Herdflächenlösungen aus geodätischen Beobachtungen

Schriftenreihe
des Instituts für Geodäsie

Heft 39/1989


 
Herdflächenlösungen
aus geodätischen Beobachtungen

Norbert KERSTING
 

In: KERSTING, Norbert / WELSCH, Walter (Hrsg.) [1989]:
Rezente Krustenbewegungen. Seminar, 8.-9. Juni 1989.
Schriftenreihe des Studiengangs Vermessungswesen der Universität der Bundeswehr München, Heft 39, Neubiberg, S. 213-230.
 



Zusammenfassung

Die seismische Aktivität der Erde konzentriert sich zu 90% auf die Ränder tektonischer Platten. Ursache für Erdbeben sind Spannungen, die sich aufbauen, wenn die Relativbewegung an den Grenzflächen der Platten durch seitliche Reibung blockiert ist, während sie in größerem Abstand unverändert andauert. Übersteigen die Spannungen den Reibungswiderstand, bricht die Erdkruste entlang einer Fläche, die in der Regel Teil einer schon vorhandenen geologischen Verwerfung ist, der sogenannten Herdfläche: die zwei gegenüberliegenden Teile der Erdkruste versetzen sich ruckartig gegeneinander und deformieren dabei das Umfeld der Verwerfung.

Da sich das Material der Erdkruste näherungsweise elastisch verhält, wird auf der Grundlage der Elastizitätstheorie ein Modell entwickelt, das Puntkverschiebungen als Resultat des Versatzes an der Herdfläche erklärt, das Dislokationsmodell. Es approximiert die Herdfläche durch eine rechteckige Ebene mit zwei zur Erdoberfläche parallelen Kanten; der Versatzvektor wird darin als konstant angenommen. Liegen geodätisch ermittelte Punktverschiebungen vor, gelingt es andererseits, daraus die Parameter der Herdfläche und den Versatz, d.h. eine Herdflächenlösung, zu schätzen. Anhand eines Beispiels aus Kalifornien werden die Möglichkeiten des vorgestellten Ansatzes verdeutlicht.
 



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