Bauen im Einsatz

Bauen im Einsatz


 

SCHUTZ MILITÄRISCHER LIEGENSCHAFTEN IM AUSLAND

Multiple Gefährdungen:


 


 

 

Die möglichen Gefährdungen außerhalb Deutschlands oder Europas können sich erheblich von Erfahrungswerten unterscheiden. Außerdem entsprechen die regional zur Verfügung stehenden und eingesetzten Baumaterialien nur selten den gewohnten europäischen Standards. Aus diesem Grund ist die Anwendung deutscher oder europäischer Normen nur unter besonderer Berücksichtigung der Verhältnisse vor Ort möglich. Die Gefährdungskombinationen sind in einem integrierten Planungsansatz zu berücksichtigen.

 

 

Risikoanalyse und Risikobewertung:

Militärische Liegenschaften im Ausland sind in besonderer Weise multiplen außergewöhnlichen Einwirkungen ausgesetzt. Unter Naturgefahren wie Erdbeben, Wirbelstürmen und extremen Wintern als auch nach einem terroristischen oder militärischen Angriff mit Explosivmitteln bzw. bei Beschuss müssen militärische Liegenschaften noch einsatzbereit sein. Für Schlüsselgebäude wie beispielsweise Kommandozentren, Wachgebäude und Sanitätseinrichtungen gelten dabei besondere Anforderungen.

Ausgangspunkt aller Schutzmaßnahmen ist eine Bedrohungsanalyse und -bewertung durch die Liegenschaftsträger mit Hilfe nachrichtendienstlicher Erkenntnisse. Auch die Forderungen für den Schutz der Liegenschaft oder einzelner Gebäude werden in einem festgelegten Verfahren definiert.

Die Risikoanalyse und -bewertung bildet den Ausgangspunkt für die Ermittlung und Festlegung der Einwirkungen auf Gebäude und Gefährdungsszenarien für die Liegenschaft.

 

Berechnungsverfahren:


 

 

Für die sicherheitsorientierte Auslegung der baulichen Anlagen müssen verschiedene Software-Tools herangezogen werden. Neben selbst entwickelten Programmmodulen und einfachen Analyseprogrammen zur Schnellbewertung der Auswirkungen von Explosionen und Beschuss, kommen Standard-Programme der Baupraxis zum Einsatz. Zur Berechnung der Ausbreitung der Druckstoßwellen und der Interaktion mit der baulichen Infrastruktur werden Multi-Physics-Programme verwendet.

Mit dieser Programmauswahl kann das Spektrum der notwendigen linearen und nichtlinearen, statischen und dynamischen Berechnungen abgedeckt werden. Insbesondere kann das bei kurzzeitigen Belastungen auftretende verzerrungsratenabhängige Material- und Bauteilverhalten simuliert werden.

 

Schutz und Sicherheit:


 

 

Der Lehrstuhl für Baustatik unterstützt die deutschen militärischen Kontingente der Bundeswehr bei der Umsetzung von Bauvorhaben im Norden Afghanistans und anderen Einsatzgebieten. Häufig müssen dabei auch Bauweisen mit besonderer Schutzwirkung angewendet werden (s. Abb. oben).

Bei multiplen Gefährdungen ist es von besonderer Bedeutung, Synergieeffekte aber auch Zielkonflikte baulicher Ertüchtigungsmaßnahmen zu erkennen, um daraus Handlungsanweisungen für das Bauen im Einsatz zu gewinnen.