Eine persönliche Annäherung

Eine persönliche Annäherung an George Leitmann von Stefan Pickl


 

Wie nähert man sich George Leitmann an  …?

Diese Frage stellt sich jemandem zuerst, wenn man versucht, einen solchen einleitenden Text zu verfassen. Studiert man seine biographischen Daten, wird man zunächst eher eine respektvolle Zurückhaltung aufbauen. Es ist zu befürchten, dass dadurch ein persönlicher Zugang erschwert wird. Wenn man jedoch die Gelegenheit hat, von ihm - wie es mir vormals in Wien passiert ist -, direkt angesprochen zu werden, und ihn dadurch persönlich kennen lernen kann, wird man merken, dass George Leitmann nicht nur ein hervorragender Ingenieur und Mathematiker, sondern vor allem ein wahrer „Brückenbauer“ ist:  

Man kann dabei erleben, dass „Brücken“ für ihn nicht nur technische Artefakte sondern Symbole sind, Kontakte zwischen Menschen aufzubauen, Beziehungen zwischen Persönlichkeiten zu entwickeln und internationale Institutionen zu verbinden. George Leitmann ist dabei jedoch stets  ein wissenschaflicher „Gentleman“, der sich inhaltlich nie aufdrängt, sondern seine  umfassenden Ideen argumentativ erläutert. Obwohl sein Vorgehen von einem starken historischen Verantwortungsbewusstsein geprägt ist, richtet sich sein Blick immer wieder zukunftsweisend und Mut machend nach vorne. Damit ist eine erste Annäherung an George Leitmann möglich, doch fällt in diesem Wechselspiel von Vergangenheit und Zukunft auf, dass das „Jetzt“ leicht übersehen werden kann …

… eine erneute Annäherung an George Leitmann

So reifte im Jahre meiner Berufung als ordentlicher Professor an die Universität der Bundeswehr München der Entschluss, dieses „Jetzt“ in einer besonderen Form zu würdigen. Die Etablierung einer zweijährig stattfindenden George Leitmann Lecture sollte diesem „Jetzt“ einen ehrenvollen Platz geben. Der damalige Präsident, Prof. Dr. Dr. h.c. Lößl, der Dekan der Fakultät für Informatik, Prof. Dr. Ulf Schmerl, und unsere Fakultät waren von diesem Gedanken sehr angetan. So konnte am 24.5.2005 anlässlich des 80. Geburtstages von George Leitmann die folgende Urkunde überreicht werden:

 

Die Urkunde enthält zwei Briefmarken, die Brücken in den USA darstellen: Während der Kriegswirren wurde der Familie Leitmann in Wien damals, im Rahmen von Plünderungen, von den Nachbarn die wertvolle Briefmarkensammlung gewaltsam entwendet. Die Familie musste in diesem Zeitraum mit dem Schiff in die USA fliehen. Kurze Zeit später meldete er sich freiwillig als Soldat, um mit dem gleichen Schiff wieder nach Europa aufzubrechen …

Es ist das Ziel der Vorlesung, das fachliche und historische im Lebenswerk von George Leitmann zu verbinden. Daher fand die  zweite Vorlesung im Jahre 2008 bewusst auch in Wien statt. Kurze Zeit vorher wurde dort ein Gedenkstein zum Andenken an seine Familie gelegt, damit oben Beschriebenes nicht in Vergessenheit gerät.

Abschließende Bemerkung

Auch die George Leitmann Lecture soll stets eine solche Grundsteinlegung symbolisieren. Auf diesem Grundstein könnte das folgende Zitat stehen:

 

„…, dass wir alle auf diesem Planeten leben und gut daran tun,
miteinander auszukommen.“ George Leitmann

 

 

"Das Wichtigste ist es, der nächsten Generation etwas Bleibendes mitzugeben, an dem sie sich orientieren kann ..."

"..., daß wir alle auf diesem Planeten leben und daran gut tun, miteinander auszukommen."

 

George Leitmann
Berkeley, 2008