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"Reise in die neue Welt. Wie der Kölner Stadt-Anzeiger digital wird."

Vorlesung „Einführung in die Kommunikationswissenschaft“, Donnerstag 30. Oktober 2014, 11.30 Uhr, Geb.33, Raum 0331

Wer auf die Homepage des Kölner Stadtanzeigers geht (www.ksta.de), der sieht zuerst die Rubrik „Köln“, dann „Region“, gefolgt von „NRW“ und einem leuchtend roten Kasten mit Artikeln, Fotos, Videos über den 1. FC Köln. Soweit wenig überraschend – regionale Zeitungen haben ihren USP in der Region. Stimmt, aber nur teilweise, erklärt Lutz Feierabend, als stellvertretender Chefredakteur auch zuständig für den Online-Auftritt des Blattes. Die User im Netz suchen tatsächlich vor allem Kölner Themen, inklusive Fußball.

Doch die Leser der Printausgabe – vor allem ältere über 50 – verlangen auch nach überregionalen Informationen, wollen Hintergrund, Einordnung, Kommentierung. Viele nutzen den Kölner Stadtanzeiger komplementär, haben zum Frühstück die Zeitung neben der Kaffeetasse liegen, gehen zu anderen Zeiten ins Netz, und würden vor allem morgens gerne mobile Angebote auf dem Smartphone nutzen – die beim KStA gerade erst entwickelt werden.

Für die Redaktion bedeuten diese unterschiedlichen Erwartungshaltungen einen permanenten Spagat: Welche Themen sollen sie zu welchem Zeitpunkt auf welchem Produkt platzieren, um die Nachfrage optimal zu bedienen? Und dahinter steht die große, die überlebensnotwendige Frage: Wie werden diese Angebote monetarisiert? Wer ist bereit, wofür zu zahlen?

Lutz Feierabend kann auf einige dieser Fragen Antworten geben. Vieles ist in Bewegung, ständiger Veränderung und Anpassung unterworfen. Doch die Frage, wie sich guter Journalismus in Zukunft finanzieren soll, ist weltweit ungelöst, auch wenn vieles ausprobiert wird, ob mit Pay-Wall, Micro-Payment oder Spenden. Auch die Probleme des KStA stehen stellvertretend für viele große, regionale deutsche Zeitungen, die sich zwischen den überregionalen Platzhirschen wie Süddeutsche Zeitung oder Frankfurter Allgemeine, kleinen Lokalzeitungen und dem unendlichen Informationsangebot im www behaupten müssen.

Das lässt eine spannende Diskussion erwarten, mit der die Praxis in die Theorie der Kommunikationswissenschaft einbricht. Zumal der Verlag DuMont, in dem auch der KStA erscheint, gerade eine neue Nachmittagszeitung angekündigt hat: „Xtra“, ein Blatt für junge Leute im Tabloid-Format, das ab 15.30 Uhr für 50 Cent verkauft werden soll – demnächst in Köln.

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