Die Zeppelin-Studienexpedition nach Spitzbergen (1910)

Schriftenreihe
des Instituts für Geodäsie

Heft 88/2012


 
Die Zeppelin-Studienexpedition nach Spitzbergen (1910)

Cornelia LÜDECKE
 

In: LÜDECKE, Cornelia / BRUNNER, Kurt (Hrsg.) [2012]:
Von A(ltenburg) bis Z(eppelin).
Deutsche Forschung auf Spitzbergen bis 1914.
100 Jahre Expedition des Herzogs Ernst II. von Sachsen-Altenburg.

Tagungsband der Tagung 2011 des Fachausschusses Geschichte der Meteorologie der Deutschen Meteorologischen Gesellschaft und des Arbeitskreises Geschichte der Polarforschung der Deutschen Gesellschaft für Polarforschung, Naturkundliches Museum Mauritianum, Altenburg, 24.-25. September 2011.
Redaktion: Cornelia LÜDECKE, Uwe G. F. KLEIM.
Schriftenreihe des Instituts für Geodäsie der Universität der Bundeswehr München, Heft 88, Neubiberg, S. 99-107.
 



Gliederung

Zusammenfassung
Summary
 
1. Einleitung
2. Expeditionsziele
3. Aerologische Erkundungen
4. Favorisierte Luftschiffhäfen
5. Ausgewählte Expeditionsergebnisse
6. Weiterführende Projekte
7.

Literatur und Quellen



Zusammenfassung

Mit der Weiterentwicklung seiner Luftschiffe kam Graf FERDINAND VON ZEPPELIN (1838-1917) die Idee, sie künftig als Forschungsplattform für die geographische Erkundung in der Arktis einzusetzen. Während einer Studienreise nach Spitzbergen sollten im Jahr 1910 die Grundlagen der Verwendbarkeit von Zeppelinen als neues Verkehrsmittel in der Arktis geschaffen werden. Die Luftschiffverankerung im Eis war zu testen und ein geeigneter Ort für den künftigen Luftschiffhafen zu finden. Das Hauptaugenmerk der Expedition lag jedoch auf der Untersuchung der meteorologischen Bedingungen in hohen Luftschichten, um mit diesen Informationen eine künftige aerologische Navigation in der Arktis entwickeln zu können. Daneben sollten auch die Eisverhältnisse von Spitzbergen und die physikalischen Verhältnisse des durchkreuzten Meeresbeckens untersucht werden. Für ihre Forschungen hielt sich die Zeppelin-Studien-Expedition vom 16. Juli bis 10. August 1910 an wechselnden Standorten vor der Westküste Spitzbergens auf. Es zeigte sich, daß die starren Zeppeline für Flüge in der Arktis technisch erst noch weiterentwickelt werden mussten. Als Grundvoraussetzung wurde die vollkommene Betriebssicherheit, gepaart mit einer Mindestgeschwindigkeit von rund 70 km/h und einer ununterbrochenen Reisedauer von 48 Stunden angesehen. Aus den Ergebnissen der Studienreise ergab sich die Notwendigkeit, eine ganzjährig besetzte aerologische Station auf Spitzbergen einzurichten. Zu diesem Zweck wurde im Sommer 1911 in Advent Bay das Deutsche Observatorium gegründet, welches ab 1912 in Ebetofthamna (Cross Bay) bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges mit jährlich wechselndem Personal in Betrieb war. Damit wurde erstmals an einer Polarstation ein kontinuierlicher Zeitschnitt durch die hohen Schichten der polaren Atmosphäre aufgenommen und damit die Grundlage zur Planung des künftigen arktischen Luftverkehrs gelegt. Erst in der 1924 verbreiteten Denkschrift der Internationalen Studiengesellschaft zur Erforschung der Arktis mit Luftfahrzeugen (Aeroarctic) wurde diese Idee wieder aufgegriffen.
 



Summary

While developing his rigid airships, Graf FERDINAND VON ZEPPELIN (1838-1917) came to consider that they might be used as platforms for scientific and geographical investigations in the Arctic. Accordingly, Graf ZEPPELIN conducted a study expedition to Spitsbergen in 1910 to assess whether airships could successfully be moored there, and if a suitable site for a future airship port could be found. However, the expedition’s main focus was to investigate the meteorological conditions in high air layers, with a view to future aerial navigation in the Arctic, while also studying the ice conditions in Spitsbergen and the physical conditions of the adjacent ocean basin. The expedition traveled around the west coast of Spitsbergen from 16 July to 10 August 1910. It was concluded that the rigid type of airship required further development in order to be successfully used in these conditions, including greater reliability in operation and the ability to operate up to 48 hours continuously at a minimum of 70 km/h. In addition to these technical recommendations, the expedition advised the establishment of a year-round aerological station on Spitsbergen. A German observatory was consequently founded at Advent Bay in the summer of 1911, moving to Cross Bay in 1912 and remaining operational until the outbreak of World War One with an annual change of personnel. This was the first time that a continuous cross section of high polar air layers was recorded, laying the basis for future Arctic air traffic. The idea was not taken up again until 1924, when it re-emerged in a memorandum published by the International Society for the Exploration of the Arctic Regions by Means of Aircraft (“Aeroarctic“).
 



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