Am 10. März 2026 gestalteten Prof. Dr. Michael Eßig und Maximilian Holzner vom Arbeitsgebiet Beschaffung der Universität der Bundeswehr München einen Workshop zum Thema „Lieferketten in der Verteidigungsindustrie – Industriedialog“ im BMVg in Berlin. Die Veranstaltung brachte Vertreter aus Bundeswehr, Industrie und Wissenschaft zusammen, um aktuelle Herausforderungen und Lösungsansätze im Management von Verteidigungs-Lieferketten zu diskutieren. Der Workshop war bewusst interaktiv gestaltet: In mehreren Arbeitsphasen analysierten die Teilnehmenden Risiken in unterschiedlichen Lieferkettentypen und diskutierten mögliche Strategien zu deren Bewältigung, etwa im Rahmen eines „Stresstests“ für Lieferketten sowie eines moderierten „World-Café“-Formats.
Nachrichten
Am 5. März 2026 begrüßte das Arbeitsgebiet Beschaffung der Universität der Bundeswehr München den Staatssekretär im Bundesministerium der Verteidigung, Jens Plötner, zu einem Austausch über aktuelle Herausforderungen und Forschungsansätze in der Verteidigungsbeschaffung. Im Mittelpunkt des Besuchs stand ein Einblick in die Forschung zur Verteidigungsbeschaffung an der UniBw München. Prof. Dr. Michael Eßig stellte in einem Auftaktimpuls zentrale Fragestellungen zur Zukunft der Verteidigungsbeschaffung und zur Bedeutung einer evidenzbasierten Diskussion vor. Anschließend präsentierten Mitglieder des Forschungsteams ihre aktuellen Arbeiten zu verschiedenen Themenfeldern der Beschaffungsforschung. Die Beiträge umfassten unter anderem Forschung zur innovativen Beschaffung, zur anreizorientierten Steuerung von Lieferanten über Performance-Based Contracts sowie zur Verbesserung der Kundenorientierung durch digitale Zwillinge. Darüber hinaus wurden laufende empirische Forschungsprojekte vorgestellt, die unter anderem auf umfangreichen Datensätzen aus der Beschaffungspraxis sowie internationalen Benchmarking-Studien basieren.
Im Rahmen der Munich Security Conference 2026 nahm Prof. Dr. Michael Eßig am Deloitte Defense Dinner teil. In einer Diskussionsrunde zum Thema „Who will shape the defense ecosystem of the future – states, industry, or algorithms?“ diskutierten Vertreter aus Wissenschaft und Industrie über die zukünftige Entwicklung des Verteidigungsökosystems sowie über Fragen europäischer Souveränität, Innovation und Zusammenarbeit zwischen Staat und Industrie. Die Veranstaltung fand am 12. Februar 2026 in München statt und brachte Vertreter aus Verteidigungsindustrie, Wirtschaft und Forschung zusammen.
Prof. Dr. Michael Eßig (Arbeitsgebiet Beschaffung) sprach am 16. März 2026 auf dem 3. IHK-Netzwerktreffen „Defence und Gesamtverteidigung“ in Stuttgart zu aktuellen Entwicklungen in der Bundeswehrbeschaffung. Im Mittelpunkt stand die Transformation von einer kurzfristig beschleunigten Beschaffung hin zu einer strategisch ausgerichteten Beschaffung, die neben Geschwindigkeit verstärkt Innovation, Resilienz und Leistungsfähigkeit der Lieferketten adressiert. Vor dem Hintergrund steigender Beschaffungsvolumina wurde insbesondere die wachsende Bedeutung leistungsfähiger und innovativer Zulieferstrukturen hervorgehoben. Ein weiterer Fokus lag auf bestehenden Herausforderungen im Wettbewerbssystem, etwa hohen Markteintrittsbarrieren für neue Anbieter sowie einer bislang dominierenden Zuschlagserteilung nach dem niedrigsten Preis. Daraus ergeben sich zentrale Implikationen für die Weiterentwicklung der öffentlichen Beschaffung und die stärkere Integration von Innovationen.
Mit dem Beitrag „Wettbewerb in der Verteidigungsbeschaffung – Eine geografisch-quantitative und qualitativ-innovationsorientierte Analyse“ ist eine neue Publikation des Arbeitsgebiets Beschaffung in der Zeitschrift für das gesamte Vergaberecht (VergabeR) erschienen: Bangert, H. H., Glas, A. H., Eßig, M. (2026). Wettbewerb in der Verteidigungsbeschaffung - Eine geografisch-quantitative und qualitativ-innovationsorientierte Analyse. Zeitschrift für das gesamte Vergaberecht - Sonderheft für Beschaffung in Verteidigung und Sicherheit, 26, 2a, 267–289 Die Studie von Bangert, Glas und Eßig basiert auf einer umfassenden TED-Analyse von über 508.000 Vergaben (2017–2023), darunter 11.644 Verteidigungsvergaben mit einem Volumen von rund 15 Mrd. €, und ordnet die empirischen Erkenntnisse vor dem Hintergrund des neuen Bundeswehr-Planungs- und -Beschaffungsbeschleunigungsgesetz (BwPBBG) ein: • Geringe Wettbewerbsintensität: Im Verteidigungsbereich liegt die durchschnittliche Zahl der Angebote bei 2,38 je Vergabe. Mehr als 50 % der Lieferleistungs-Vergaben erhalten nur ein oder kein Angebot. • Starker nationaler Fokus: Von 11.644 Verteidigungsvergaben entfallen fast alle Zuschläge auf deutsche Unternehmen, während internationale Anbieter nur eine marginale Rolle spielen (absteigend ff.: Österreich 74, UK 54, Ungarn 44, ...). • Dominanz des Preiskriteriums: In 8.457 von 11.644 Verteidigungsvergaben erfolgt der Zuschlag ausschließlich nach dem niedrigsten Preis. • Fehlender Innovationswettbewerb: Das Zuschlagskriterium „Inno*“ wird kein einziges Mal in den Verteidigungsvergaben verwendet. • Vergaben mit hohem technischem Innovationspotential erhalten im Durchschnitt nur etwa 1,6 Angebote, während weniger innovative Beschaffungen auf rund 2,8–3 Angebote kommen. Die Ergebnisse verdeutlichen: Gerade in innovationsintensiven Beschaffungsfeldern ist der Wettbewerb besonders schwach ausgeprägt. Wettbewerb – insbesondere Innovationswettbewerb – entsteht nicht automatisch, sondern erfordert ein aktives „Wettbewerbsdesign“ durch öffentliche Auftraggeber. Der Beitrag liefert damit eine fundierte empirische Grundlage für die Weiterentwicklung der strategischen Beschaffung im Verteidigungssektor auf Basis wettbewerbstheoretischer Erkenntnisse.
In der Fachzeitschrift Management Review Quarterly ist der Beitrag „Catalyzing public procurement of innovation: a typology of intermediary functions“ von Hendrik Hermann Bangert, Christian von Deimling und Michael Eßig erschienen. Der Artikel untersucht die Rolle von Innovationsintermediären in der innovationsorientierten öffentlichen Beschaffung. Innovationsintermediäre werden dabei als Organisationen verstanden, die als Vermittler zwischen Akteuren im Innovationsprozess fungieren und Angebot und Nachfrage nach Innovation gezielt zusammenbringen. Die Forschung zu Innovationsintermediären ist umfangreich und seit vielen Jahren etabliert. Neu ist jedoch die systematische Übertragung dieser Perspektive auf die regulierte öffentliche Beschaffung, in der das vergaberechtliche Leitprinzip des Wettbewerbs zentrale Anforderungen an Transparenz, Nichtdiskriminierung und Offenheit stellt. Gerade in diesem Kontext wird der Abbau von Informationsasymmetrien zwischen öffentlichen Auftraggebern und Anbietern besonders relevant. Methodisch basiert die Studie auf einer systematischen Literaturübersicht mit anschließender strukturierter Inhaltsanalyse. Insgesamt wurden über 100 relevante Beiträge ausgewertet, um die Funktionen von Innovationsintermediären im Beschaffungskontext zu identifizieren und zu systematisieren. Als zentrales Ergebnis entwickelt der Beitrag eine funktionsbasierte Typologie mit sechs Intermediärstypen: Networker Mediator Foundation Layer Resource Orchestrator Tendering Facilitator Compliance Facilitator Diese werden unterschiedlichen Beschaffungssituationen zugeordnet und zeigen auf, wie Intermediäre entlang des gesamten Beschaffungsprozesses – insbesondere in frühen Phasen wie Marktsondierung und Bedarfsdefinition – zur Verbesserung von Wettbewerb und Innovation beitragen können.
Im Rahmen des Vergabesymposiums 2026 in der Jahrhunderthalle Bochum hielt Prof. Dr. Michael Eßig (Arbeitsgebiet Beschaffung) am 20. Mai 2026 einen datengestützten Impulsvortrag zur aktuellen Debatte um die Beschleunigung öffentlicher Beschaffung. Unter dem Titel „Vergabebeschleunigung: Mythos oder doch Realität?“ wurde anhand umfangreicher Vergabedaten untersucht, ob öffentliche Beschaffungsverfahren tatsächlich schneller werden und welche Faktoren die Dauer von Verfahren maßgeblich beeinflussen. Im Mittelpunkt standen dabei insbesondere: die tatsächliche Entwicklung von Verfahrensdauern, organisatorische und prozessuale Beschleunigungshebel, die Auswirkungen regulatorischer Reformen, sowie mögliche Zielkonflikte zwischen Geschwindigkeit, Wettbewerb und Innovationsfähigkeit. Der Vortrag zeigte, dass Beschleunigung weit über die Verkürzung gesetzlicher Fristen hinausgeht und vor allem eine strategische Betrachtung des gesamten öffentlichen Beschaffungsprozesses erfordert.
Am Dienstag den 02.06. findet die SCM-Vorlesung von 11:00 Uhr bis 12:30 Uhr in Raum 36/1114 statt.
Das Arbeitsgebiet Beschaffung der Universität der Bundeswehr München war auf dem 8. Berliner Kongress Wehrhafte Demokratie vertreten. Der Kongress brachte führende Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Bundeswehr, Sicherheitsbehörden, Wissenschaft und Wirtschaft zusammen, um aktuelle Herausforderungen der inneren und äußeren Sicherheit sowie der Verteidigungsfähigkeit Deutschlands zu diskutieren.
Das Arbeitsgebiet Beschaffung war bei der IHK-Veranstaltung „Aufträge rund um Sicherheit und Verteidigung“ vertreten. Im Mittelpunkt standen die Auswirkungen der sicherheitspolitischen Veränderungen auf die Beschaffung der Bundeswehr sowie die daraus resultierenden Anforderungen an Unternehmen und Lieferketten. Thematisiert wurden unter anderem innovationsorientierte Vergabeverfahren, resiliente Lieferketten sowie der Zugang von Start-ups und mittelständischen Unternehmen zum Verteidigungsmarkt. Im Rahmen der Veranstaltung gab Prof. Dr. Michael Eßig Einblicke in aktuelle Forschungsergebnisse des Arbeitsgebiets Beschaffung und diskutierte mit Vertreterinnen und Vertretern aus Wirtschaft und Praxis über zukünftige Herausforderungen und Entwicklungsperspektiven der Verteidigungsbeschaffung.
Im Herbsttrimester 2026 bietet das Arbeitsgebiet Beschaffung folgende Lehrveranstaltungen an: Einführung in die Allgemeine Betriebswirtschaftslehre (Vorlesung und Übung, 2+1 TWS) Die Vorlesung richtet sich an Studierende des 1.Trimesters WOW und WI. Die Inhalte werden mittels einer Übung vertieft. Logistikmanagement Die Vorlesung richtet sich an Studierende des 4. Trimesters Bachelor WOW und WI. Die Inhalte werden mittels einer Übung vertieft. Bachelorarbeitsseminar (Seminar, 2 TWS): Die Veranstaltung richtet sich an Studierende des 7. und 9. Trimesters Bachelor WOW, die ihre Bachelorarbeit am Arbeitsgebiet Beschaffung anfertigen möchten. Für diese Veranstaltung ist eine Anmeldung ab voraussichtlich Anfang September 2026 im ILIAS-System erforderlich. Strategisches Beschaffungsmanagement (Vorlesung, 2 TWS): Die Vorlesung richtet sich an Studierende des 10. Trimesters Master WOW, die den Schwerpunkt Supply Chain Management gewählt haben. Öffentliche Beschaffung und digitale Supply Chains (Vorlesung und Übung, 2+2 TWS) Die Vorlesung richtet sich an Studierende des 7.Trimesters DIV. Die Inhalte werden mittels einer Übung vertieft. Die detaillierten Informationen zur jeweiligen Lehrveranstaltung (Zeit, Ort, Dozierende, Lehrmaterial) können über das ILIAS-System der UniBw M unter folgendem Link eingesehen werden: https://go.unibw.de/beschaffunglehre
Zum 1. August 2026 verstärken Marie-Louise Pfeiffer und Elisabeth Roth das Arbeitsgebiet Beschaffung als wissenschaftliche Mitarbeiterinnen. Mit ihrem Einstieg erweitern sie das Forschungsteam und werden künftig an Forschungs- und Lehrprojekten in den Bereichen öffentliche Beschaffung, Supply Management und strategische Beschaffung mitwirken. Das Arbeitsgebiet Beschaffung heißt Frau Pfeiffer und Frau Roth herzlich willkommen und wünscht beiden einen erfolgreichen Start sowie viel Erfolg für ihre wissenschaftliche Tätigkeit an der Universität der Bundeswehr München.
Wie können öffentliche Auftraggeber innovative und leistungsfähige Lieferanten identifizieren, bevor ein Vergabeverfahren beginnt? Dieser Frage widmet sich der neue Fachartikel „Adapting signaling and screening theory to advance supply market orientation in public procurement: A review-based typology“ von Hendrik H. Bangert, Julia Werneth, Christian von Deimling und Michael Eßig, der im renommierten Fachjournal Management Review Quarterly erschienen ist. Ausgangspunkt der Studie ist die Erkenntnis, dass öffentliche Beschaffung ihre strategischen Ziele – etwa Innovation, Nachhaltigkeit oder Resilienz – nur erreichen kann, wenn öffentliche Auftraggeber ihre Beschaffungsmärkte systematisch verstehen und aktiv erschließen. Während sich die Forschung bislang vor allem auf das eigentliche Vergabeverfahren konzentriert hat, rückt der Beitrag die Beschaffungsmarktorientierung als zentrale Fähigkeit der vorgelagerten Beschaffungsplanung in den Mittelpunkt. Durch eine frühzeitige Identifikation neuer Lieferanten, Technologien und Markttrends können Informationsasymmetrien reduziert, Wettbewerb gestärkt und bessere Beschaffungsergebnisse erzielt werden. Auf Grundlage einer systematischen Literaturanalyse übertragen die Autorinnen und Autoren die Signaling- und Screening-Theorie aus der Informationsökonomik auf die öffentliche Beschaffung und entwickeln erstmals eine Typologie von fünf Strategien der Beschaffungsmarktorientierung – von der Beschaffungsmarkterkundung bis hin zur kontinuierlichen Beschaffungsmarktbeobachtung und langfristigen Beschaffungsmarktprognose. Damit zeigt der Beitrag Wege auf, wie öffentliche Auftraggeber ihre Beschaffung von einer überwiegend reaktiven Informationsbeschaffung zu einer strategischen und zukunftsorientierten Marktbearbeitung weiterentwickeln können.