Übersicht

Erforschung der Erfolgsfaktoren bei internationalen Großprojekten.

Ein aktueller Forschungsschwerpunkt des Lehrstuhls im Bereich Projektmanagement sind die Erfolgsfaktoren in internationalen Großprojekten. Großprojekte stellen für Unternehmen eine enorme Herausforderung dar. Es gibt reichlich fachliche Experten und auch sehr viel Wissen und Erfahrung im Projektmanagement. Aber dennoch scheitern immer wieder internationale Großprojekte zur Überraschung vieler Beteiligter. Scheitern bedeutet in diesem Zusammenhang, dass die Projekte entweder den Zeit-/ Kostenrahmen nicht einhalten, oder die Ergebnisse nicht den Ansprüchen von Kunden/ Unternehmen genügen.

Ein neuer Forschungsansatz setzt auf die Analyse erfolgreich in der Praxis durchgeführter Großprojekte zusammen mit den Verantwortlichen. Dabei standen 14 internationale Großprojekte Pate, die in den letzten 19 Jahren durchgeführt wurden. Durch die Anwendung und Umsetzung moderner Ansätze, wie beispielsweise des radikalen Konstruktivismus gelingt es die Erfolgsfaktoren klarer zu bestimmen. Dabei wird nicht versucht, eine objektive Wirklichkeit zu finden, sondern die erlebte Wirklichkeit als eine soziale Konstruktion zu betrachten. Aus der Analyse entstand ein Framework, das die Grundstruktur der Erfolgsfaktoren bildet.

Das Framework gliedert sich in die Bereiche interner (Projekt interner) und externer Faktoren. Die internen Faktoren bilden die 4 Schlüsselkompetenzen, die im Projektteam abgebildet werden. Dabei handelt es sich um die Faktoren:

  • Personalkompetenz
  • Sozialkompetenz
  • Projektmanagementkompetenz
  • Lösungskompetenz

Die externen Faktoren, orientiert an der Projektumwelt, können wiederum in firmeninterne und firmenexterne Faktoren unterschieden werden. Die Kenntnis der firmenexternen Faktoren spielt zwar auch eine wichtige Rolle, wird aber wegen ihrer geringen Beeinflussbarkeit an dieser Stelle noch nicht weiter betrachtet.

Die firmeninternen Faktoren hingegen haben eine wesentliche Bedeutung, da durch die Art und Weise, wie das Projekt in das Unternehmen eingebunden ist, der Erfolg mit gestaltet werden kann. Leider werden diese Faktoren gerade bei größeren Unternehmen oft vernachlässigt, obwohl auch dort der Unternehmenserfolg von Projekterfolg abhängt. Aber gerade dort zerstören oft wenige fehlgeschlagene Projekte den Gewinn zahlreicher anderer erfolgreicher Projekte.

Die firmeninternen Faktoren gliedern sich in:

  • Personal
  • Erfolgsanreize
  • Unternehmensverankerung
  • Unternehmensunterstützung
  • Klarheit
  • Projektnutzen

Die entscheidenden Grundlagen der einzelnen Faktoren wurden in Thesen zusammengefasst, abgeleitet aus den bisher analysierten Erfolgen. Mit der Vergabe der Studienarbeiten/Diplomarbeiten soll die eine tiefer gehende Strukturierung, Analyse und Beschreibung der Faktoren vorangetrieben werden. Dabei stellen die Arbeiten sowohl eine Tiefenbohrung als auch ein Zusammenhangsanalyse dar. Dabei soll einerseits die Verifikation der Thesen erfolgen, andererseits kann jedes Element nur im Zusammenhang betrachtet werden. Daher ist der Austausch in Workshops zu verschiedenen Aspekten vorgesehen.

Bevor eine Übertragung zurück in die Praxis erfolgen kann, soll ein formaler Weg der Beschreibung der Erfolgsfaktoren beschritten werden. Dabei wird versucht, aus einer Vielzahl von projektrelevanten Kennzahlen, diejenigen zu bestimmen, die den Erfolgsfaktor am besten beschreiben und auch quantitative Aussagen zulassen.

Bisherige Kennzahlen, soweit sie überhaupt Anwendung finden, beschreiben in der Regel sehr gut die Historie, sind aber weniger gut geeignet, die weitere Entwicklung zu beschreiben. Hierbei soll der Blick mehr auf die Zukunft ausgerichtet sein, d.h. die Kennzahlen sollen eine möglichst gute Vorhersagequalität für die weitere Projektentwicklung liefern.

Neben diesem theoretischen Anteil wird im Rahmen der Diplomarbeit die Möglichkeit gegeben, die gewonnenen Erkenntnisse in Zusammenarbeit mit der Firma Siemens in Live Projekten zu erproben. Zusammen mit der Geschäftsleitung in München Perlach werden Projekte ausgesucht, wo die einzelnen Faktoren als kritisch angesehen wird. An Hand von Projektberichten und Interviews mit dem Projektleiter erfolgen über einen längeren Zeitraum Statusbestimmungen mit Hilfe der neuen Kennzahlen. Insbesondere von Interesse ist die Beobachtung und Analyse von Veränderungen. Dies soll in enger Zusammenarbeit mit dem Projektteam erarbeitet werden. Dabei können kurzzeitige Reisen zu den Projektorten möglich werden, um sich selbst ein möglichst genaues Bild machen zu können.

Bei dieser Aufgabe werden die Studenten von ihren Betreuern angeleitet, um so auch in der Kürze der Zeit, zu entsprechenden Teilergebnissen zu kommen. Diese wiederum werden im Team zusammen beurteilt, Handlungsoptionen simuliert und besprochen und gemeinsam Handlungsempfehlungen an die Projekte ausgesprochen. Die Wirkungen auf die Projekte werden untersucht und Ursachen für Veränderungen erforscht. Durch diese iterative Vorgehensweise soll der entsprechende Faktor in den Projekten verbessert werden, die Erfolgswahrscheinlichkeit des Projektes erhöht werden. Die entsprechende Auswertung macht einen wesentlichen Teil der Arbeiten aus.

Als zusätzlichen Benefit erhält der Studienarbeiter/Diplomand einen Einblick in das Projektgeschehen in einem Großunternehmen und wie das Unternehmen die Projekte führt. Dazu arbeitet er temporär im Managementteam der Geschäftsleitung mit.

Angebotene Themen:

Harald Hagel

Institut für Softwaretechnologie
Fakultät für Informatik
Universität der Bundeswehr München
85577 Neubiberg

Büro: Gebäude 41/400, Raum 2403

Tel: +49 (89) 6004-3775
Fax: +49 (89) 6004-4447
E-Mail: Harald.Hagel@unibw.de