Jahrestagung CODE zur europäischen Cybersicherheit

14 Juli 2019

Zur Jahrestagung des Forschungsinstituts CODE (Cyber Defence) kamen am 10. und 11. Juli 2019 rund 500 Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wissenschaft, Militär und Industrie in der Universität der Bundeswehr München zusammen. Unter dem Motto „CODE goes EU“ lag in diesem Jahr der Schwerpunkt der Diskussionen auf Cyber Defence in der Europäischen Union. Die Leitende Direktorin des Forschungsinstituts CODE, Prof. Gabi Dreo, begrüßte nicht nur prominente Gäste aus der Politik, sondern freute sich auch über Besucherinnen und Besucher von bedeutenden Institutionen wie etwa dem Weltwirtschaftsforum und der Münchner Sicherheitskonferenz. Auf ihre Einladung entwickelte sich die CODE Jahrestagung in Neubiberg in den letzten Jahren zum Branchentreffpunkt schlechthin. Die internationalen Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Konferenz dankten der Initiatorin für ihr Engagement, so viele Akteure aus Forschung, Wirtschaft, Politik und Militär zusammenzubringen und zu vernetzen.

 

Europäische Zusammenarbeit in Cyber Sicherheit fördern
Ein Hauptanliegen der diesjährigen Konferenz war es, die europäische Zusammenarbeit zu fördern und gemeinsame Netzwerke auszubauen. Prof. Dreo betonte, dass die Europäer „in Ökosystemen“ zusammenarbeiten müssen. Und Ökosysteme können nur gemeinsam aufgebaut werden. Um die Cybersicherheit in Europa zu gewährleisten, muss die Informations- und Kommunikationstechnologie den modernsten Anforderungen entsprechen. Bisher sind viele Unternehmen dafür jedoch auf Technologien aus den USA oder China angewiesen. Um die europäische Souveränität in der IT-Sicherheit zu erlangen, müssen alle EU-Staaten zusammenarbeiten und gemeinsam in Forschung investieren, forderte Roberto Viola, der Generaldirektor der Generaldirektion Kommunikationsnetze, Inhalte und Technologien der Europäischen Kommission in seinem Einstiegsvortrag: „Kooperation ist das Schlüsselwort für den Erfolg der EU-Sicherheit.“

 

Cybersicherheit als Innovationsantrieb
Der Leiter der Staatskanzlei und bayerische Staatsminister für Bundes- und Europaangelegenheiten und Medien, Dr. Florian Herrmann, betonte die Wichtigkeit der Forschung auf dem Gebiet der Cybersicherheit: „Wir können heute nicht mehr frei entscheiden, ob wir teilnehmen oder nicht.“ Darum sei er besonders froh, dass München und insbesondere die Universität der Bundeswehr München der führende Standort für Cybersicherheit sei. Durch die Forschung und die Vielzahl der ansässigen Unternehmen, die sich mit dem Thema Sicherheit beschäftigen, sei die Cybersicherheit ein Antriebsmotor für Innovationen. Die bayerische Regierung unterstützt das Cyber Cluster an der Universität, um das gemeinsame Ziel aller Teilnehmenden an der Konferenz zu erreichen: „Im Web besser, schneller und effizienter zu agieren als unsere Feinde.“

In einer Podiumsrunde mit der zentralen Fragestellung „Where do you get your innovation done?“ diskutierten Generalmajor Jürgen Setzer, der Stellvertreter des Inspekteurs Cyber- und Informationsraum und gleichzeitig Chief Information Security Officer (CISO) der Bundeswehr zusammen mit Prof. Aiko Pras von der University of Twente, Dr. Ralf Schneider, CIO bei der Allianz, Nayia Barmpaliou vom Weltwirtschaftsforum sowie Ammar Alkassar, dem Bevollmächtigten für Innovation und Strategie in der Staatskanzlei des Saarlands und Luigi Rebuffi, dem Gründer der European Cyber Security Organisation (ECSO) miteinander. Prof. Pras betonte, dass der einzig mögliche Weg für Innovationen die Forschung sei, diese brauche wiederum Geld, also müsse die Wirtschaft in Forschung investieren. Aus einer Vielzahl von Ideen, die an einer Universität entstehen, können sich ein paar sehr gewinnbringende Modelle entwickeln. Generalmajor Setzer machte deutlich, dass sich die Führung des Organisationsbereichs Cyber- und Informationsraum (CIR) bei der Einführung von IT-Innovationen in die Bundeswehr dafür einsetze, auch neue Wege zu beschreiten. Er sehe dabei eine enge nationale und internationale Zusammenarbeit zwischen Staaten, der Wirtschaft und der Wissenschaft als Voraussetzung für die Entwicklung neuer Ideen. Der Organisationsbereich verstehe sich als Koordinator und Treiber der Digitalisierung der gesamten Bundeswehr. Denn in ihm seien die IT-Fähigkeiten der Bundeswehr gebündelt, er sei somit auch für die Cyber-Abwehr verantwortlich.

 

Ein Thema beschäftigt viele: Digitale Souveränität
Wie erreicht man digitale Souveränität für Europa? Diese Frage diskutierten der Staatssekretär im Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat Klaus Vitt, der Staatssekretär im Bundesministerium der Verteidigung Benedikt Zimmer, Roberto Viola und der Hauptgeschäftsführer der Europäischen Verteidigungsagentur Jorge Domecq sowie der Vizepräsident für Communications, Intelligence and Security bei Airbus Evert Dudok. Staatssekretär Vitt bevorzugt eine eigene Cloud-Lösung für die Staatangelegenheiten. Die Regierung dürfe sich mit ihren sensiblen Unterlagen nicht von firmenbasierten Cloudlösungen von Anbietern abhängig machen, die anderen Gesetzen unterliegen, da sie im Ausland sitzen. Daher müssten Open Source Produkte gefunden werden. Staatssekretär Zimmer wünschte sich eine Datenübermittlung, die so sicher sei wie Daten auf einem Stück Papier. Es gebe bereits gute Projekte, man müsse sie nur Schritt für Schritt gehen. Dudok machte aber klar, dass Cybersicherheit eines der Top Themen für Airbus sei und das Unternehmen daher nicht auf Lösungen aus der EU warten könne, die Firma suche bereits weltweit nach Partnern und investiere jährlich hohe Summen in die Cybersecurity. Für Viola ist das Ziel klar: „Lassen Sie uns die Goldmedaille für Cybersecurity gewinnen.“ Er möchte, dass alle europäischen Staaten ihr Wissen bündeln und Europa so zur Nummer 1 in der IT-Sicherheit machen.

 

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Forschungskooperation von CODE mit Airbus
Ein weiterer Schritt für mehr digitale Souveränität ist die Zusammenarbeit von Wirtschaft und Forschung. Aus diesem Grund wurde auf der CODE Jahrestagung ein Vertrag zwischen Airbus und dem Forschungsinstitut CODE unterzeichnet. In dem Abkommen geht es um eine Forschungskooperation zur IT-Sicherheit von Flugzeugen. Die projektverantwortlichen und betreuenden Professoren auf Seiten der Universität der Bundeswehr sind Prof. Wolfgang Hommel und Prof. Stefan Brunthaler. „Ich freue mich auf die Zusammenarbeit“, sagte Evert Dudok (im Bild links), der den Vertrag zusammen mit Prof. Dreo unterzeichnete anschließend. Airbus sei „sehr glücklich, dass Verträge mit der Universität geschlossen wurden um die Cyber-Widerstandsfähigkeit für die Zukunft zu vergrößern.“

Bild 1: v.l.n.r.: Udo Helmbrecht, Evert Dudok, Benedikt Zimmer, Prof. Gabi Dreo, Klaus Vitt, Roberto Viola, Jorge Domeq
Bildquellen: Universität der Bundeswehr/ Claus Schunk