Allgemeine Informationen über Spitzbergen

 

Geschichte

 

Spitzbergen wurde erstmals 1194 von den Wikingern entdeckt und Svalbard (= "kalte Küste") genannt. Danach geriet es für 400 Jahre wieder in Vergessenheit bis der Holländer WILLEM BARENTS [um 1550-1597] 1596 den Archipel erneut entdeckte und ihm den Namen Spitzbergen gab. 1611 kamen holländische und englische Wal- und Robbenfänger hier her, denen Russen und Norweger folgten. Aus dieser Zeit (1626) stammt auch die erste genaue Küsten- und Fjordkarte Spitzbergens (siehe unten), die im Auftrag der englischen Muscovy Company hergestellt wurde. Aus dem Jahr 1630 ist die erste Überwinterung auf Spitzbergen von englischen Pelztierjägern überliefert. 1648 gründeten die Holländer auf der Insel Amsterdamøya die Siedlung Smeerenburg, um die Wale gleich hier im Fanggebiet zu zerlegen. Dadurch wurden die langen Rückwege nach Europa eingespart und die Fangschiffe konnten gleich wieder auf Jagd gehen. Somit war es kein Wunder, dass die Gewässer um Spitzbergen bald kaum noch Wale enthielten, und so wurde nach nicht einmal 50 Jahren die Siedlung wieder aufgegeben. Spitzbergen war wirtschaftlich uninteressant geworden und verlor das Interesse der Europäer.

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Svalbard-Museum in Longyearbyen
© 1991 Kleim

Ab 1822 sind ständige Überwinterungen vor allem von Pelztierjägern überliefert. Das Desinteresse änderte sich mit der Entdeckung von Steinkohlevorkommen. Dies entfachte aber auch einen Streit darüber, wem das Land gehöre. 1906 gründete der Amerikaner JOHN MUNRO LONGYEAR [1850-1922] das erste Kohlenbergwerk auf Spitzbergen, dem 1910 das russische Pyramiden und 1912 das holländische Barentsburg sowie das schwedische Svea folgten. Aus finanziellen Gründen verkaufte LONGYEAR 1916 seine Grube an Norwegen und 1920 zog sich Holland mit dem Verkauf von Barentsburg an die Russen von Spitzbergen zurück. In den zwanziger Jahren verließen auch die Schweden die Inselgruppe und überließen ihre Grube in Svea den Norwegern.

In den "Pariser Vorortverträgen von Sèvres" wurde Spitzbergen 1920 gegen den Widerspruch der Sowjetunion Norwegen zugesprochen und 1925 volles norwegisches Hoheitsgebiet. Die Nutzung der Kohlevorkommen sowie Jagd und Fischerei wurde aber allen Unterzeichnerstaaten zugestanden, wovon jedoch nur die Sowjetunion Gebrauch machte. 1928 gründete Norwegen das "Norges Svalbard og Ishavnundersøkelser", aus dem das heutige "Norsk Polar Institutt" hervorgegangen ist.

Während des Zweiten Weltkrieges unterhielten sowohl das Deutsche Reich als auch die Alliierten Wetterstationen auf Spitzbergen. 1941 besetzten die Briten die Inselgruppe. 1943 legten die deutschen Schlachtschiffe "Scharnhorst" und "Tirpitz" Longyearbyen in Schutt und Asche. Der durch eine dabei in Brand geschossene Schachtanlage entstandene Schwelbrand konnte erst 1963 erstickt werden.

Nach dem Krieg wurde der Kohlenabbau 1946 wieder aufgenommen. 1962 wurde nach einem schweren Unglück die Grube in Ny Ålesund geschlossen. Eine Probebohrung nach Erdöl wurde 1966 in 3.800 m Tiefe erfolglos aufgegeben. Der 1975 eröffnete Flughafen in Longyearbyen war der Startschuss für einen neuen Wirtschaftszweig: den Tourismus. Dagegen ging das Grubensterben weiter: Mitte der achtziger Jahre Grumantbyen und 1988 Svea, obwohl diese Grube 1982 erst vollständig und aufwendig renoviert worden war.

 

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Karte von Spitzbergen, erschienen in London 1626
hergestellt im Auftrag der englischen Muscovy Company

 

Jahr Geschichtliche Ergeignisse
1194 Entdeckung durch Wikinger (Svalbard)
1596 Wiederentdeckung durch WILLEM BARENTS [ca. 1550-1597]
1626 Erste genaue Küsten- und Fjordkarte von Spitzbergen (siehe oben)
1630 Erste überlieferte Überwinterung englischer Pelztierjäger
1648 Gründung von Smeerenburg auf Amsterdamøya durch Holländer
1822 Beginn ständiger Überwinterungen
1906 Errichtung des ersten Kohlenbergwerkes duch den Amerikaner JOHN MUNRO LONGYEAR [1850-1922] in Longyearbyen
1912 Gründung von Barentsburg
1916 Verkauf der Grube in Longyearbyen an Norwegen
1920 Vertrag von Sèvres (Paris): Spitzbergen wird Norwegen zugesprochen
1925 Spitzbergen wird volles norwegisches Hoheitsgebiet
1928 Gründung des "Norges Svalbard og Ishavnundersøkelser"
(heute: Norsk Polar Institutt)
1941 Besetzung durch Großbritannien
1943 Longyearbyen wieder von deutschen Truppen niedergebrannt
1946 Wiederinbetriebnahme des Steinkohlenabbaus nach dem Zweiten Weltkrieg
1962 Schließung der Grube in Ny Ålesund
1966 Erdölbohrung bis 3.800 m Tiefe ohne Erfolg
1975 Eröffnung des Flughafens in Longyearbyen
1988 Schließung der Grube in Svea

 


 

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