Heft 79/2004

Schriftenreihe
des Instituts für Geodäsie



Heft 79/2004

EBNER, Matthias

Ein Beitrag zur monetären Bewertung von digitaler Netzinformation in Versorgungsunternehmen

Dissertation
III, 101 S.

[nur in digitaler, nicht in gedruckter Form erschienen]

Inhaltsverzeichnis

Zusammenfassung

Ausblick


 


Vollständiger Abdruck der von der Fakultät für Bauingenieur- und Vermessungswesen der Universität der Bundeswehr München zur Erlangung des akademischen Grades eines Doktor-Ingenieurs (Dr.-Ing.) genehmigten Dissertation.

Promotionsausschuss  
Vorsitzender: Univ.-Prof. Dr.-Ing. W. Caspary
1. Berichterstatter: Univ.-Prof. Dr.-Ing. W. Reinhardt
2. Berichterstatter: O. Univ.-Prof. Dipl.-Ing. Dr. techn.
A. U. Frank, TU Wien

Die Dissertation wurde am 24. März 2004 bei der Universität der Bundeswehr München eingereicht.

Tag der mündlichen Prüfung:  3. Juni 2004
 



Inhaltsverzeichnis

Einführung 1
1.1 Netzinformation als Wettbewerksfaktor 1
1.2 NI-Produkte 2
1.3 Problemstellung 4
1.4 Ziele und Aufbau der Arbeit 5
 
2  Grundlagen und Begriffe 9
2.1 Netzdokumentation im Versorgungsunternehmen 9
2.1.1 Die Notwendigkeit der Netzdokumentation 9
2.1.2 Rechtliche Aspekte 10
2.1.3 Wirtschaftliche Aspekte 11
2.1.4 Die Form der Netzdokumentation 11
2.2 Kritische Faktoren bei der Bereitstellung der neuen
NI-Produkte

13
2.2.1 Ausgangssituation 13
2.2.2 Phasen bei der Bereitstellung von NI-Produkten 15
2.2.2.1 Ist-Erhebung und Anforderungsanalyse 16
2.2.2.2 Fachliches Konzept 17
2.2.3 Zusammenfassung 18
2.3 Prozessmanagement in den NI-relevanten Prozessen 19
2.3.1 Der Begriff Prozess 19
2.3.2 Der Begriff Prozessorientierung 21
2.3.3 Prozessidentifikation 21
2.3.4 Bestandteile und Ziele des Prozessmanagements 22
2.3.5 Prozesse im Versorgungsunternehmen 22
2.3.5.1 NI-Prozesse 23
2.3.5.2 NI-gestützte Prozesse 23
2.4 Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen 24
2.4.1 Begriffe 24
2.4.2 Problematik des Bewertens 25
2.4.3 Bewertungsverfahren 27
2.4.4 Verfahren zur monetären Bewertung von
Zeiteinsparungen

28
2.4.4.1 Times Saving Times Salary Model 28
2.4.4.2 Hedonic Wage Model 29
2.4.5 Stand der Wissenschaft
 
31
3  Das Konzept der monetären Bewertung 33
3.1 Merkmale von NI-Produkten 33
3.2 Kosten und Nutzen der NI-Produkte 35
3.2.1 Kosten- und Nutzendifferenz 35
3.2.2 Kosten von NI-Produkten 36
3.2.2.1 Kosten für den Anbieter 37
3.2.2.2 Kosten für die einzelnen Kunden 38
3.2.3 Nutzen von NI-Produkten 38
3.2.3.1 Nutzer für den Anbieter 40
3.2.3.2 Nutzer für die einzelnen Kunden 41
3.3 Kosten- iund nutzenorientierte Bewertung der NI-Produkte 41
3.3.1 Kostenorientierte Bewertung 41
3.3.2 Nutzenorientierte Bewertung 42
3.3.2.1 Absolute monetäre Bewertung durch Abschätzung von Folgekosten
42
3.3.2.2 Relative monetäre Bewertung von Alternativen 43
3.4 Bewertungssituation der NI-Produkte 44
3.5 Preistheorie - Anwendung auf die NI-Produkte 46
3.6 Zusammenfassung 48
 
4  Die Methode zur Ermittlung und montären Bewertung
    von Zeiteinsparungen

49
4.1 Referenzmodell 49
4.1.1 Bestandteile des Referenzmodells 49
4.1.2 Haupt- und Teilprozesse des Referenzmodells 50
4.2 Teilprozess Auskunftserteilung 53
4.2.1 Die Notwendigkeit elementarer Arbeitsschritte 53
4.2.2 Analyse und Vergleich der Situation vor und bei Einsatz neuer NI-Produkte
54
4.2.3 Ermittlung von Zeiteinsparungen und monetäre Bewertung 56
4.2.4 Möglichkeiten und Grenzen der Verwendung von Zeiteinsparungen
58
4.2.5 Auswirkungen von neuen NI-Produkten 59
4.3 Hauptprozess Instandhaltung 59
4.3.1 Ereignisgesteuerter Ablauf des Hauptprozesses Instandhaltung
61
4.3.2 Analyse und Vergleich der Situation vor und bei Einsatz neuer NI-Produkte
61
4.4 Zusammenfassung 65
 
5  Bedeutung der Methode 67
5.1 Zuordnung der Nutzenpotenziale zu Anbieter und einzelnen Kunden
70
5.2 Abhängigkeiten zwischen den Nutzenpotenzialen 70
5.3 Monetär bewertbare Nutzenpotenziale 71
5.4 Monetäre Bewertbarkeit von Merkmalen der neuen NI-Produkte
72
5.5 Gesondert zu untersuchende Nutzenpotenziale 75
5.6 Neue Einteilung der Nutzenpotenziale von NI-Produkten 77
5.7 Beurteilung der Methode 77
 
6  Zusammenfassung und Ausblick 83
6.1 Zusammenfassung 83
6.2 Ausblick 86
 
Literaturverzeichnis 89
 
Schlusswort 99
 
Lebenslauf
 
101

 
Zusammenfassung und Ausblick

Zusammenfassung

Bei der Einführung und der Pflege eines NIS bestehen vielfältige technische und organisatorische Herausforderungen. Sowohl in der Wissenschaft als auch in der Praxis standen bisher die technischen Herausforderungen im Mittelpunkt des Interesses. Die organisatorischen Herausforderungen dagegen wurden in der Vergangenheit, gemessen an ihrer Bedeutung, wenig behandelt. Dies führt vielfach dazu, dass die neuen aus dem NIS erzeugten NI-Produkte nicht die Anforderungen der Nutzer erfüllen. Dazu kommen oft unerwartet hohe Kosten für die Her- und Bereitstellung der neuen Produkte. In der Folge kommt vermehrt die Frage nach dem monetär bewerteten Nutzen des NIS und der daraus erzeugten Produkte auf.

In der Literatur existieren nur wenige Ansätze, die sich mit der Kosten-/Nutzenanalyse bei der Einführung eines NIS beschäftigen. Dabei handelt es sich nicht um Wirtschaftlichkeitsrechnungen, sondern um Wirtschaftlichkeitsanalysen, die meist zum Ziel haben, eine Entscheidung über die Einführung eines NIS treffen zu können. Während die Kostenpositionen identifiziert sind und zum Großteil monetär bewertet werden, wird das Nutzenpotenzial der neuen NI-Produkte durch Punktewerteverfahren abgeschätzt. In keinem der recherchierten Ansätze gelingt eine nachvollziehbare monetäre Bewertung des Nutzens der neuen gegenüber dem der bisher eingesetzten Produkte, das heißt der Nutzendifferenz der Produkte.

Der Arbeit liegt deshalb folgende Hypothese zugrunde:

Hypothese
Durch einen neuen Ansatz wird die Ermittlung der Nutzendifferenz zwischen den neuen und den bisher eingesetzten NI-Produkten systematisiert. Es wird deutlich, dass der Großteil der Nutzenpotenziale der neuen Produkte nachvollziehbar monetär bewertet werden kann.

Dieser Ansatz besteht aus einem Konzept der monetären Bewertung (vgl. Kapitel 3) und einer Methode (vgl. Kapitel 4), die im Rahmen des Konzepts anzuwenden ist. Die wesentlichen Komponenten des Ansatzes sowie die damit erzielten Ergebnisse werden im Folgenden zusammengefasst.

Der Ansatz beruht darauf, dass ein Anbieter im Versorgungsunternehmen die benötigten NI-Produkte erzeugt und diese den einzelnen Kunden bereitstellt. Ein Kunde bezieht für jede konkrete Fragestellung, die sich im Rahmen seiner Tätigkeiten ergibt, ein NI-Produkt, mit dem diese unterstützt wird. Die konsequente Trennung von Anbieter und einzelnen Kunden der NI-Produkte ist neu (vgl. Abschnitt 1.2). Dadurch wird die erforderliche Übersichtlichkeit für eine getrennte Betrachtung der Nutzendifferenz beim Anbieter und bei einzelnen Kunden erreicht. Gegenstand der Arbeit ist die Nutzendifferenz, die bei den einzelnen Kunden entsteht.

Kapitel 2 behandelt Grundlagen und Begriffe, die zum Verständnis der Arbeit notwendig sind. Dabei wird insbesondere die Bedeutung des Prozessmanagements als Kern der vorgestellten Methode heraus gestellt (vgl. Abschnitt 2.3). Die konsequente Prozessorientierung ist im Zusammenhang mit der Wirtschaftlichkeitsbetrachtung von NI-Produkten neu. Sie ist die Voraussetzung für die zuverlässige Ermittlung von Zeiteinsparungen, die durch den Einsatz neuer NI-Produkte im Versorgungsunternehmen entstehen. Ermittelte Zeiteinsparungen können durch die vorgestellten anerkannten Bewertungsverfahren in Personalkosten umgerechnet werden (vgl. Abschnitt 2.4.4).

In dem Konzept der monetären Bewertung (vgl. Kapitel 3) sind zunächst die Merkmale von NI-Produkten Gegenstand der Betrachtung. NI-Produkte sind durch mehrere Merkmale gekennzeichnet. Es gibt Merkmale, die zu vergleichende NI-Produkte gleichermaßen aufweisen und in Bezug auf die für die Produkte die gleichen Anforderungen bestehen. Zudem wird im Weiteren vorausgesetzt, dass die Produkte diese Anforderungen gleichermaßen erfüllen. Das bedeutet, dass die Kunden für diese Art der Merkmale die gleichen Merkmalswerte vergeben. Beispielsweise soll für das Merkmal Qualität der Daten (ISO, 2002) der Merkmalswert der Produkte jeweils ausreichend hoch sein (vgl. Abschnitt 3.1).

Gleiche Merkmalswerte in den beschriebenen Merkmalen werden vorausgesetzt, weil unterschiedliche Merkmalswerte sich auf die zu ermittelnde Nutzendifferenz der NI-Produkte auswirken und das Ergebnis verfälschen würden. Diese Voraussetzung hat zur Folge, dass ein Kunde die gewünschte Information in der geforderten Qualität mit den neuen ebenso wie mit den bisher eingesetzten Produkten beschaffen kann. Das bedeutet, dass die Kunden unabhängig davon, welche Produkte sie einsetzen, zu den gleichen Entscheidungen gelangen. Es besteht demnach keine Nutzendifferenz zwischen den zu vergleichenden Produkten aufgrund einer Verbesserung von Entscheidungen.

Die Nutzendifferenz ergibt sich gemäß dem Konzept der monetären Bewertung aufgrund von den Merkmalen, in denen sich die zu vergleichenden Produkte unterscheiden. Beispielsweise zeichnen sich die neuen NI-Produkte im Gegensatz zu den bisher eingesetzten oft durch einen guten Merkmalswert für die Zugriffgeschwindigkeit aus.

Eine Nutzendifferenz aufgrund der Unterschiede in den Merkmalen der Produkte kann sich aus folgenden beiden Faktoren (vgl. Abschnitt 3.2) zusammensetzen:

  • Es entstehen den Kunden höhere Einnahmen durch den Einsatz der neuen NI-Produkte. Das ist der Fall, wenn die Kunden für die Ergebnisse ihrer eigenen Prozesse höhere Einnahmen erzielen als bisher. Der Beitrag der höheren Einnahmen zur Nutzendifferenz ist im Falle der NI-Produkte und für die meisten Kunden meist vernachlässigbar gering (vgl. Abschnitte 3.2 und 5.5).
  • Es entstehen den Kunden insgesamt geringere Kosten durch den Einsatz der neuen NI-Produkte. Die einzelnen Kostenpositionen der Kunden vor und bei Einsatz der neuen Produkte sind aus der Literatur bekannt. Die Differenz der Kosten dieser Kostenpositionen stellt für die Kunden den wesentlichen Beitrag für ihre Nutzendifferenz dar.

Der Ansatz beim Vergleich des Nutzens der NI-Produkte lautet zusammengefasst:

Kostendifferenz (€)  ≈  Nutzendifferenz (€)

Innerhalb der zu betrachtenden Kosten bilden eingesparte Personalkosten den für die Arbeit relevanten Beitrag zur Nutzendifferenz. Diese eingesparten Personalkosten sowie die zugrunde liegenden Zeiteinsparungen wurden bisher in der Literatur nicht nachvollziehbar ermittelt. Im Gegensatz dazu kann die Differenz der übrigen Kosten gemäß der Einschätzung in der Literatur monetär bewertet werden. Ziel der Arbeit ist deshalb die monetäre Bewertung der Zeiteinsparungen, die die einzelnen Kunden durch den Einsatz von neuen NI-Produkten erreichen.

Durch die ermittelte Nutzendifferenz kann jeder Kunde die Wirtschaftlichkeit seiner neuen NI-Produkte im Vergleich zu den bisher eingesetzten erkennen. Es handelt sich dabei um eine relative Bewertung der Wirtschaftlichkeit (vgl. Abschnitt 3.3.2.2). Eine absolute Bewertung der Wirtschaftlichkeit der bisher eingesetzten oder der neuen NI-Produkte wird dadurch nicht erreicht. Eine absolute Bewertung kann nur durch die Methode der Abschätzung von Folgekosten erfolgen. Diese ist jedoch mit großer Unsicherheit behaftet und wird deshalb über die Ausführungen in Abschnitt 3.3.2 hinaus nicht weiter verfolgt.

Das Ergebnis der relativen Wirtschaftlichkeitsrechnung der NI-Produkte kann im Weiteren als Grundlage für eine Preisfindung zwischen dem Anbieter und den einzelnen Kunden dienen. So wird z.B. kein Kunde für die neuen NI-Produkte mehr bezahlen als den monetären Wert, den seine Wirtschaftlichkeitsrechnung ergibt. Wenn der Anbieter und die einzelnen Kunden auf Basis der anzuwendenden Preistheorie (vgl. Abschnitt 3.5) zu einer Preisfindung für die neuen NI-Produkte kommen, hat auch der Anbieter einen entscheidenden Anhaltspunkt für die Wirtschaftlichkeit der von ihm erzeugten NI-Produkte.

In Kapitel 4 wird die grundsätzliche Praxistauglichkeit der Methode zur Ermittlung von Zeiteinsparungen auf Basis eines Referenzprozessmodells (vgl. Abschnitt 4.1) aufgezeigt. In einem ersten Beispiel aus der eigenen Projektarbeit (vgl. Abschnitt 4.2) wird ein Arbeitsschritt des Referenzmodells in elementare Arbeitsschritte zerlegt und werden die dafür angegebenen Durchlaufzeiten verglichen. Die ermittelten Zeiteinsparungen werden in einen monetären Wert umgerechnet. Anhand des Ergebnisses dieser monetären Bewertung lässt sich erkennen, dass die Personalkosteneinsparungen sehr hoch sein können und weiteres Kosteneinsparpotenzial um ein Vielfaches übersteigen.

Weiterhin wird gezeigt, wie die Verwendung von Zeiteinsparungen die monetäre Bewertung beeinflusst und wie weit die Auswirkungen der neuen NI-Produkte reichen können (vgl. Abschnitte 4.2.4 und 4.2.5). Die Möglichkeiten, die durch den Einsatz neuer NI-Produkte entstehen, reichen soweit, dass sich neben der Ablauf- auch die Aufbauorganisation des Versorgungsunternehmens ändern kann. Das durch Zeiteinsparungen entstehende Potenzial muss von den Kunden entweder in Form von Rationalisierung oder Produktivitätssteigerung ausgeschöpft werden und kann dann mit Hilfe des TSTS-Model (Rationalisierung) oder des Hedonic Wage Model (Produktivitätssteigerung) monetär bewertet werden.

An einem zweiten Beispiel des Hauptprozesses Instandhaltung (vgl. Abschnitt 4.3) wird gezeigt, dass die Methode auch anwendbar ist, wenn es sich um Prozesse handelt, die durch ereignisgesteuerte Verzweigungen sehr komplex werden können. Aus den Ergebnissen der beiden genannten repräsentativen Beispiele lässt sich schließen, dass die Methode für alle NI-gestützten Prozesse im Versorgungsunternehmen aussagekräftige Ergebnisse bringt. Es entsteht Übersicht, über die Höhe der eingesparten Personalkosten in den elementaren Arbeitsschritten dieser Prozesse.

Über die Bedeutung der Methode wird in Kapitel 5 diskutiert. Dort werden die in der Literatur genannten Nutzenpotenziale von neuen NI-Produkten untersucht und es wird beurteilt, in wie weit diese mit der vorgestellten Methode monetär bewertet werden können. Die Beurteilung wird unter folgenden Annahmen vorgenommen:

  • Das Kerngeschäft eines Versorgungsunternehmens ändert sich durch den Einsatz von neuen NI-Produkten nicht. Die meisten Kunden verrichten überwiegend die gleichen Aufgaben wie bisher.
  • Die Kunden erzielen dabei keine höheren Einnahmen.
  • Die Personalkosteneinsparungen stellen den wesentlichen Anteil der Nutzendifferenz dar. Diese Annahme wird durch die Ergebnisse der praktischen Untersuchung in Abschnitt 4.2 gerechtfertigt.
  • Neue Aufgaben, in denen neue NI-Produkte eingesetzt werden, sind selten oder bringen keine oder nur geringfügige Einnahmen (vgl. Abschnitt 5.5).
  • Strategische Wettbewerbsvorteile sind für die meisten Kunden aufgrund ihrer Position innerhalb des Versorgungsunternehmens von geringer Bedeutung. Ihre monetäre Bewertung akzeptieren sie nicht, da diese zu unsicher ist. Aus Sicht der Unternehmensführung sind die strategischen Wettbewerbsvorteile nicht von großer Bedeutung, wenn sich das Unternehmen in einer monopolähnlichen Stellung befindet (vgl. Abschnitt 5.5).

Unter Berücksichtigung dieser Annahmen resultiert eine neue Einteilung von Nutzenpotenzialen, die im Folgenden in der Reihenfolge ihrer Bedeutung für den Kunden genannt sind:

  • Nutzenpotenziale, die zu einer Veränderung der Durchlaufzeit in bereits bestehenden Arbeitsschritten des Kunden führen. Diese bilden den Großteil und sind nachvollziehbar monetär bewertbar.
  • Nutzenpotenziale, die in neuen Anwendungen auftreten, die durch die neuen NI-Produkte unterstützt werden. Diese können mit dem vorgestellten Ansatz nicht monetär bewertet werden.
  • Nutzenpotenziale, die für den Kunden von strategischer Bedeutung sind. Diese können mit dem vorgestellten Ansatz nicht monetär bewertet werden.

Das vorgestellte Bewertungsverfahren wird schließlich auf Basis eines Kriterienrahmens von (Pietsch, 2003) beurteilt (vgl. Abschnitt 5.7). Insbesondere die Kriterien Form, Transparenz und Nachvollziehbarkeit der Ergebnisse sowie Ganzheitlichkeit erfüllt das Verfahren in hohem Maße. Die Beurteilung des Kriteriums Ermittlungs- und Bewertungsaufwand hängt davon ab, in wie weit das Prinzip der Prozessorientierung bereits Bestandteil der Unternehmensphilosophie ist. Beispielhaft ist auch das Kriterium Praxisrelevanz hervorzuheben. Obwohl der Ansatz in engem Kontakt mit der Praxis entstand, kann seine Praxisrelevanz zunächst nur validiert und erst durch die konsequente und vollständige Umsetzung in einem Pilotprojekt verifiziert werden.
 



Literatur:

International Organization for Standardization (ISO) (2002): ISO 19113:2002, Geographic information, Quality principles. V, 29 S.

Pietsch, T. (2003): Bewertung von Informations- und Kommunikationssystemen - Ein Vergleich betriebswirtschaftlicher Verfahren. 2., neu bearbeitete und erweiterte Auflage, E. Schmidt, Berlin, 178 S.
 


 
Ausblick

Es lässt sich die Übertragbarkeit des vorgestellten Ansatzes auf andere Produkte, die aus anderen Informationssystemen in einem Versorgungsunternehmen oder in anderen Branchen erzeugt werden, erkennen. Dies wäre beispielsweise durch die Anwendung des Ansatzes auf (Geo-)Information, die in Prozessen von öffentlichen Behörden in Städten und Kommunen benötigt wird (Ebner, 2003b), zu verifizieren.

Darüber hinaus kann das vorgestellte Prinzip der Prozessorientierung die Grundlage für Ideen zu weiterer Forschungsarbeit im Umfeld von Netzinformation im Versorgungsunternehmen sein.

Speziell die Aufgabe, ausreichend hohe Qualität der Daten der neuen NI-Produkte sicher zu stellen, ist sowohl von wissenschaftlichem als auch wirtschaftlichem Interesse. Zur Sicherung der Qualität der Daten können in den Prozessen zur Her- und Bereitstellung neuer NI-Produkte vielfältige Maßnahmen getroffen werden. In der Arbeit sind die Möglichkeiten des prozessorientierten Qualitätsmanagements (PQM) in diesem Zusammenhang angedeutet (vgl. Abschnitt 2.2.2). Auf dem gesamten Weg der Daten von der Erhebung vor Ort, über deren Übernahme in das NIS, bis hin zur Bereitstellung von NI-Produkten für die Kunden, können die beteiligten Prozesse systematisch durch PQM unterstützt werden.

Dazu müssten zunächst die beteiligten Prozesse mit Hilfe von (elementaren) Arbeitsschritten dargestellt und diese analysiert werden, um erkennen zu können, an welchen Stellen im Unternehmen Tätigkeiten ausgeübt werden, durch die die Qualität der Daten beeinflusst wird. Anschließend wäre heraus zu arbeiten, welche Tätigkeiten durch technische oder organisatorische Maßnahmen unterstützt werden müssen. Durch organisatorische Maßnahmen wie beispielsweise die Festlegung und Dokumentation von Verfahren, Verantwortlichkeiten und Zuständigkeiten in einem Qualitätsmanagementsystem wurden in der Praxis bereits gute Ergebnisse erzielt (Ebner, 2003a). Darüber hinaus sind insbesondere die Möglichkeiten im Bereich von technischen Maßnahmen zur Sicherung der Qualität der Daten in den beteiligten Abläufen wissenschaftlich zu untersuchen. Ansätze dazu existieren bereits (z.B. Joos, 2000; Caspary und Joos, 1998 und 1999). Ziel muss es sein, durch die Implementierung von (teil-)automatisierten Verfahren die Risiken des Faktors Mensch bei der Produktherstellung auf ein Minimum zu reduzieren.

Ein weiteres, aus wissenschaftlicher Sicht interessantes Thema ist die monetäre Bewertung von NI-Produkten, durch die neue Anwendungen unterstützt werden (vgl. Abschnitt 5.5). In diesem Fall kann kein Vergleich von Durchlaufzeiten angestellt werden. Deshalb wurde in der Arbeit als Lösungsansatz für diese Problemstellung und als möglicher Ausgangspunkt weiterer Forschungsarbeit die Abschätzung von Folgekosten vorgestellt (vgl. Abschnitt 3.3.2.1). Gelingt es, mit diesem oder ähnlichen Lösungsansätzen Ergebnisse zu erzielen, die der Kunde als nachvollziehbar beurteilt, wäre ein weiterer Schritt zur vollständigen und nachvollziehbaren monetären Bewertung der NI-Produkte vollzogen.

In einem logischen weiteren Schritt könnte man sich im Rahmen von Forschungsarbeit der monetären Bewertung der Nutzenpotenziale von strategischer Bedeutung (vgl. Abschnitt 5.5) widmen. In diesem Fall müssten vor allem die in Abschnitt 2.4.3 erwähnten Verfahren aus der Betriebswirtschaftslehre näher untersucht werden. Daraus wäre ein Verfahren abzuleiten, das den Gegebenheiten im Fall der NI-Produkte im Versorgungsunternehmen Rechnung trägt und von den Betroffenen nachvollzogen und akzeptiert werden kann.
 



Literatur:

Caspary, W.; Joos, G. (1998): Quality Criteria and Control for GIS Databases. In: H. Kahmen, E. Brückl and Th. Wunderlich (Eds.): Proccedings of the IAG SC4 Symposium in Eisenstadt/Austria, pp. 436-441, 1998.

Caspary, W.; Joos, G. (1999): Statistical Quality Control of Geodata. In: Proceedings of The International Symposium on Spatial Data Quality ’99. Hrg.: Shi, W.; Goodchild, M.; Fisher, P., Hong Kong, 18.-20.07.1999, pp. 97-104.

Ebner, M. (2003a): Qualitätsmanagement der NIS-Daten bei der Thüga AG Bad Waldsee. Präsentation der Ergebnisse der 2-jährigen Projektarbeit am 29.4.2003, unveröffentlicht.

Ebner, M. (2003b): Bewertung von Nutzenpotenzial des geoGovernment. In: geoGovernment - Öffentliche Geoinformations-Dienste zwischen Kommune und Europa. Hrsg. Strobl/Griesebner, Wichmann Verlag, Heidelberg, S. 25-32.

Joos, G. (2000): Zur Qualität von objektstrukturierten Geodaten. Schriftenreihe des Studienganges Geodäsie und Geoinformation der Universität der Bundeswehr München, Heft 66/2000.
 


 
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