Heft 40/1989

Schriftenreihe
des Instituts für Geodäsie


 
Heft 40/1989

OBERHOLZER, Gustav

Ländliche Kulturgeschichte und Landentwicklung

213 S.

Auflage:  700

ISSN:  0173-1009

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Zusammenfassung

 


Inhaltsverzeichnis

Vorwort 3
 
1.  Einleitung und Vorstellung der Beispiele 5
     1.1  Erstes Beispiel:  der Resenhof in Bernau 6
     1.2  Zweites Beispiel:  das Heimatmuseum Görwihl 10
     1.3  Drittes Beispiel:  das Dorfmuseum Hausen im Wiesental 12
     1.4  Viertes Beispiel, für das noch ein Museum gesucht wird 13
     1.5  Vom Konkreten zum Allgemeinen 14
 
2.  Themenbereiche der ländlichen Kulturgeschichte
     anhand von Beispielen

15
     2.1  Der Resenhof in Bernau 15
     2.2  Das Heimatmuseum Görwihl 108
     2.3  Das Dorfmuseum in Hausen im Wiesental 152
     2.4  Die Seidenraupenzucht,
            ein vergessener Erwerbszweig  in unserem Land

168
 
3.  Kulturgeschichtliche Sachgebiete des ländlichen Raumes 179
     3.1  Agrargeschichte 180
     3.2  Forstgeschichte 182
     3.3  Flurgeschichte 183
     3.4  Siedlungs- und Baugeschichte 186
     3.5  Volkskunde  (Alltagsgeschichte) 187
     3.6  Geschichte des dörflichen Handwerks 189
     3.7  Wirtschafts- und Technikgeschichte 190
     3.8  Sozialgeschichte 194
     3.9  Literatur- und Kunstgeschichte 196
 
4.  Formen und Methodik kulturhistorischer Darstellung 197
     4.1  Didaktische Aufbereitung 198
     4.2  Organisation 200
     4.3  Museumsverbund 201
 
5.  Sozio-kulturelle Wirkungen 204
     5.1  Wirkungen für die Dorfbewohner 204
     5.2  Wirkungen für die Fremden 206
     5.3  Die Idee des Ökomuseums 207
     5.4  Ländliche Kulturgeschichte als ständige Aufgabe 210
 
6.  Zusammenfassung und Schluß 212
 

 
Vorwort

"Ländliche Kulturgeschichte und Landentwicklung" ist eine Begriffskombination, die auf den ersten Blick verwunderlich erscheint. Die ländliche Kulturgeschichte, d.h. die Geschichte der Kultur im ländlichen Raum, ist etwas Vergangenes, die Landentwicklung dagegen, d.h. die Förderung des ländlichen Raumes mit all seinen Funktionen für die Gesellschaft, eine Aufgabe der Gegenwart. Entwicklung bedeutet jedoch immer auch Veränderung, Veränderung traditioneller Strukturen, und es stellt sich dabei ständig die Frage, ob kulturgeschichtlich Gewachsenes behutsam für die Nachwelt erhalten oder "zum alten Eisen" geworfen werden soll.

Kultur wird hier im weitesten Sinne verstanden, also nicht nur als Bereich des "Geistigen und Schönen", wie ihn die engeren Kulturwissenschaften pflegen, losgelöst von der Nüchternheit des Alltagslebens, sondern mit betonter Einbeziehung gerade auch dieses Alltages, so wie es heute die Volkskunde in ihrem Verständnis als empirische Kulturwissenschaft oder Kulturanthropologie versteht. Alltag bedeutet vor allem Lebens- und Arbeitsgewohnheiten, soziale Strukturen, Nutzung von Grund und Boden usw.

Dort wo heute Flurbereinigung in ihrer integralen Form also unter Einbeziehung von Land- und Forstwirtschaft, von Landschaft und Siedlung durchgeführt und damit Landentwicklung betrieben wird, werden ständig Elemente dieser Kultur tangiert, ja zum Teil verändert oder gar beseitigt, weil sie der Vergangenheitn zugewiesen werden und eine Funktion für die Gegenwart nicht mehr gesehen wird.

All diejenigen, die Landentwicklung betreiben, insbesondere die Flurbereinigungsingenieure, sind mitverantwortlich, wie die kulturgeschichtlichen Zeugen des ländlichen Raumes im Prozeß der Erneuerung behandelt werden. Eine Sensibilisierung und ein kritisches Bewußtsein für die ländliche Kulturgeschichte ist dazu vonnöten.

In meiner zehnjährigen Tätigkeit beim Flurbereinigungsamt Säckingen im südbadischen Raum von 1968 bis 1978 konnte ich praktisch erfahren, wie ländliche Kulturgeschichte einem ständig begegnet und beachtet werden muß. Das mündete ein in eine seitherige aktive Mitwirkung bei der Errichtung und Ausgestaltung ländlicher Museen. Nachdem nun deren Aufbau einen gewissen Abschluß gefunden hat, habe ich es für notwendig erachtet, einmal Bilanz zu ziehen, Erfahrungen und Erkenntnisse zusammenzutragen und sie all denen weiterzugeben, die an dörflicher Kultur interessiert sind. Diese zusammenfassenden Betrachtungen sind nicht für Spezialwissenschaftler der Kulturgeschichte, insbesondere der Agrar- und Sozialgeschichte oder der Volkskunde, geschrieben, sondern sollen den in der Landentwicklung Tätigen Anregungen geben.

Bei den erwähnten Museen handelt es sich um Museen im südlichen Schwarzwald, nämlich um den Resenhof, ein Schwarzwaldhaus- und Holzschnepflermuseum in Bernau bei St. Blasien, das Heimatmuseum Görwihl auf dem Hotzenwald und das Dorfmuseum in Hausen im Wiesental.

Teilgebiete aus diesen Museen sollen in exemplarischer Anschauung behandelt werden, um daran anschließend allgemein die Gebiete der ländlichen Kulturgeschichte, mit denen die Landentwicklung in Berührung kommt, und methodische Probleme ihrer Dokumentation aufzuzeigen.

Mein Dank gilt all denjenigen, mit denen ich bei der gemeinsamen Aufgabe tatkräftig zusammenarbeiten konnte, den Bürgermeistern der drei Gemeinden, den vielen des alten Lebens im Dorf noch Kundigen, vor allem den Landwirten und Handwerkern aus der älteren Generation und denen, die an der Kultur und der Geschichte ihrer Dörfer interessiert sind. Zwei darf ich dabei besonders herausheben, weil ihre Kenntnisse und ihre Tatkraft im Bewahren der geschichtlichen Zeugnisse unsere gemeinsamen Ziele besonders förderten, Herr Heinrich Kaiser aus Bernau und Herr Paul Eisenbeis aus Görwihl. Dankbar gedenke ich auch meines verstorbenen Vaters, der mich als Lehrer auf dem Dorfe von Jugend an mit der Heimatgeschichte vertraut gemacht hat. Aber auch meiner Frau Ilse und meiner Tochter Susanne darf ich für ihr Verständnis und ihre Mitarbeit danken, das um so mehr, weil für die Museumsarbeit vor allem die Wochenenden verwendet werden mußten. Unsere Arbeit war getragen von der inneren Verbundenheit mit der alten Heimat!

München, im Sommer 1989

G. Oberholzer
 


 

Zusammenfassung und Schluß

Aufgrund einer langjährigen Mitbetreuung ländlicher Museen hat der Verfasser versucht, eine gewisse Bilanz zu ziehen, wie ländliche Kulturgeschichte und Landentwicklung sich gegenseitig berühren können. Um nicht nur abstrakte Gedanken darzulegen, wurde der Themenkreis anhand von Beispielen konkretisiert; dabei sind inhaltliche Schwerpunkte der Schwarzwaldhaus- und Holzschnepflermuseums Bernau, des Heimatmuseums Görwihl auf dem Hotzenwald und des Dorfmuseums Hausen im Wiesental, alle im südlichen Schwarzwald gelegen, beschrieben worden. Es sollte dabei aufgezeigt werden, welche Vielfalt kulturgeschichtlicher Beziehungen bestehen kann, die auch den heutigen Menschen, sowohl den Dorfbewohner wie auch den Dorfbesucher aus der Stadt, anregt, zum Nachdenken zwingt und in ihm ein Bewußtsein unserer geschichtlichen Wurzeln bewirkt.

Während materielle Interessen bei den Maßnahmen der Landentwicklung meist mit Nachdruck von den Betroffenen vertreten werden, gelangen immaterielle Werte allzugerne in den Hintergrund, zum Teil auch, weil die mit ihrer Interessenwahrnehmung betrauten Behörden personell und finanziell überfordert sind. Die Flurbereinigungsbehörde, die alle Interessen abzuwägen und heute einen integralen Planungsauftrag für den ländlichen Raum wahrzunehmen hat, steht dabei in der Verantwortung, auch das kulturgeschichtliche Erbe gebührend zu berücksichtigen und gegebenenfalls mitzuwirken, es für die Nachwelt zu erhalten.

Nach der Behandlung der Beispiele werden kulturgeschichtliche Sachgebiete des ländlichen Raumes im einzelnen aufgeführt und ihre Berührungspunkte mit der Landentwicklung skizziert. Die Angabe wichtiger Literatur ermöglicht ein weiteres Vertiefen.

Die Vermittlung zwischen kulturgeschichtlichem Objekt und erkennendem Subjekt, dem Menschen, ist ein besonderes Gebiet, das im ländlichen Museum of stiefmütterlich behandelt wird. Der didaktischen Aufbereitung und den Formen kulturgeschichtlicher Präsentation sind deshalb ein besonderes Kapitel gewidmet.

Das Bewußtsein einer gewissen kulturellen Selbständigkeit des Dorfes ist in den letzten Jahren gewachsen; das ist auch an einem zunehmenden Interesse der Dorfbewohner zu spüren. Deshalb wurden die sozio-kulturellen Wirkungen eigener kulturgeschichtlicher Institutionen im Ort, insbesondere eines Museums, hervorgehoben und ihr Einfluß auf das dörfliche Selbstverständnis aufgezeigt.

Ländliche Kulturgeschichte zu pflegen, ist eine ständige Aufgabe. Die Landentwicklung kann dabei wertvolle Anstöße geben; sie muß jedoch beachten, daß das langfristige örtliche Interesse letztendlich von entscheidender Bedeutung ist.

Anregungen zu geben für alle, die in der Landentwicklung tätig sind, langjährige Erfahrungen im Umgang mit dörflicher Kultur zusammenzufassen, aufmerksam zu machen auf die im ländlichen Raum noch verhältnismäßig stark vertretenen traditionellen Elemente - das waren die Beweggründe, ländliche Kulturgeschichtliche und Landentwicklung, sowohl im konkreten wie auch im allgemeinen, einmal geistig zusammenzubinden und ihr gegenseitiges Verhältnis zu beleuchten!
 



Eine Fortsetzung des Themas ist als Teil II der Ländlichen Kulturgeschichte und Landentwicklung als Heft 57 dieser Schriftenreihe 1997 erschienen.
 


 
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