Heft 90/2015

Schriftenreihe
des Instituts für Geodäsie



Heft 90/2015

KRACK, Klaus / OBERHOLZER, Gustav

Die Ostausrichtung der mittelalterlichen Kirchen und Gräber

194 S.

Auflage:  200

ISSN:  0173-1009

Inhaltsverzeichnis

Vorwort


 


Inhaltsverzeichnis

Vorwort
 
5
 
1.  Einleitung 7
 
Teil A - Grundlagen -
 
 
2. Die Ursprünge der Ostung in der christlichen Religion 9
    2.1  Die mittelalterliche Deutung der Himmelsrichtungen 11
    2.2  Die Ostorientierung der mittelalterlichen Kartographie 13
    2.3  Biologisch deterministische Orientierung nach der Sonne
 
17
 
3. Geschichtlicher Rückblick auf die Orientierung von Kirchen und
    Gräbern

20
    3.1  Spätrömische Zeit 20
    3.2  Mittelalterliche Zeit 23
    3.3  Nachmittelalterliche Zeit
 
29
 
    Literaturverzeichnis und Abbildungsnachweis zu Teil A 1 - A 3
 
34
 
4. Die Kirchenrichtungen aus geodätisch-astronomischer Sicht 36
    4.1  Einführung 36
    4.2  Orientierung mit dem Polarstern 39
    4.3  Praktische Beobachtung des Polarsterns und Markierung der
           Ostrichtung

41
    4.4  Orientierung mit dem magnetischen Kompass 42
    4.5  Orientierung nach Osten mit der Sonne 43
    4.6  Orientierung am Sonnenaufgang 45
    4.7  Das Osterdatum 45
    4.8  Praktische Gesichtspunkte zur Sonnenbeobachtung
 
47
 
    Literaturverzeichnis und Abbildungsnachweis zu Teil 4
 
 
48

 
Teil B - Gebietsanalysen -
 
 
1. Die Analyse der Ostorientierung einzelner Kirchengebiete 50
    1.1  Die Gliederung der Analyse
 
50
 
2. Zur Auswahl der Kirchen
 
51
 
Die Richtungsanalyse der Kirchen
 
 
  1. Baden-Württemberg BW 53
  2. Bayern BY 76
  3. Deutschland Nordwest NW 89
  4. Deutschland Nordost NO 102
  5. Osten (Österreich, Tschechien, Ungarn, Polen), O 110
  6. Schweiz CH 121
  7. Benelux (Niederlande, Belgien, Luxemburg), BE 127
  8. Frankreich F 131
  9. Britannien (England, Irland), BRIT 143
10. Skandinavien (Dänemark, Norwegen, Schweden), SK 156
11. Iberische Halbinsel (Spanien, Portugal), IB 161
12. Italien I
 
 
167

 
Teil C - Zusammenfassung -
 
180
 
Anhang 187
Literaturverzeichnis zu Teil B und C 190
Abbildungsnachweis zu Teil B und C 193
Glossar 194
 

 
Vorwort

Im Jahr 2010 befasste sich Gustav Oberholzer, der früher die "Landentwicklung" an der Universität der Bundeswehr in München gelehrt hat, mit der Kirchengeschichte einiger Dörfer des südlichen Schwarzwaldes. Dabei entdeckte er das Protokoll einer Tagfahrt des Bezirksamts Waldshut von 1901 [12], in dem folgender Sachverhalt festgehalten wurde:

"Ein im Kirchspiel ausgebrochener Streit besteht in folgendem: Pfarrer von Bank, ein ruhiger und freundlicher alter Herr, hat den Unwillen eines Teils seiner Pfarrkinder erregt, weil er im Benehmen mit dem Bürgermeister Eduard Schmid anordnete, daß die Gräber im Kirchspielfriedhof so angelegt werden sollten, daß die Inschriften der Denksteine und Kreuze nach der Kirche und dem den Kirchhof durchschneidenden Hauptzugangsweg gekehrt sind. Letzterer Weg wird auch als Zugang zum Pfarrhaus benutzt und es ist zuzugeben, daß die Abkehrung der Inschriften von diesem Weg einen eigentümlichen Eindruck machte. Nun besteht aber im ganzen alemannischen Land die offenbar aus vorchristlicher Zeit herüber gekommene Sitte, die Gräber so anzulegen, daß das Gesicht der Toten und die Inschrift der Denkzeichen gegen die aufgehende Sonne schauen. Auf diese Sitte, sowie auf die durch Umdrehung der Grabsteine entstehenden Kosten und auf die ungünstigen Witterungsverhältnisse, welche sich auf die nach Westen gekehrten Inschriften geltend machen, wurde von einem Teil der Bevölkerung hingewiesen. Einzelne Schreier zogen gegen die Maßnahmen des Bürgermeisters und Pfarrers los unf veranlaßten Abstimmungen in den einzelnen Kirchspielgemeinden, welche auf Wunsch der Bevölkerung die Beibehaltung der seitherigen Sitte ergaben. Die Angelegenheit ist nun nicht mehr so leicht in Ordnung zu bringen. Mit dem geänderten Verfahren ist begonnen und muss fortgefahren werden, wenn nicht große Unordnung im Friedhof entstehen soll. Hauptfehler liegt darin, daß sich der Pfarrer nicht vorher über die Stimmung der Bevölkerung vergewisserte ... ".

Überraschen ist, daß sich damals die Bürger noch an einen vorchristlichen, also germanischen Brauch erinnert haben, vom dem der Pfarrer wohl keine Ahnung mehr hatte.

Nun begannen die örtlichen Nachforschungen. Dabei wurde folgendes festgestellt:

a) Die Hochsaler Kirche, 1088 erbaut, liegt mit ihrer Achse nicht genau in West-Ostrichtung, sondern ist um 21° nach Nordosten gedreht. Eine benachbartze Kapelle von 1436 dagegen ist fast genau nach Osten orientiert, mit einer Abweichung von nur 2° nach Südosten.
 
b) Die Gräber lagen einst alle parallel zur Kirchenachse. Die Toten wurden so bestattet, dass ihr Angesicht nach Osten schaute. Die Grabsteine am Kopfende waren ebenfalls mit ihrer Inschrift nach Osten gerichtet.

Damit begann eine lange Reihe von Fragen, die sich nach und nach auftaten. Ein katholischer Theologe, der auf die West-Ost-Orientierung angesprochen wurde, sprach von einem ursprünglich heidnischen Brauch - ex oriente lux -, aber auch von einer sinnbildlichen Zuweisung der Sonne zum auferstandenen Christus.

Die Sichtung der Literatur zum Thema Ostausrichtung der mittelalterlichen Kirchen, auch Ostung genannt, ergab, dass noch viele Fragen dazu offen sind. Mit der Möglichkeit der heutigen Technik, im Internet fast alle Kirchen dieser Welt von oben her betrachten und ihre Himmelsrichtung ausmessen zu können, sahen wir gute Chancen, das Thema zu vertiefen und insbesondere auf ganz Europa auszudehnen. Dabei stand vor allem die Dokumentation der exakten Richtung der Kirchenachsen im Mittelpunkt, weniger die dahinterstehenden Glaubensinhalte.

Mit Klaus Krack konnte ein Kollege gefunden werden, der früher auch die geodätische Astronomie am Geodätischen Institut der Universität der Bundeswehr München gelehrt hat und der sich für das Thema sogleich begeistern ließ.

Wir haben unsere Arbeit so aufgeteilt, dass Klaus Krack mehr die geodätisch-astronomische Seite, Gustav Oberholzer mehr die kulturhistorische Seite übernahm, insbesondere auch die Auswahl der Kirchen. Dabei waren und sind wir heute noch sehr dankbar, dass wir die technische Hilfestellung des Geodätischen Instituts der Universität der Bundeswehr München und tatkräftige Unterstützung der Universitätsbibliothek nutzen konnten.

Die eindrucksvolle Spur des Mittelalters ist auch heute noch die Ostausrichtung seiner vielen Gotteshäuser, doch das Wissen darüber ist fast verloren gegangen. Dieses kulturelle Erbe wieder bewusst und lebenig werden zu lassen, ist das Ziel unserer Arbeit.

München im Sommer 2015
          Klaus Krack
    Gustav Oberholzer
 


 
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