Brunner-Luedecke Kapitel 2

Schriftenreihe


des Instituts für Geodäsie

 

Heft 88/2012
 


 
Übung für die Antarktis  -

Wilhelm Filchners Vorexpedition nach Spitzbergen im Jahr 1910

Ein Beitrag zur Expeditionskartographie

Kurt BRUNNER / Cornelia LÜDECKE

In: LÜDECKE, Cornelia / BRUNNER, Kurt (Hrsg.) [2012]:
Von A(ltenburg) bis Z(eppelin).
Deutsche Forschung auf Spitzbergen bis 1914.
100 Jahre Expedition des Herzogs Ernst II. von Sachsen-Altenburg.

Tagungsband der Tagung 2011 des Fachausschusses Geschichte der Meteorologie der Deutschen Meteorologischen Gesellschaft und des Arbeitskreises Geschichte der Polarforschung der Deutschen Gesellschaft für Polarforschung, Naturkundliches Museum Mauritianum, Altenburg, 24.-25. September 2011.
Redaktion: Cornelia LÜDECKE, Uwe G. F. KLEIM.
Schriftenreihe des Instituts für Geodäsie der Universität der Bundeswehr München, Heft 88, Neubiberg, S. 69-76.

 


 

2.  Expeditionsverlauf

Der Zeitpunkt war günstig, denn im Rahmen des Internationalen Geologenkongresses, der 1910 von DE GEER in Stockholm ausgerichtet wurde, war eine Expedition nach Spitzbergen geplant. An Bord des dafür vorgesehenen Dampfers konnte FILCHNER mit seinen fünf Expeditionskameraden samt ihrer Ausrüstung nach Spitzbergen gelangen. Allerdings gab es keinen zusätzlichen Platz für die lappländischen Ponys, die zum Ziehen der schweren Schlitten vorgesehen waren. Weil das Gepäck jedoch nicht auf Gewichtsersparnis ausgelegt war, musste die Ausrüstung noch an Bord gesichtet und für den Transport auf den von den Männern selbst gezogenen Schlitten reduziert werden.

Am 4. August 1910 landete FILCHNER mit seinen Begleitern, dem Meteorologen ERICH BARKOW (1882-1923), dem Geographen HEINRICH SEELHEIM (*1884), dem Astronomen ERICH PRZYBYLLOK (1880-1954), dem Geologen HANS PHILIPP (1878-1944) sowie dem Arzt und alpinen Berater KARL POTPESCHNIGG (*1875) aus Österreich und ihrem Polarspitz „Björn“ auf Spitzbergen (Abb. 1).

Die Männer mussten sich nun selbst vor die mit Material und Proviant schwer beladenen Nansenschlitten spannen und alles den Gletscher hinaufziehen, was viel Kraft und Zeit in Anspruch nahm. Glücklicherweise konnte die Ausrüstung durch geschickte Improvisation den tatsächlichen Erfordernissen etwas angepasst werden. Das Auskundschaften des Weges, Auf- und Abbrechen der Lager, Kochen und Reparaturen waren ebenfalls zeitaufwendig, so dass neben der topographischen Aufnahme kaum andere Untersuchungen durchgeführt werden konnten.

Am 11. August 1910 erreichten sie nach orkanartigen Stürmen den höchsten Punkt des Von-Post-Gletschers (Von Postbreen), wo sie an der Wasserscheide ihr Zentrallager (Lager 6) einrichteten (Abb. 2). Mit leichtem Gepäck ging ein Teil der Gruppe den Prinzregent-Luitpold-Gletscher (heute Tunabreen) hinunter, während der Astronom und der Meteorologe im Lager blieben, um ihre Messungen fortzuführen.

Die Rückreise endete am 18. August an der Advent Bay. Von den Einschränkungen, die sich durch die Gewichtsreduktion ergeben hatten, einmal abgesehen, verlief die Vorexpedition insgesamt recht erfolgreich. Ihr detaillierter Verlauf wurde von Filchner/Seelheim [1911] beschrieben. FILCHNERs ursprüngliche Idee, die Gletscherdurchquerung mit Pferden durchzuführen, erwies sich nach den Erfahrungen der Männer als völlig unrealistisch.

 

Abb. 1:  Die Teilnehmer der Spitzbergenexpedition 1910 (Quelle: Filchner/Seelheim [1911, Tafel 11]).

 

Abb. 2:  Geographische Übersicht von Spitzbergen mit der Route von FILCHNERs Vorexpedition (Quelle: Filchner [1950, S. 97]).

 

 


 

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