Forschung

Forschungsschwerpunkte:

 

1. Kulturverständnisse und soziales Handeln in Forschungsarbeiten zur interkulturellen Kommunikation

2. Interkulturelle Trainingsforschung

3. Interkulturelle Kompetenz und Employability

4. Vertrauen in interkulturellen Kontexten

5. Interkulturelle Mediation

6. Interkulturelle Kommunikation in Grenzregionen

 

1. Kulturverständnisse und soziales Handeln in Forschungsarbeiten zur interkulturellen Kommunikation

Bearbeiter: Dominic Busch

Beschreibung:

Interkulturelle Kommunikation hat sich in den vergangenen Jahrzehnten sowohl in Nordamerika als auch in Europa zu einem Forschungsthema herauskristallisiert, das sich über lange Zeit allein aufgrund seiner klaren Anwendungsorientierung als Antwort auf Problemerfahrungen, die gesellschaftlich als offensichtlich wahrgenommen wurden, legitimieren konnte. Inspiriert durch Kritiken von Seiten verschiedener geistes- und sozialwissenschaftlicher Disziplinen kann gegenwärtig eine kulturwissenschaftliche Neuorientierung von Forschungsarbeiten zur interkulturellen Kommunikation beobachtet werden. Im Zentrum steht dabei der Konstruktionscharakter von Begriffen wie Kultur, Identität und Differenz, der in Nachbardisziplinen wie beispielsweise der Anthropologie als längst verinnerlicht gilt. Studien zur interkulturellen Kommunikation sind in Abgrenzung gegenüber ihren theorie- und methodenstiftenden Disziplinen, wie beispielsweise den Sprachwissenschaften, der Psychologie und der Ethnologie/Anthropologie von einem leicht abweichenden und spezifizierten Forschungsinteresse geleitet, in dessen Mittelpunkt Individuen und Gruppen sowie deren Erleben und Wahrnehmen von Kultur stehen. Gefragt wird danach, wie Individuen und Gruppen einerseits Kulturen und Differenz konstruieren und wie sich diese Phänomene andererseits auf das Handeln derselben Personen auswirken. In diesem Forschungsprojekt werden Kulturverständnisse aus Studienarbeiten, die sich explizit einer Erforschung interkultureller Kommunikation verschreiben, nach Art und Ausmaß der jeweils angenommenen Interdependenzen zwischen „Kultur“ und sozialem Handeln systematisiert und kategorisiert. Auf dieser Grundlage werden potentielle zukünftige Forschungsfragen aufgeworfen, die kulturwissenschaftliche Problemstellungen aufgreifen und für den Gegenstandsbereich operationalisieren.

Eigene Publikationen zu dieser Thematik:

Busch, Dominic (2007): "Sprach- und kommunikationswissenschaftliche Perspektiven auf den Forschungsgegenstand interkulturelle Kommunikation". In: Moosmüller, Alois (Hrsg.): Interkulturelle Kommunikation - Konturen einer Disziplin. Münster/München/New York/Berlin: Waxmann: 67-95.

Busch, Dominic (2008): "Kulturbegriffe in der Forschung zur interkulturellen Kommunikation." In: Publizistik. Themenausgabe "Interkulturelle und internationale Kommunikation im 21. Jahrhundert. Perspektiven für Medien, Politik, Wirtschaft und Wissenschaft":[Manuskript akzeptiert, Zeitschrift in Vorbereitung].

Busch, Dominic (2008): "The notion of culture in empirical linguistic research." In: Forum: Qualitative Social Research 10 (1):[in Vorbereitung].

 

2. Interkulturelle Trainingsforschung

Bearbeiter: Dominic Busch

Beschreibung:

Anstatt von einer deduzierten und übergeordneten Theorie getragen zu werden, aus der sich erforderliche Maßnahmen zu einer Professionalisierung interkulturell kompetenter Kommunikation herleiten ließen, basieren interkulturelle Trainings meist auf der Zusammenführung zahlreicher Grundannahmen aus unterschiedlichen disziplinären Bereichen, deren beliebige Kombinierbarkeit zumindest potentiell zu einer Vielzahl sehr verschiedener Trainingsformen führen kann. Eine optimierte Professionalisierung interkulturell kompetenter Kommunikation wird an dieser Stelle häufig durch außerwissenschaftliche hegemoniale Einflüsse behindert, die das Design und die Durchführung bedarfsgerechter Trainings häufig überlagern. Um den Blick auf die Bandbreite zur Verfügung stehender Optionen bei der Gestaltung interkultureller Trainings erneut zu weiten und auf diese Weise eine optimale Trainingsgestaltung anzuregen, erscheint eine Berücksichtigung und eine Erörterung des Potentials der folgenden wesentlichen Einflussbereiche erforderlich: Aus den Sozialwissenschaften entspringt bekanntermaßen eine Fülle unterschiedlicher Kulturverständnisse, die die Auswirkungen von Kultur auf soziales Handeln an sehr verschiedenen Stellen verorten – und damit auch sehr verschiedene Ansatzpunkte für interkulturelle Trainings postulieren können. Darauf aufbauend haben Wissenschaft und Gesellschaft, je nach Anwenderinteresse und kulturpolitischer Orientierung, eine Vielzahl verschiedener Verständnisse interkultureller Kompetenz entwickelt, die zusammen mit unterschiedlichen Anwendungskontexten für dieses interkulturell kompetente Handeln als Zielmarken dessen dient, was mit Hilfe interkultureller Trainings angestrebt werden soll. Auf welche Weise diese Kompetenzen vermittelt werden, kann darüber hinaus von sehr unterschiedlichen Formen der Didaktisierung auf der Grundlage von Lerntheorien abhängen.

Eigene Publikationen zu dieser Thematik:

Busch, Dominic (2008): "Professionalisierung interkulturell kompetenter Kommunikation - am Beispiel interkultureller Trainings und interkultureller Mediation". In: Eichinger, Ludwig M./Kelletat, Andreas F./Reuter, Ewald (Hrsg.): Jahrbuch Deutsch als Fremdsprache 2008. Themenschwerpunkt Professionelle Kommunikation. München: iudicium: [in Druck].

 

3. Interkulturelle Kompetenz und Employability

Bearbeiter: Dominic Busch

Beschreibung:

Zahlreiche Studiengänge in den Geistes- und Sozialwissenschaften bereiten ihre Studierenden auf zukünftige Tätigkeiten vor, deren Profil vorab kaum vorgegeben, spezifiziert oder eingeschränkt wird. Potentielle außeruniversitäre Arbeitgeber werfen geisteswissenschaftlichen Studiengängen entsprechend häufig sogar vor, die Berufsbefähigung ihrer Studierenden sträflich zu vernachlässigen. Gefordert wird hier häufig ein Ausbau der Förderung von Schlüsselkompetenzen unter den Studierenden, zu denen meist auch eine unterschiedlich definierte interkulturelle Kompetenz zählt. Dieser Beitrag analysiert Verständnisse von Berufsbefähigung (employability), Schlüsselkompetenzen und interkultureller Kompetenz in unterschiedlichen an der Debatte beteiligten Gruppierungen, wie Arbeitgebern, Anbietern von Studiengängen, Studierenden und Personalwirtschaftlern. Das Verständnis interkultureller Kompetenz als einer Schlüsselkompetenz wertet diese in zahlreichen Kontexten eher zu einer auch im Alltag erwerbbaren „Nebenkompetenz“ ab, die unbedingt durch ein fachlich fundiertes Studium in einem anderen Fach getragen werden müsse. Dieser Beitrag plädiert hier für eine Differenzierung, nach der Absolventen von Studiengängen zu Aspekten interkultureller Kommunikation nicht nur Experten IN einer Schlüsselkompetenz, sondern auch FÜR eine Schlüsselkompetenz werden können, d.h. ihre Expertise besteht in der Fähigkeit, Aspekte interkultureller Kommunikation analytisch zu erkennen, multiplikatorisch für sie bewusst zu machen und an der Entwicklung von didaktischen Maßnahmen zur Steigerung interkultureller Kompetenz zu arbeiten.

Eigene Publikationen zu dieser Thematik:

Busch, Dominic (2007): "Welche interkulturelle Kompetenz macht beschäftigungsfähig." In: Interculture Journal 6 (3):5-32: http://www.interculture-journal.com

Gastherausgabe des Themen-Specials "Interkulturelle Kompetenz und Employability" des Interculture Journal(3/2007).

Busch, Dominic (2008): "What kind of intercultural competence will enhance students' future job employability?" In: Intercultural Education:[Beitrag akzeptiert, in Vorbereitung].

 

4. Vertrauen in interkulturellen Kontexten

Bearbeiter: Dominic Busch

Beschreibung:

Grundideen des Phänomens Vertrauen sind in Forschungsarbeiten zur interkulturellen Kommunikation zwischenzeitlich zu Schlüsselkonzepten avanciert, die Zugänge zu einer Beschreibung konstruktiver Interaktionen in interkulturell bedingten Kontexten versprechen. Das durchgeführte Projekt versucht an dieser Stelle eine Operationalisierung von Vertrauensbildungsprozessen, um sie mit sprachwissenschaftlichen Methoden empirisch beschreibbar zu machen. Kultur wird hierzu zunächst als ein diskursiv konstruiertes Thema verstanden, das Individuen rezipieren und auf dessen Grundlage sie Optionen für das eigene Handeln ableiten. Im Sinne der Theorie der Performativität sozialen Handelns kann auch im Hinblick auf den Einfluss von Kultur auf konkrete Interaktionen angenommen werden, dass Individuen handeln, indem sie rezipiertes Wissen über Kultur und den Umgang mit Kulturalität iterieren und zitieren. Interkulturelle Kontaktsituationen können auf diese Weise das häufig in der Forschungsliteratur unterstellte Merkmal der Unbekanntheit und der Verunsicherung durchaus verlieren: Je stärker die Interaktanten ihr Handeln als Interaktion gesellschaftlich geteilten Wissens wahrnehmen, desto mehr können sie auch auf den konstruktiven Verlauf der Interaktion in ihrem Sinne vertrauen. Wird derartiges Vertrauen in interkulturell bedingten Kontaktsituationen wie in dem hier vorgestellten Beispiel enttäuscht, so scheinen die getätigten Kategorisierungen unter den Interaktanten nicht geteilt zu werden. Das Modell der Membership Categorization Analysis bietet hier zugleich auch Anknüpfungspunkte für Didaktisierungen zu einer Förderung interkulturell kompetenten Umgangs: Bestehende Kategorisierungen sollten hier im Sinne einer Wiederherstellung von Komplexität zurückgenommen und durch zutreffendere – kooperativere – Kategorisierungen ersetzt werden können.

Eigene Publikationen zu dieser Thematik:

Busch, Dominic (2008): "Wie kann man Vertrauensbildungsprozesse in sprachlicher Interaktion beobachten und beschreiben?". In: Jammal, Elias (Hrsg.): Vertrauen im interkulturellen Kontext. Wiesbaden: VS-Verlag: 27-50.

 

5. Interkulturelle Mediation

Bearbeiter: Dominic Busch

Beschreibung:

Interkulturelle Mediation kursiert seit einigen Jahren als Trendbegriff durch die Literatur zur interkulturellen Kommunikation und dient als Titel für eine Vielzahl von praktischen Trainingsangeboten insbesondere in der beruflichen Weiterbildung. Der Facettenreichtum des Begriffs bietet die Möglichkeit, von gesellschaftlichen Mehrheiten akzeptierte, implizite Wunschvorstellungen darüber in den Begriff hineinzuprojizieren, wie Individuen mit Interkulturalität bestenfalls umgehen können sollten. Aus wissenschaftlicher Perspektive kann interkulturelle Mediation somit zwischen den Fachgebieten interkultureller Kommunikation und Konfliktforschung angesiedelt werden. Fasst man Ideen interkultureller Mediation als Ergebnisse gesellschaftlicher Diskurse westlicher Gesellschaften über den Umgang mit Interkulturalität auf, so kann man die Effizienz gegenwärtiger Praktiken interkultureller Mediation kritisch überprüfen und zugleich neue Perspektiven und Fragestellungen aufwerfen, durch die gesellschaftliche Zielstellungen interkultureller Mediation eventuell sogar noch konstruktiver erreicht werden können. In einer ersten Unterscheidung können somit beispielsweise deduktive Konzepte interkultureller Mediation, die auf einer Übertragung von Mediation auf den Problembereich interkultureller Kommunikation beruhen, durch eine induktive Konzeption interkultureller Mediation ergänzt werden: Gesucht würde demnach nach Formen triadischer Verständigungsförderung, unter denen beispielsweise Strategien einer „spontanen Laien-Mediation“ erfolgsversprechend erscheinen.

Ausgewählte eigene Publikationen zu dieser Thematik:

Reihe Studien zur Interkulturellen Mediation

Busch, Dominic (2007): "Wie kommen Ideen von interkultureller Mediation zustande?". In: Otten, Matthias/Scheitza, Alexander/Cnyrim, Andrea (Hrsg.):Interkulturelle Kompetenz im Wandel. Bd. 1: Grundlegungen, Konzepte und Diskurse. Frankfurt am Main: IKO-Verlag: 141-154.

Busch, Dominic (2004): "Was ist das Besondere an interkultureller Mediation? Überlegungen aus der Grundlagenforschung." In: Zeitschrift für Konfliktmanagement (ZKM) 6/2004:251-255.

 

6. Interkulturelle Kommunikation in Grenzregionen

Bearbeiter: Dominic Busch

Beschreibung:

Zahlreiche Sozial- und Kulturwissenschaften verwenden den Begriff der Grenze, um unterschiedlichste gesellschaftliche Phänomene zu operationalisieren. Unterschieden und dennoch häufig miteinander verwechselt werden dabei Verständnisse territorialer Grenzziehungen gegenüber metaphorischen Verwendungen des Grenzbegriffs. Insbesondere aufgrund dieser Entlehnung des Grenzbegriffs und seiner vielfältigen Verwendung scheint der Begriff eine deutliche normative Aufladung zu erfahren: Gelegentlich scheint dabei zwischen implizit für ideal erachteten Umgangsformen mit Grenzaspekten und dem beschriebenen Phänomen selbst kaum noch differenziert zu wer­den. Für die Erforschung territorialer Grenzlinien ergibt sich hier ten­denziell ein fataler Kreisschluss: Normative Aufladungen des Grenzbe­griffs werden von Autoren bei der Erforschung geographischer Grenzre­gionen rezipiert und auf ihre konkreten Kontexte übertragen. Beobach­tete Phänomene in Grenzregionen können diesen Bewertungen nur sel­ten standhalten und geraten auf diese Weise unter Kritik. Zuletzt scheint demnach die Frage danach offen zu bleiben, woraufhin gesell­schaftliche Interaktionen an territorialen Grenzen und in Grenzregionen überhaupt untersucht und überprüft werden sollen? Bereits die Reflek­tion der prinzipiellen Offenheit dieser Frage dürfte jedoch bereits eine entsprechend kritische Erforschung des Gegenstands nach sich ziehen.

Ausgewählte eigene Publikationen zu dieser Thematik:

Busch, Dominic (Hrsg.) (2006): Interkulturelle Mediation in der Grenzregion. Sprach- und kulturwissenschaftliche Analysen triadischer Interaktionsformen im interkulturellen Kontakt. Frankfurt am Main et al.: Peter Lang.

Busch, Dominic (2006): "Wie sollen wir mit Grenzen umgehen und woraufhin sollen wir sie untersuchen?". In: Busch, Dominic (Hrsg.): Interkulturelle Mediation in der Grenzregion. Sprach- und kulturwissenschaftliche Analysen triadischer Interaktionsformen im interkulturellen Kontakt. Frankfurt am Main et al.: Peter Lang: 25-81.

 

 

Aktuelles IKK
Neuerscheinung: Rethinking interculturality will require moral confessions
Keynote speech: Cosmopolitanism. Opportunities and Challenges for Intercultural Research
Call for Papers: Conflict Mediation and Leadership
Neuerscheinung: Mediation. In: The Sage Encyclopedia of Intercultural Competence
Publikation: Kultur machen? Nie trägerlos!
Publikation: Interkulturelle Kommunikation: Wie kann man der Krisenorientierung einer krisenbasierten Wissenschaft entkommen?
Vortrag: Kann man interkulturelle Kommunikation erforschen, wenn permanent darüber gesprochen wird?
Vortrag: Das Humanum und seine Krux mit der Kultur
Neuerscheinung: Handlungsorientierungen in Prozessen interkultureller Öffnung
Neuerscheinung: Was, wenn es die anderen gar nicht interessiert?
Podcast Interview mit Dominic Busch (Interkulturelles Portal)
Neuerscheinung Monographie: Im Dispositiv interkultureller Kommunikation
Publikation: Kommentare zur EWE-Diskussion Interdisziplinäre Vermittungswissenschaft
Publikation: Mediation erforschen. Fragen - Forschungsmethoden - Ziele
Publikation: Cultural Theory and Conflict Management in Organizations
Publikation: Aktuelle Entwicklungen in der sprachwissenschaftlichen Forschung zur interkulturellen Kommunikation
Manuskript: On-line, But Caught in Culture
Publikation: Das Internet als Kulturalisierungsfalle
Vortrag: Interkulturelle Mediation
Vortrag: Interkulturalität
Vortrag: Was, wenn es die Anderen gar nicht interessiert? Überlegungen zu einer Suche nach nicht-westlichen Konzepten von Interkulturalität
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