspektrum die Wandlung von Geo-Informations-Systemen als Werkzeuge für Spezialisten hin zu (ortsbezogenen) Geo-Informations-Services wider, die (auf der Basis von Mobilfunktechnologien) zukünftig für jedermann verfügbar sein werden.

Im Block „Neue Technologien“ gab zunächst Dr. G. Teege, TU München, Institut für Informatik, mit seinem Vortrag Geodaten im Internet: Geo-Portale und verwandte Ansätze einen Überblick über die Entwicklung von der offline Nutzung von Geo-Informationen über die verschiedenen Ausprägungen der online-Zugriffe auf Geo-Daten mittels Internet (Geodatenserver, Geo-Datawarehouse, Internet-Mapserver, interoperable Geodatennutzung) bis zum Geoportal als Umgebung für die interoperable Nutzung von Daten und Diensten. E. Löhnert, Fa. IfEN GmbH, Neubiberg, präsentierte und klassifizierte danach die derzeit verfügbare Hardware für mobile GIS-Dienste und zeigte Ansätze für eine „All-In-One-Solution“ auf, d.h. die Integration von Ortungs-, Navigations- und Kommunikations--Sensoren und Modulen in einem einzigen Gerät. Damit soll im Rahmen des EU-Programms ASTRON in einem gemeinsamen Projekt (VISPA - Virtual Sport Assistant) der AGIS und der FA. IfEN die Machbarkeit eines mobilen, digitalen Führers für Bergsteiger/-wanderer demonstriert werden (s.a. Block „Positionsgebundene GIS-Dienste“).

Die bessere Nutzbarkeit von Geodaten erfordert Normen und Standards. Im Block „Standards in action“ stellte C. Portele, Fa. interactive instruments GmbH, Bonn, die wichtigsten Normen bzw. Normenentwürfe der ISO 19100er Familie vor und berichtete in Erfahrungen bei der Anwendung von GI-Normen in der Praxis über den Nutzen und über die Probleme bei der ISO-konformen Modellierung von ALKIS. Dr. U. Voges, Fa. Conterra GmbH, Münster, erläuterte die Geodateninfrastruktur (GDI) Nordrhein-Westfalens, die Rolle der OGC-Catalog-Services undderen Implementierung anhand der auf dieser Basis realisierten Geo-Suchmaschine terraSeek. Dr. G. Joos und Shi Wei, beide AGIS, rundeten mit ihrem Ausführungen zur praktischen Anwendung der Geography Markup Language (GML) diesen Themenblock ab.

Daß GIS-Dienstleistungen auch in der Praxis nicht nur auf zwei Dimensionen beschränkt sein müssen, demonstrierten im Block „Aufbau von 3D-Stadtmodellen“ „Pioniere“ auf diesem Gebiet wie W. Bauer, Stadtmessungsamt Stuttgart, in 3D-Stadtmodelle - Anforderungen, Aufbau und Nutzen, Dr. U. Jasnoch, Frauenhofer Institut für Graphische Datenverarbeitung, Darmstadt, in 3D-Stadtmodelle, ein Überblick über mögliche Ansätze, L. Koppers, AGIS, in Modellierung von 3D-Stadtmodellen sowie Prof. C. Boytscheff, FH Konstanz, Fachbereich Architektur und Gestaltung, in Nutzung von 3D-Stadtmodellen auf umfassende und eindrucksvolle Weise.

„Es gibt (im Grunde) keine Probleme mir der Technik, keine unüberwindbaren Probleme mit der Software, aber die kommunalen Arbeitsweisen der effizienten Technik anzupassen wird noch einige Probleme verursachen.“ So lautete das Fazit von Dr. B. M. Schmitt, Stadt Würzburg, am Ende seines Vortrags GIS Internet/Intranet Nutzung in Kommunen (Block „Von Daten zu Informationen - GIS Daten im Internet“), mit dem er die aktuelle kommunale Situation auf diesem Gebiet beleuchtete und in dem er am Beispiel der Stadt Würzburg deren Weg zu e-Government und zum virtuellen Rathaus schilderte. Wie hilfreich ein Blick über die Grenzen hinaus sein kann, machten Dr. B. Rauchenschwandtner, Magistrat Salzburg, der die Erfahrungen mit dem Salzburger WebGIS im Umfeld von e-Government darstellte und M. Riedl, Amt der Tiroler Landesregierung, Innsbruck, mit dem erfolgreichen Rückblick auf 10 Jahre Tiroler Raumordnungs-Informationssystem tiris als regional vernetzte räumliche Wissensbasis deutlich. Die Verknüpfung der Geobasisdaten ALK und ATKIS sowie die Integration verschiedener Planungsmaßnahmen eröffnen am Beispiel der Stadt Rodgau für Prof. J. Follmann, FH Darmstadt, Fachbereich Bauingenieurwesen, als weitere Nutzungsmöglichkeit von GIS im Internet neue Chancen zur Beteiligung verschiedener Stellen am Planungsprozeß.

Als Einführung in den Block „Von GI-Systemen zu GI-Services“ befaßte sich K.H. Gerl, Fa. ENSECO GmbH, München, in seinem Vortrag Vom GIS Projekt zum Internet Serviceanbieter nicht nur mit den Auswirkungen des Internet auf GIS, auf die GIS-Industrie und auf die GIS-Anwender, sondern plädierte vehement dafür, die Chancen zu erkennen, die sich den heutigen Datenhaltern mit dem Aufbau von GI-Services bieten und sie als Content- und Service-Provider zu nutzen. Die Frage, warum ASP (Application Service Providing) jetzt ein Markt wird und wie dieser die Entwicklung von GIS-Anwendungen beeinflußt, beantwortete H. Fischer, ENSECO GmbH, München, in dem Beitrag GIS beim ASP - alter Wein in neuen Schläuchen ? F. Glanert, EWE AG, Oldenburg, beschrieb danach das Portfolio von GIS Dienstleistungen der EWE Aktiengesellschaft auf dem ständig dem Wandel unterworfenen GIS-Dienstleistungsmarkt und die Erfahrungen, die in der Praxis damit gemacht wurden. Mit einer Lösung für das Durchleitungsmanagement auf der Basis geographischer Netzdaten (Gasnetzkarte) als weiteres Beispiel für einen GIS-basierten Internet Service beendete J. Focke, GE Smallworld Deutschland, Hallbergmoos, diesen Themenblock.

Der Block „Positionsgebundene GIS-Dienste“ schloß den Themenkreis des Seminars, indem er, an den ersten Themenblock anknüpfend, Zwischenergebnisse derzeit laufender Entwicklungen nachhaltig und beeindruckend vermittelte. Ortsbezogene Mehrwertdienste mit automatischer Ortung im kommerziellen Einsatz am Beispiel des Mobilguide Mobilkom Austriawaren Thema von S. Heimerl, Fa. mecomo AG, Unterschleißheim. Vertiefende Erläuterungen zu VISPA (Virtual Sport Assistant), Prototyp eines mobilen, positionsbezogenen GI-Service für Bergsteigergab F. Sayda, AGIS. Die Kartendarstellung, neben Ortung und Navigation ein weiteres grundlegendes Element ortsbezogener Dienste behandelte S. Uhlirz, TU Wien, Institut für Kartographie und Reproduktionstechnik, in ihrer PräsentationLoL@ - Kartographische Beiträge zu einem Location Based Service.

Auch in diesem Jahr ist es den Veranstaltern gelungen, ein hochinteressantes Vortragsprogramm mit hochaktueller Thematik zusammenzustellen. Die Referenten bestachen ausnahmslos durch Kompetenz und bester Präsentation ihrer Vorträge. Souverän moderierten abwechselnd Prof. Dr. Ing. W. Caspary und Prof. Dr. Ing. W. Reinhardt die Themenblöcke. Der gegenüber den Vorjahren geringfügig reduzierte Programmumfang wirkte sich äußerst positiv aus, standen die Vortragenden dadurch doch weniger unter Zeitdruck und blieb den Zuhörern damit mehr Zeit zu fachlichen Diskussionen.

Den Erfolg einer solchen Veranstaltung macht auch deren Management aus. Dieses war perfekt, was in erster Linie Frau Dipl. Ing. K. Leukert und Frau G. Pietzner zu danken ist.

Dies alles zusammen und dazu der Seminarort in grüner Umgebung unter weiß-blauem Himmel machten das Seminar zu einem uneingeschränkt gelungenen GIS-Event, dessen Fortsetzung im nächsten Jahr man erwartungsvoll entgegensieht.

R. Breunig, Sinsheim-Reihen

 


 

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