Das öffentliche Beschaffungswesen nimmt bei jährlichen Beschaffungsausgaben von rund 350 Mrd. EUR allein in Deutschland eine außerordentlich bedeutende Rolle ein. Es verwundert also nicht, wenn die Europäische Kommission regelmäßig und mit zunehmender Dringlichkeit die Professionalisierung der öffentlichen Beschaffung fordert und anmahnt. Das dahinter liegende Kalkül zielt darauf ab, durch geschickt gewählte Beschaffungsstrategien Ressourcen an der einen Stelle einzusparen um Handlungsspielräume auf der anderen Seite zu eröffnen und frei gewordene Ressourcen hier zu investieren. Dazu werden allerdings nicht nur Beschaffungsstrategien benötigt, sondern auch deren Realisierung über effiziente Prozesse und Organisationsstrukturen, über ein kooperatives Zusammenspiel von Beschaffungs- und Fachstellen, über qualifiziertes Personal, über Fortschritte bei der Digitalisierung in der öffentlichen Beschaffung oder über Fortschritte bei der Datenanalyse des öffentlichen Beschaffungswesens zur Vorbereitung informierter Entscheidungen (oder automatisierter Entscheidungen). Betrachtet man demgegenüber die aktuelle Lage in der öffentlichen Beschaffung, so lässt sich oft eine eingeschränkte Ressourcensituation (in Form von Kapazitäten und Kompetenzen), ein heterogener Fortschritt bei der Realisierung der Forderungen der Europäischen Kommission und ein nicht zu vernachlässigender Rückstau von Beschaffungsvorhaben beobachten.

In diesem Spannungsfeld setzten die Forschungsaktivitäten des Forschungszentrums für Recht und Management in der öffentlichen Beschaffung (FoRMöB) an. Während sich das FoRMöB der generellen Fragestellung nach Möglichkeiten einer zunehmenden Professionalisierung der öffentlichen Beschaffung widmet, lassen sich insbesondere folgende Schwerpunkte herausstellen:

  1. Strategieformulierung und Strategieinhalte: Wie können wir in der öffentlichen Beschaffung Strategien entwickeln und umsetzen?
  2. Innovationen in der öffentlichen Beschaffung: In wie fern kann die öffentliche Beschaffung Innovationen fördern, beschaffen und für sich nutzen?
  3. Lebenszykluskosten in der öffentlichen Beschaffung: In wie fern können wir Lebenszykluskosten für strategische Beschaffungsentscheidungen einsetzen?
  4. Digitalisierung in der öffentlichen Beschaffung: In wie fern können wir die Anforderungen, die sich durch die Digitalisierung ergeben in der öffentlichen Beschaffung aufnehmen und umsetzen?
  5. Komplexitätsmanagement in der öffentlichen Beschaffung: Wie können wir Komplexität in der öffentlichen Beschaffung besser verstehen und handhaben?
  6. Einkaufskooperationen in der öffentlichen Beschaffung: Wie können wir gemeinschaftlich unsere Einkaufsaktivitäten gestalten um gemeinsam unsere Ziele (z.B. Nachhaltigkeit, Innovation, Wirtschaftlichkeit, etc.) zu realisieren?

Zur Lösung dieser Fragestellungen wird das FoRMöB von den Lehrstühlen für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, insbes. Beschaffung und Supply Management (Herr Prof. Dr. Eßig), Öffentliches Recht (Herr Prof. Dr. Rossen-Stadtfeld), Privatrecht (Herr Prof. Dr. Stefan Koos) sowie Mikroökonomie (Herr Prof. Dr. Karl Morasch) getragen. Das Forschungszentrum finanziert sich überwiegend aus den von diesen Professuren zur Verfügung gestellten Ressourcen sowie aus eingeworbenen Drittmitteln. Als zentralen Anlaufpunkt hat das Forschungszentrum eine Geschäftsstelle auf dem Campus der Universität der Bundeswehr München im Gebäude der Fakultät Wirtschafts- und Organisationswissenschaften.