Kulturgeschichte der Gewalt

16. 03. 2022 | 11.30 Uhr - 12.30 Uhr

Die Landespolizei in Deutsch Südwestafrika: Kulturen alltäglicher Gewalt im kolonialen Kontext

Wenn nach dem Wesen des Kolonialismus gefragt wird, wird häufig nach der Gewalt gefragt, die notwendig war, um koloniale Herrschaft zu etablieren und aufrechtzuerhalten. Leider verharren viele dieser Überlegungen bei dem Wieviel an Gewalt, und sprechen zudem fast ausschließlich von kriegerischer oder Massengewalt. Solche Diskussionen über das Maß an Gewalt werden der Komplexität der kolonialen Situation und der dort ebenfalls stattgefundenen Alltagsgewalt nicht gerecht.
Der Vortrag stellt die Praktiken der Männer der sogenannten Landespolizei im post-genozidalen Deutsch Südwestafrika (heutiges Namibia) am Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts vor. Dabei nimmt er vor allem die Kulturen polizeilichen Gewalthandelns, das Teil des Tagesgeschäfts dieser deutschen und afrikanischen Männer war, in den Blick.

Dr. Marie Muschalek ist Autorin des Buchs "Violence as Usual. Policing and the Colonial State in German Southwest Africa" (Ithaca, NY: Cornell University Press 2019) und wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Wissensgeschichte der Universität Konstanz.


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Gewalt betrifft uns, wenngleich sie im Alltag manchmal sehr weit weg zu sein scheint. Sie schockiert und fasziniert, wenn sie uns in den Nachrichten, in der Kunst oder im eigenen Leben begegnet. Schlachten, Eroberungskriege, Sklaverei, Folter, Vertreibung und Massaker lassen uns erschauern. Die Bibel und die berühmtesten, rührendsten Texte der Literaturgeschichte erschüttern mit eindrücklichen Gewaltszenen. Doch bleiben brutales menschliches Handeln und Erleiden schwer zu erfassen. Umso mehr muss sich die Kulturgeschichte mit dem komplexen Phänomen der Gewalt auseinandersetzen.

Jenseits der großen Debatten darüber, ob unsere Welt insgesamt friedlicher geworden ist oder die Gewalt als anthropologische Konstante unser Zusammenleben stets mitbestimmt, sind Gewalt und ihre Beobachtung bzw. Deutung in unterschiedlichsten Disziplinen Thema. Die Neue Militärgeschichte, aber auch die Körper-, Emotions- und Erfahrungsgeschichte setzen sich in diesem Zusammenhang intensiv mit soziologischen, anthropologischen, psychologischen oder philosophischen Gewalttheorien auseinander. Konkrete Akteure und Ereignisse, Wahrnehmungen, das Erzählen und die Verarbeitung von Gewalt, schließlich auch kollektive Erinnerungskulturen werden so neu in den Blick genommen.

Anknüpfend an den erfolgreichen Auftakt unserer Vortragsreihe stellen wir auch im neuen akademischen Jahr die Frage: Welche Rolle spielte Gewalt in historischen Gesellschaften – und welchen Bezug hat Gewaltgeschichte zu unserer Gegenwart? Kurz: Was ist eine Kulturgeschichte der Gewalt?


Programm

Mittwoch, 16. März 2022, 11:30 - 12:30 Uhr
Dr. Marie Muschalek (Universität Konstanz)
Die Landespolizei in Deutsch-Südwestafrika: Kulturen alltäglicher Gewalt im kolonialen Kontext


Kontakt

Dr. Anke Fischer-Kattner
anke.kattner@unibw.de

Anmeldung

Die Vortragsreihe findet online via Zoom statt. Mit Ihrer Anmeldung erhalten Sie die Zugangsdaten zum Zoom-Meeting per E-Mail.

 

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Online-Event
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