Veröffentlichung:

13 Oktober 2017

(2016) Pietraß, M. Der "gute" Schüler denkt nicht - zum Paradox leistungsmindernder Bildungsprozesse. Vierteljahrsschrift für wissenschaftliche Pädagogik, 92(3), 418-432

Abstract

Beim Lernen im Unterricht, insbesondere bei Prüfungssituationen, kann es dazu kommen, dass die Leistungen der Schüler nicht den, gemessen an ihrer Leistungsfähigkeit, erwarteten Ergebnissen entsprechen. Diese Problematik kann darauf zurückzuführen sein, dass die Schüler zum Verstehen einer gestellten Aufgabe auf Wissen zurückgreifen, das in keinem unmittelbaren Bezug zu der zu lösenden Aufgabe steht, sondern das sie der Interaktionssituation entnehmen. Um dies [...] freizulegen, wird auf Basis der Artefaktbildungsforschung, die mit der Lerntheorie Batesons reinterpretiert wird, ein heuristischer Rahmen entwickelt, der erklärt, unter welchen Bedingungen es zu solchen, didaktisch nicht intendierten, Lernprozessen kommen kann. Diese Bedingungen liegen in einer von den Lernenden wahrgenommenen Unvereinbarkeit der Aufgabenstellung mit den an sie vermeintlich gestellten Verhaltenserwartungen sowie einem wahrgenommenen Machtgefälle zwischen Lehrendem und Lernenden. Im Forschungsausblick werden Anschlussmöglichkeiten an die Allgemeine Didaktik aufgezeigt, und zwar unter Anknüpfung an die kommunikative Pädagogik und die dort geforderte Offenlegung der Unterrichtssituation sowie an die Bildungsforschung und die Problematik ungewollter transformatorischer Prozesse. (DIPF/Orig.).