Beurteilung von Bachelor- und Masterarbeiten

Beurteilung von Bachelor- und Masterarbeiten


Allgemeine Hinweise

Bei der Beurteilung von Bachelor- und Masterarbeiten wird die Arbeit unter fünf Aspekten einzeln bewertet, die jedoch nicht gleichgewichtig sind. Das verschiedene Gewicht wird dadurch berücksichtigt, dass für die einzelnen Aspekte verschieden hohe Punktzahlen zur Verfügung stehen:

Aspekt Punktzahl
Schwierigkeitsgrad 0 - 6
Originalität 0 - 8
wiss. Arbeitstechnik 0 - 10
Stil 0 - 4
Form 0 - 3
Summe 0 - 31

In den Hinweisen zu den einzelnen Aspekten (Nr. 1 - 5) ist jeweils zunächst ein Standard definiert, dem eine mittlere Punktzahl entspricht. Dann folgen Gesichtspunkte, die eine Erhöhung (+,++) oder eine Erniedrigung (-,--) dieser Punktzahl rechtfertigen können. Dabei kennzeichnet ++ (--) Gesichtspunkte, die bei Vorliegen entsprechender Umstände auch stärker berücksichtigt werden können. Die Gesamtzahl ergibt sich durch Addition der einzelnen Punktzahlen.


Notenstufen

Die Note wird in folgender Weise festgesetzt:

  1. Arbeiten, bei denen für wissenschaftliche Arbeitstechnik, weniger als 4 Punkte oder für die wissenschaftliche Arbeitstechnik, den Stil und die Form zusammen weniger als 8 Punkte vergeben wurden, erhalten die Note 5.0 (nicht ausreichend, nicht bestanden).
  2. Alle anderen Arbeiten werden nach der folgenden Tabelle benotet.
    Punktzahl Note Bezeichnung
    31-29 1.0 sehr gut
    28-27 1.3
    26-25 1.7 gut
    24-23 2.0
    22-21 2.3
    20-19 2.7 befriedigend
    18-17 3.0
    16-15 3.3
    14-13 3.7 ausreichend
    12-11 4.0

Die Aufzählung der folgenden Einzelhinweise ist nicht abschließend zu verstehen.


1. Schwierigkeitsgrad

Bei der Beurteilung des Schwierigkeitsgrades ist davon auszugehen, ob die Problemstellung mit der durchschnitttlichen Ausgangsqualifikation der Bearbeitungsgruppe gelöst werden kann (4 Punkte). Die Beurteilung des Schwierigkeitsgrades einer Arbeit kann erst nach Abschluss erfolgen und umfasst die Prüfung, ob die vorgelegte Fassung die genannten Merkmale auch tatsächlich enthält.

Einzelhinweise:

++ Zielsetzung und Ablauf der Arbeit sind nicht eindeutig vorgezeichnet; die Abgrenzung der Aufgabe gehört selbst zur Aufgabenstellung.
+ Neben theoretischen Methoden ist Programmierungsaufwand erforderlich, der entweder einen erheblichen Umfang ausmacht oder der Art nach deutlich ausserhalb der üblichen Programmierungspraxis der Bearbeitergruppe liegt.
+ Die durchschnittliche Ausgangsqualifikation der Bearbeitungsgruppe genügt nicht, weil zur Bearbeitung Kenntnisse erforderlich sind, die nicht oder nicht in der erforderlichen Tiefe in Standardlehrveranstaltungen gebracht werden.
+ Es steht nur wenig Literatur oder andere Information (z. B. Vorarbeiten programmtechnischer Art) zur Verfügung.
+ Umfangreiche Literatur musste gesichtet und bearbeitet werden.
- Die Lösung erfordert weder tiefgehende theoretische Methoden noch erheblichen oder der Art nach ausserhalb der üblichen Programmierpraxis liegenden Programmieraufwand.
- Zu lange Einarbeitungszeit.

2. Schöpferische Originalität

Bei der Beurteilung der schöpferischen Originalität ist nicht nur davon auszugehen, inwieweit der Bearbeiter der Anleitung und Führung durch den Betreuer bedarf. Es ist vielmehr selbstverständlich, dass der Bearbeiter Initiative entwickelt, d.h. aus eigenem Antrieb Schwierigkeiten aufgreift und mit dem Betreuer diskutiert (4 Punkte).

Einzelhinweise:

++ Ein bisher ungelöstes Problem wurde gelöst oder ein grundsätzlich neuer Lösungsweg für ein bereits gelöstes Problem angegeben.
++ Eine für die Aufgabenstellung typische Programmtestmethode, Beweistechnik, o.ä. wurde entwickelt.
+ Während der Arbeit sich ergebende oder sich andeutende neue Probleme wurden erkannt und verfolgt, auch wenn sie nicht unmittelbar zur Aufgabenstellung gehörten.
+ Die Arbeit kann als Grundlage für weitere Arbeiten dienen.
- Der Bearbeiter geht sich ergebenen Schwierigkeiten aus dem Weg.
- Die Initiativen und Lösungsvorschläge des Bearbeiters sind bzgl. ihrer Durchführbarkeit nicht durchdacht.
-- Der Bearbeiter lässt es an eigener Initiative mangeln und bewegt sich ausschließlich in den durch den Betreuer vorgezeichneten Bahnen.

3. Wissenschaftliche Arbeitstechnik

Bei der Beurteilung der wissenschaftlichen Arbeitstechnik ist nicht nur vom Grad der Fehlerfreiheit (formale Richtigkeit der Aussagen und eventueller Programme) auszugehen, die vielmehr als selbstverständlich vorausgesetzt werden muss. Daneben fällt sehr stark das Ausmaß der Selbstkontrolle ins Gewicht, das sich bei formalen Aussagen in der Beweisgründlichkeit, bei Programmen in ausführlichen Tests zeigt. Bezüglich der Programmrichtigkeit darf davon ausgegangen werden, dass bei hinreichend modularem Programmaufbau eine durchdachte (Begründung!) Menge von Testprogrammen genügt (5 Punkte).

Einzelhinweise:

++ Die Arbeit enthält eine übersichtliche, vollständige und vergleichende Würdigung bekannter Ergebnisse oder Techniken, soweit sie für die vorliegende Arbeit von Bedeutung sind. Dabei soll es sich nicht um weitschweifige Wiederholungen ganzer Abschnitte des Standardwissens handeln, sondern um eine kurze Darstellung der charakteristischen Gesichtspunkte unter gleichzeitiger Klarlegung etwaiger Unterschiede in der Zielsetzung. Eigene Ergebnisse sind von bekannten abgegrenzt. Auf die quantitative Beurteilung kann nur in Ausnahmefällen verzichtet werden.
++ Die Arbeit zeigt, dass der Bearbeiter sowohl in der Lage ist, einzelne Gesichtspunkte nach der ihnen im Rahmen des Ganzen zukommenden Wichtigkeit einzuordnen und mit dem jeweils angemessenen Aufwand zu bearbeiten, als auch durch sorgfältiges Abwägen verschiedener Argumente diejenigen Aspekte auszuwählen, die eine genaue Bearbeitung verdienen.
++ Die erzielten Ergebnisse werden interpretiert. Hierzug gehört, dass die Relevanz theoretischer Ergebnisse anhand praktischer Beispiele dargelegt wird, oder umgekehrt, praktische Ergebnisse mit evtl. bekannten theoretischen verglichen werden. Weiterhin sind die Ergebnisse und die verwendeten Methoden mit denen anderer Arbeiten in Beziehung gesetzt.
+ Zur Lösung der Aufgabenstellung wurden benachbarte oder fremde Gebiete herangezogen.
- Die Arbeit ist (stellenweise) nicht logisch aufgebaut, die eingeschlagenen Lösungswege sind nicht hinreichend begründet.
-- Die Arbeit enthält keine Zusammenfassung, in der sich der Leser schnell und zuverlässig über Zielsetzung und wichtigsten Ergebnisse der Arbeit informieren kann.
-- Die Arbeit zeigt, dass das durch die Fragestellung abgegrenzte Stoffgebiet nicht vollständig durchdrungen wurde oder beim Bearbeiter Lücken in den vorausgesetzten Kenntnissen vorliegen.
-- Fehlende quantitative Überprüfung der Ergebnisse durch Messungen bzw. wenig repräsentative Sammlung von Messprogrammen.

4. Stil

Bei der Beurteilung des Stils ist von der sprachlichen Ausdrucksfähigkeit auszugehen, die sich dem Leser in der vorgelegten Arbeit bietet. Diese zeigt sich insbesondere in der Klarheit und Kürze des Ausdrucks: auch schwierige Probleme müssen verständlich dargelegt, triviale Zusammenhänge nicht hinter einem formalen Apparat verborgen sein. Die Gedankenführung muss eindeutig sein (2 Punkte).

Einzelhinweise:

+ Die Länge der einzelnen Kapitel bzw. Abschnitte orientiert sich an der Wichtigkeit des Inhalts.
+ Komplizierte Zusammenhänge werden durch geschickt ausgewählte Beispiele interpretiert. Wenige durchgängige Beispiele werden verwendet.
- Unnötige Wiederholungen, Weitschweifigkeiten, Gedankensprünge.
- Holprige Sprache, zu lange Sätze, Rechenzentrumsjargon; ungenaue Formulierungen, unnötige Anglizismen.

5. Äußere Form

Bei der Beurteilung der äußeren Form fällt neben der Sorgfalt der Ausführung, insbesondere der Zeichnungen und Tabellen, die Klarheit der Gliederung und des Inhaltsverzeichnisses ins Gewicht (2 Punkte).

Einzelhinweise:

+ Zusammenstellung der Abkürzungen, Stichwortverzeichnis.
+ Optische Gliederung von Programmen.
- Unvollständigkeit oder Unverständlichkeit von Bild- oder Tabellenunterschriften; unklare Verweise oder nicht exakte Quellenangaben
- Mangelhafte Rechtschreibung.

Bild von Mark Minas
Prof. Dr.-Ing. Mark Minas

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